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Ostkreis Alles neu – bis auf das Becken?
Landkreis Ostkreis Alles neu – bis auf das Becken?
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15:58 07.11.2020
Das Rauschenberger Freibad aus der Luft. Quelle: Tobias Hirsch
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Rauschenberg

Vor etwas mehr als einem Jahr beschlossen Rauschenbergs Stadtverordnete, dass ein Planungsbüro sich dem Freibad und insbesondere der Neugestaltung der Funktionsgebäude annehmen soll. Am Montag legt ihnen der Magistrat nun einen Planungsentwurf vor – der quasi einen Kahlschlag samt Neubau vorsieht. Lediglich das Schwimmerbecken bleibt, wie es ist – abgesehen von der Technik, die ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht werden soll. Wer ein modernes Bad wolle, das den heutigen Richtlinien und Anforderungen entspreche, der komme nicht daran vorbei, sagt Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) und betont, zukunftsweisende Neubauten seien weitaus sinnvoller als ein Flickwerk. Dabei rechnet er mit Kosten in Höhe von rund drei Millionen Euro, hofft aber gleichzeitig, dass die Stadtverordneten nicht nur den Neugestaltungsplänen zustimmen, sondern auch der Anmeldung der Freibadsanierung beim Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Dies könnte bei einer erfolgreichen Bewerbung beziehungsweise der Aufnahme in das Förderprogramm eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 45 Prozent nach Rauschenberg spülen. Der Projektantrag sei prophylaktisch schon gestellt, betont der Bürgermeister – Grund dafür sei das Fristende zur Einreichung von Anträgen, das am 31. Oktober war. „Ob unsere Maßnahme alle Kriterien vollumfänglich erfüllt, kann derzeit nicht gesagt werden. Wir haben jedoch die Möglichkeit, ein deutlich höheres Fördervolumen als beim SWIM-Programm des Landes Hessen zu erreichen“, sagt Emmerich und ergänzt, weiterhin nach anderen Förderprogrammen mit noch höheren Fördersätzen zu suchen.

„Die alten Gebäude stehen zu lassen, macht keinen Sinn“, so der Rathauschef. Sie nachträglich zu dämmen und in Sachen Aufteilung umzustrukturieren, was Veränderungen bei Leitungen und vielem mehr mit sich bringe, sei weitaus schwieriger, als die Funktionsgebäude passend zu den neuen Anforderungen und Vorstellungen neu zu bauen. Auch kostentechnisch mache dies keinen Unterschied, sagt Emmerich in Anspielung darauf, dass die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Sport und Soziales sich einst dafür ausgesprochen hatten, die Hüllen der Gebäude stehen zu lassen: „Weiterhin weiß man nicht, in welchem Zustand die derzeitigen Anschlussleitungen unter dem Betonboden sind. Diese können nach mehr als fünf Jahrzehnten durchaus porös oder auch defekt sein, so dass Abwasser in den Untergrund dringt.“ Auch aus diesem Grund hält er einen Neubau für sinnvoller.

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Die Gebäudegrößen verändern sich laut Planungen nur leicht: Der südliche Trakt soll um rund drei Meter verlängert werden, der westliche Trakt um etwa zwei Meter (und noch dazu 80 Zentimeter in die Breite wachsen). Zudem ist angedacht, Kassenbereich, Personalraum sowie Toiletten und Umkleide für Personal von den Räumen für die Besucher zu trennen. Das Kinderbecken soll seinen Standort behalten, allerdings auf zwei Ebenen gebaut werden, die dann mit einer Rutsche verbunden werden. Der Wasserbereich für Kleinkinder soll „unwesentlich größer“ werden, aber „wesentlich attraktiver“.

In Sachen Technik sind ebenfalls Neuerungen vorgesehen. Die in diesem Jahr eingebaute UV-Anlage finde natürlich auch im Neubau Verwendung, sagt Emmerich, ansonsten gelte es zu prüfen, was noch sinnvoll nutzbar sei. Bei Chlorgas- oder Filteranlage sei das beispielsweise wohl nicht der Fall. Das Kinderbecken soll übrigens auch an die Filteranlage des Technikbereiches angeschlossen werden, um einen durchgängigen Austausch des Wassers zu gewährleisten (derzeit wird Wasser morgens ein- und abends abgelassen, da es keinen Wasserumlauf gibt).

Auch beim Kiosk ist ein Neubau angedacht – etwas tiefer im Hang und näher am Becken. Von seiner Terrasse hätte man einen guten Blick über die Anlage, und die Liegewiese vor dem Schwimmbecken könne vollständig erhalten werden, so Emmerich. Eine Alternative wäre, den Kiosk dort zu bauen, wo derzeit der Werkstatt- und Geräteraum vorgesehen sind: „Nachteil ist, dass keine Terrasse als Aufenthaltsmöglichkeit gebaut werden kann, da der Hang dies nicht zulässt.“

Am Montag (20 Uhr, Mehrzweckhalle Bracht) setzen sich die Stadtverordneten mit der Thematik und den Fördermöglichkeiten auseinander. Danach erst kommt es zur „Gesamtplanung“, die Anfang 2021 vorliegen soll. Die Umsetzung ist für die Zeit ab August 2022 angedacht, damit die Badesaison 2023 dann in neuem Glanz genutzt werden kann. Emmerich hofft auf Zustimmung: Ein Schwimmbad sei ein Werbefaktor bei Jung und Alt, und das Freibad werde immer besser angenommen. Noch dazu sei eine solche Einrichtung vor dem Hintergrund wichtig, dass immer weniger Kinder schwimmen könnten – daher wäre es gut, so der Bürgermeister, wenn die Stadt Rauschenberg weiterhin eine solche Anlage bereithalte, damit Kitas und Schulen sie nutzen und dort auch die entsprechenden Kurse stattfinden können.

Von Florian Lerchbacher