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Ostkreis Zug-Pfiff hieß Fersengeld geben
Landkreis Ostkreis Zug-Pfiff hieß Fersengeld geben
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13:58 23.08.2021
Erinnerung an die alte Wohratalbahn, eingeweiht in 1914: Dieses Bild der alten Haltestelle Ernsthausen-Wambach hat uns Herbert Schildwächter aus Wohratal-Hertingshausen geschickt.
Erinnerung an die alte Wohratalbahn, eingeweiht in 1914: Dieses Bild der alten Haltestelle Ernsthausen-Wambach hat uns Herbert Schildwächter aus Wohratal-Hertingshausen geschickt. Quelle: Privat
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Ernsthausen

Eine Bahnstrecke verbindet, Menschen wie Orte. Das gilt oder eher galt auch für die alte Wohratalbahn. Auf historischen Bildern sehen wir die ehemalige Haltestelle Ernsthausen-Wambach, die einst ebenfalls auf einer alten Ernsthäuser Ansichtskarte neben Dorf, Kirche, Friedhof und Kriegerdenkmal gekonnt in Szene gesetzt wurde.

Diese bildstarke Erinnerung an die Vergangenheit hat Herbert Schildwächter aus Wohratal-Hertingshausen aufbewahrt und uns zur Verfügung gestellt, er berichtet aus seinen Erinnerungen an die frühere Wohratalbahn. Diese – eingeweiht am 1. Mai im Jahr 1914 – verband insbesondere die Städte Gemünden (Wohra) und Kirchhain miteinander.

Dazwischen waren Wohra, Halsdorf, Ernsthausen-Wambach, Rauschenberg, Hardtmühle Haltestellen.

Es dürfte ein kleines Spektakel gewesen sein, als damals vor über 100 Jahren der erste Zug heranfuhr, auf der Lokomotive stand damals: „Gott grüsse Dich, Wohratal.“ Viele Menschen verfolgten dieses Moment und Gustav Bubenheim begrüßte den Zug in Halsdorf mit einem Gedicht: „Die Welt steht uns offen, jetzt sind wir frei, wie schnell können wir in Kirchhain sein, man setzt sich in die Bahn rein, für wenig Geld bei Regen und Sonnenschein.“

Früher beförderte die Bahn unter anderem junge Passagiere zu den Schulen, insbesondere nach Kirchhain. Auch Berufstätige fuhren in diese Richtung, um dann weiter zu ihren Arbeitsstätten in Kirchhain, Stadtallendorf oder Marburg zu gelangen.

Ab 1958 nutzte auch Herbert Schildwächter als Schüler die Bahn, fuhr von der Ernsthäuser Haltestelle aus nach Kirchhain.

Er erinnert sich noch an das Signalhorn: Das Hupen des Zuges war für die Schüler immer dann zu hören, wenn die Bahn bei Halsdorf die Bundesstraße 3 bei einem unbeschrankten Bahnübergang überquerte. „Das war für uns Schüler auf dem etwa 600 m langen Bahnweg von Ernsthausen aus ein Anhaltspunkt, eventuell das Tempo des Gehens zu erhöhen, um pünktlich an der Haltestelle zu sein“, erinnert sich Schildwächter noch gut.

Am 28. Mai 1972 fuhr der letzte Personenzug auf der Strecke. Der Güterverkehr wurde im Jahr 1981 eingestellt.

Heute ist die ehemalige Haltestelle Ernsthausen-Wambach mit dem Wartehaus und dem „Toilettenhaus“ – als solches nicht nutzbar, aber nach Vorbild des abgerissenen Originals nachgebaut vom Bürgerverein „Die Aktiven Störche“ – ein Anlaufpunkt am Radweg „R 6“ gelegen. Der Verein erhielt dafür den Denkmalschutzpreis.

In einem ehemaligen Wartehaus, das immer geöffnet ist, liegt ein Gästebuch aus, in das Zeitzeugen ihre Erinnerungen an die Bahn schriftlich darlegen können. Dort finden sich auch Dokumente, Zeitungsausschnitte und Fotos über die alte Wohratalbahn. Neben der ehemaligen Haltestelle lädt ein extra angelegter Platz mit Tisch und Bänken zum Verweilen ein.

Von Ina Tannert