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Ostkreis Der Mauerfall von Amöneburg
Landkreis Ostkreis Der Mauerfall von Amöneburg
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13:55 03.06.2020
Derzeit ist die Mauer mit einer Plane abgedeckt. Wann die Arbeiten weitergehen, ist noch unklar. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Eine Plane deckt dieser Tage die Amöneburger Friedhofsmauer ab, die der Heimat- und Verkehrsverein eigentlich gerade sanieren will.

Der Denkmalschutz hat einen Baustopp verfügt, über dessen Hintergründe in der Stadt jede Menge Gerüchte kursieren. Doch es ist alles halb so wild, sagt Bürgermeister Michael Plettenberg – aber auch erst, nachdem er sich die Mitteilung des Denkmalschutzes ein zweites Mal angeschaut hat.

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Ungefähr ein Jahr ist es her, dass die – derzeit in Mutterschutz befindliche – Bauamtsleiterin der Stadt einen Antrag auf eine Genehmigung der Sanierung von Teilen der arg in Mitleidenschaft gezogenen Friedhofsmauer an den Denkmalschutz schickte.

Dieser habe zwar Rückfragen gestellt und auf Nachfrage zusätzliche Informationen erhalten, berichtet Bürgermeister Michael Plettenberg, ansonsten sei aber keine Reaktion gekommen. Daher sei er nach Ablauf eines gewissen Zeitraums von der „Genehmigungsfiktion“ ausgegangen – will heißen: Wenn der Antragsteller nix hört, gilt sein Anliegen als genehmigt.

Verein kannte den aktuellen Stand nicht

Und so machten sich, wie im Antrag ausdrücklich betont, Mitglieder des Heimatvereins daran, die Krone der Mauer abzunehmen, um die Steine dann von einer Fachfirma sandstrahlen zu lassen. Dann jedoch meldete sich der Denkmalschutz bei der Stadt und veranlasste einen Baustopp – und das Drama nahm seinen Lauf.

Plettenberg verstand die Welt nicht mehr und ärgerte sich während einer Anfrage dieser Zeitung über den Denkmalschutz, um unmittelbar nach dem Telefon mit der OP noch einmal genau in die Unterlagen seiner Bauamtsleiterin zu schauen. Dabei stellte er fest: Der Baustopp bezieht sich gar nicht auf die ganze Mauer, sondern nur auf einen Teil, für den die Kommune gar keinen Antrag gestellt hatte.

Die Vereinsmitglieder hätten nicht gewusst, dass sie nur am Eingang und nahe des Kompostes (und nicht auch dazwischen) tätig werden dürfen, berichtet Plettenberg und gibt zu, dass dies ein Missverständnis gewesen sei.

Bürgermeister lobt Verkehrsverein

Er habe nun auf das Anschreiben des Denkmalschutzes reagiert und nachträglich einen dritten Bauabschnitt – eben jenen zwischen den genehmigten Teilen – beantragt. Die Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins seien aber erstmal kräftig verunsichert und würden abwarten wollen, wie die nächste Entscheidung der Behörde ausfällt.

„Der Verkehrsverein hat sich in den vergangenen Jahren stark um die Mauern der Stadt verdient gemacht“, betont Plettenberg und ergänzt, dass die tätigen Mitglieder Fachmänner seien und wüssten, wie sie mit dem denkmalgeschützten Bauwerk umgehen müssen.

Bürger hatten gegenüber dieser Zeitung ihren Unmut geäußert, dass die Männer beim Abnehmen der Mauerkrone rabiat vorgegangen seien und eine Vielzahl an Steinen beschädigt hätten – eine Anschuldigung, die Plettenberg unverständlich ist: Er habe die Steine genau unter die Lupe genommen.

Großer Aufwand für Denkmalschutz

Ein einziger sei bei den Arbeiten kaputt gegangen: „Sie sind durchnummeriert, liegen sorgfältig an einem sicheren Ort und werden genau so, wie sie einst lagen, wieder auf der Mauer aufgebracht.“ Was vielleicht rabiat ausgesehen habe, sei dies auf keinen Fall: Es kämen eben ein Bagger und Gurtbänder zum Einsatz – es werde aber vorsichtig gearbeitet.

Und während kritische Beobachter bereits befürchten, die alten Steine kämen weg und würden durch neue ersetzt, so steht noch einmal explizit in Plettenbergs Antrag an den Denkmalschutz: „Wir haben uns entschieden, diesen großen Aufwand zu betreiben, um möglichst alle alten Steine erhalten zu können (…). Wir denken aber, dass das sachgerechter ist, als sie durch neue Steine zu ersetzen, wie es abschnittsweise beim vorherigen Abschnitt (Ritterstraße/Bonifatiusstraße) geschehen ist.“

Plettenberg: „Das ist kalter Kaffee“

Eine weitere Befürchtung von Bürgern: Die Stadt könnte einen Teil der Mauer entfernen, damit die Müllabfuhr besser an den Kompost auf dem Friedhof gelangt. Dies sei „kalter Kaffee“, meint der Bürgermeister. Die Idee habe tatsächlich einmal bestanden, weil der gemauerte Kompostplatz schwer zu erreichen sei und immer von außen über die Mauer geleert wurde.

Er habe (in Rüdigheim) eine Firma gefunden, die Mini-Container zur Verfügung stellt – und diese könnten mit einem Fahrzeug geleert werden, das durchs Friedhofstor passt. „Das Loch in der Mauer ist vom Tisch“, sagt der Bürgermeister – und die Stadt dürfe den gemauerten Kompostplatz entfernen und durch einen Container ersetzen.

Von Florian Lerchbacher

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