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Ostkreis Die Räumung geht weiter
Landkreis Ostkreis Die Räumung geht weiter
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21:05 16.11.2020
Quelle: Nadine Weigel
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19.30 Uhr: Einsatzbilanz der Polizei

Auch am heutigen Einsatztag kam es nach Angaben der Polizei Mittelhessen wieder zu Angriffen auf Polizisten. Die Versammlungen im Dannenröder Forst verliefen friedlich.

Die Polizei betrat den Wald nach eigenen Angaben wieder sowohl im nördlichen als auch im südlichen Bereich, um dort Gefahrenquellen zu identifizieren und diese zu entfernen. Verbotene Bauten und Barrikaden seien entsprechend beseitigt und ausgehobene Gräben und Löcher aufgefüllt worden, um Rettungswege wieder nutzbar zu machen. Zudem seien die Arbeiten am Logistikbereich im südlichen Teil fortgeführt worden.Es gab keine Verletzten, dafür aber mehrere Festnahmen. Bei einer Festnahme bespuckte ein Ausbaugegner die Einsatzkräfte. Insgesamt wurden am Montag (16. November) laut Polizei 38 Personen in Gewahrsam genommen. Darüber hinaus seien zwei Ermittlungs- und 43 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden.

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16.30 Uhr: Live-Video aus dem Forst

Im nördlichen Teil des Dannenröder Forsts werden extrem hohe Baumhäuser mittels eines Hubsteigers geräumt.

15.45 Uhr: Widerstand bei Räumung

Im Baumhausdorf "Drüben" gibt es bei der Räumung Widerstand. Die Polizisten werden mit Flaschen und Gegenständen beworfen. Die zu evakuierenden Personen widersetzen sich der Festnahme.

Quelle: Nadine Weigel

 

15.30 Uhr: Haftbefehle gegen zwei Autobahngegner

Das Amtsgericht Gießen hat Haftbefehl wegen Fluchtgefahrt gegen zwei Waldbesetzer erlassen. Einen Mann hatte die Polizei nach einer Attacke mit Steinen und Pyrotechnik am Samstag festgenommen. Er hatte laut Polizei und Staatsanwaltschaft Gießen Steine in Richtung von Polizeibeamten geworfen und sie damit am Schienbein verletzt. Bei einer Durchsuchung fanden Beamte einen Böller, ein Messer und weitere Steine.

Eine Frau hatte bereits vergangene Woche ein Stein in Richtung des Kopfes eines Polizisten geworfen. Am Wochenende wurde sie wiedererkannt, als Polizisten sie aus einem Baum holten.

Die Ermittlungsrichterin ordnete gegen beide die Untersuchungshaft wegen des dringenden Verdachts des Landfriedensbruchs, des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall sowie der versuchten bzw. vollendeten gefährlichen Körperverletzung an. Beide haben ihre Identität bisher nicht preisgeben wollen.

14.50 Uhr: Besetzer werfen mit Flaschen

Wieder werden Baumaschinen von Waldbesetzern beworfen, dieses Mal ein Bagger, der in der Nähe des Camps Drüben arbeitet. Waldbesetzer werfen Flaschen und zünden Pyrotechnik. Unterdessen hat das Bündnis Attac in Marburg vor den Geschäftsstellen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen gegen die Autobahn 49 demonstriert. Bei den Kundgebungen waren nur wenige Teilnehmer.

12 Uhr: Neues zum Unfall vom Sonntag

Soeben haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft zum Unfall geäußert, bei dem am Sonntag eine 20 Jahre alte Frau von einem Tripod im Dannenröder Wald stürzte. Nach bisherigen Ermittlungen hat offenbar ein Polizist ein Seil durchschnitten, das mit dem Tripod und der Frau verbunden war. 

Kein Hinweis auf Vorsatz

In den vergangenen Tagen seien mehrfach Fallen wie Nageleimer oder Drahtseile in Kopfhöhe festgestellt worden, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellten. Deshalb habe der Beamte das Seil zur Verhinderung von solchen Risiken durchschnitten, erklären die Ermittler. Der Beamte meldete sich selbst bei den ermittelnden Polizisten. Es gibt laut der Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft bisher keinen Hinweis darauf, dass der Beamte vorsätzlich das Seil durchschnitten habe. Mehr dazu lest Ihr hier

10 Uhr: Waldbesetzer in Bäumen

Auch heute harren wieder zahlreiche Gegner des Autobahnweiterbaus in den Bäumen aus. Spezialisten der Polizei sind dabei, sie auf den Boden zu holen.

Foto: Nadine Weigel

9 Uhr: Kleine Demo in den Wald

Es gibt eine kleine Demo gegen Rodungen im Dannenröder Forst. Etwa zehn Personen sind von Niederklein aus in Richtung Wald unterwegs, um sich von Bäumen zu verabschieden. 

Foto: Nadine Weigel

8 Uhr: Feuer im Forst

Die Bürgerinitiative "Keine A49" hatte nach dem Absturz einer Waldbesetzerin von einem Tripod am Sonntag gefordert, den Polizeieinsatz im Dannenröder Forst zu stoppen. Bewirkt hat das offensichtlich nichts. Denn die Polizei ist wieder seit den frühen Morgenstunden im Forst im Einsatz – und das den siebten Tag in Folge. Ihre Aufgabe: räumen fürs Roden. Wie die Polizei mitteilt, stießen Einsatzkräfte am Morgen im nördlichen Teil des Waldes auf ein Lagerfeuer. "Das Feuer brennt kontrolliert ab. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht", teilt die Polizei mit. 

Der Hintergrund

Für den umstrittenen Weiterbau der A49 sollen im Dannenröder Forst 27 Hektar Wald gerodet werden. Die Autobahn soll irgendwann Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Dagegen protestieren Umwelt- und Klimaschützer, die das Waldstück seit mehr als einem Jahr besetzt halten.

Al-Wazir: Vermutlich zu spät

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) machte im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» wenig Hoffnung auf eine Änderung der Ausbaupläne: «Die Grünen im Bundestag haben 2016 gegen den Bundesverkehrswegeplan gestimmt; unter anderem wegen Autobahnprojekten wie der A49. Warum sollten sie jetzt ihre Haltung ändern? Über Bau oder Nichtbau einer Bundesautobahn wird nun mal im Bund entschieden», sagte Al-Wazir. «Klar ist aber auch: In welche Richtung sich Verkehrspolitik in Deutschland entwickelt, darüber wird bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr entschieden.»

Reitz: Noch nicht zu spät

Kristina Reitz sieht das anders. Die an der Hochschule Niederrhein forschende und lehrende Professorin ist Expertin für Konfliktvermittlung. Sie stammt aus Gemünden/Felda, genauer gesagt aus Ehringshausen – wenige Kilometer entfernt vom Dannenröder Forst. „Das Kind ist erst dann wirklich nicht mehr aus dem Brunnen zu retten, wenn es unten im Schacht liegt und dieser voll Wasser gelaufen ist“, sagt Kristina Reitz im Gespräch mit der OP. Ihr Plan ist ambitioniert: Sie setzt sich dafür ein, die im Streit um den A-49-Weiterbau extrem verhärteten Positionen aufzuweichen und neu auszuloten, um zu einer Lösung zu gelangen, mit denen Weiterbau-Gegner wie -Befürworter auch noch in 20 oder 50 Jahren leben könnten. Unseren ausführlichen Bericht findet Ihr hier (erst einloggen, dann lesen). 

von Nadine Weigel, Michael Rinde, Friederike Heitz, Katharina Kaufmann-Hirsch und unserer Agentur dpa

Standpunkt: Der Hass muss enden

Die Lage im Dannenröder Forst eskaliert immer weiter. A49-Gegner zünden im Wald Pyrotechnik und Feuerwerk. Die Polizei berichtet von Attacken auf ihre Einsatzkräfte mit Steinen und – besonders ekelhaft – Exkrementen. Die A49-Gegner unterdessen beklagen Repression und Polizeigewalt. Und im Internet wünschen A49-Befürworter den Umweltaktivisten nicht selten einen grausamen Tod.

Das alles lässt mich sprachlos zurück. Solch eine Gewalt – sei es in körperlicher Form oder in verbaler – ist ein Novum in unserer bisher friedfertig-idyllischen Region.

Es kann doch nicht sein, dass solch ein Projekt ganze Dörfer spaltet, Freundschaften entzweit und sogar Familien auseinanderbringt. Diese Gewalt muss enden. Dieser Hass muss aufhören.

Und zwar schnell. Jeder sollte sich klar machen, dass sein Gegenüber ein Mensch ist. Auch ein Polizist hat Gefühle. Auch ein Aktivist hat Sorgen und Ängste, genauso wie ein Mensch, der sich die A49 herbeisehnt. Jeder sollte seinem Gegenüber Respekt zollen. Jeder sollte sich einmal kurz in den anderen hineinversetzen. Anstand, Empathie und ein bisschen Verständnis haben noch keinem geschadet. Jeder sollte sich auf Artikel 1 des Grundgesetzes zurückbesinnen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde jedes Menschen.

von Nadine Weigel

16.11.2020
15.11.2020
Ostkreis Konflikt um den Weiterbau der A 49 - Bleibt noch Zeit für vermittelnde Gespräche?
15.11.2020