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Ostkreis Waldbesetzer kündigen harten Widerstand an
Landkreis Ostkreis Waldbesetzer kündigen harten Widerstand an
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18:31 06.11.2020
Am Donnerstag begann die Protestaktion gegen die Autobahn 49 auf der Bundesstraße 62. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Niederklein

Autofahrer brauchten am Freitag wieder Geduld und Nerven. Nach wie vor war die Bundesstraße 62 zwischen Niederklein und Lehrbach gesperrt. Die Polizei hatte für Ortsfremde eine Umleitungsstrecke ausgeschildert. Im Rundfunk gab es regelmäßige Warnmeldung. Anlass war nach wie vor jenes über die Bundesstraße gezogene Seil mit Transparent, gespannt beziehungsweise aufgehängt von A-49-Gegnern. Am Donnerstag hängten sich Autobahngegner auch an eben dieses Seil. Das passierte am Freitag nicht.

Dennoch sah die Polizei keinen Anlass, die Straße unter der Seilkonstruktion wieder freizugeben. Im Gegenteil. Nachdem sich Experten das Seil, vor allem aber einen der Bäume, an denen es befestigt war, genauer angesehen hatten, gab es eine deutliche Warnung. Jener Baum sei „instabil“, erklärte eine Polizeisprecherin vor Ort gegenüber der OP. Deshalb wurde ein Sicherheitsbereich unterhalb des Seiles eingerichtet, der nur mit Helm betreten werden durfte. Fieberhaft suchte die Einsatzleitung gemeinsam mit Beratern, darunter Ingenieuren, nach einer praktikablen Lösung. Einfach abschneiden lasse sich das Seil nicht, zumal sich auf einer Seite der Traverse noch Ausbaugegner im Baum aufhielten. Auch bei diesem Einsatz setzte die Polizei deshalb nach eigenen Worten lieber auf „Sicherheit statt Schnelligkeit“.

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„Tag X“vor der Tür?

Gleichzeitig äußerten sich gestern Waldbesetzer aus Dannenrod, das Bündnis „Wald statt Asphalt“, Fridays for Future Deutschland und Greenpeace in einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz zur Situation im Dannenröder Wald. Sie machten klar, dass im seit mehr als einem Jahr teilweise besetzten Wald mit deutlich mehr Widerstand zu rechnen sein werde, wenn die Baumfällarbeiten dort begännen. „Überlegt Euch wirklich gut, ob Ihr Euch mit uns anlegen wollt“, drohte Frieda Blume von „Wald statt Asphalt“. Sie sprach beim näherrückenden Beginn der Fällarbeiten von einem „Tag X“, an dem man viel lauter sein werde. Und Frieda Blume, so der von ihr genannte Name, kündigte außerdem an: „Wir machen diese Räumung zum Desaster.“

Greenpeace-Sprecherin Marion Tiemann schlug wesentlich ruhigere und grundsätzlichere Töne während der Pressekonferenz an. „Dieser Konflikt steht für viel mehr“, betonte sie. Es gehe um eine neue Klimaschutzpolitik. Die Organisatoren der Pressekonferenz, darunter auch die Bürgerinitiative Keine A 49, stimmten Journalisten gestern mit Livebildern aus dem Herrenwald ein, von gefällten Bäumen. Offenbar fand die Online-Übertragung an einem Ort auf der Trasse statt.

Es geht um 27 Hektar

Wann genau es zum Beginn der Rodungen im Dannenröder Forst kommt, ist offen. Es geht um eine Fläche von 27 Hektar Wald, die gefällt werden soll. Das entspricht etwa 3 Prozent des gesamten Waldstückes. Wie viele Baumhäuser, verteilt auf mehrere „Siedlungen“, es dort gibt, ist nicht ganz klar. Zuletzt Anfang Oktober sprach die Polizei von mindestens 40. Sie gelten teilweise als sehr gut ausgebaut.

Die Polizei wird sich am Montag in einer Pressekonferenz zu ihrer Einsatzbilanz äußern und wohl auch einen Ausblick auf das weitere Geschehen geben. Am Freitag bezog Landespolizeipräsident Robert Ullmann gegenüber der Deutschen Presseagentur Stellung: „Wir rechnen damit, dass sich die Lage im Dannenröder Forst verschärfen wird.“ Man rechne mit Störerinnen und Störern, die Gewalt als legitimes Mittel ansähen. „Wir werden weiter darauf setzen, dass die Situation nicht eskaliert, aber wir werden auch immer konsequent einschreiten, sobald Straftaten begangen werden“, kündigte Ullmann an.

Von Michael Rinde