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Ostkreis Gerüst sichert Risiko-Seil
Landkreis Ostkreis Gerüst sichert Risiko-Seil
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18:50 08.11.2020
Polizisten lösten am Sonntag die Straßenblockade auf der B62 zwischen Niederklein und Lehrbach auf. Quelle: Fotos: Thorsten Richter
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Niederklein

Etwa 300 Meter lang ist das Drahtseil über der Bundesstraße 62 zwischen Niederklein und Lehrbach, das seit Donnerstag straff gespannt in etwa 20 Metern Höhe hängt und laut Polizei ein Sicherheitsrisiko darstellt. An dem Seil hingen vergangene Woche im Wechsel mal Transparente gegen den A-49-Bau und auch Protestler, die sich zumindest am Donnerstag in großer Höhe dort entlang hangelten (die OP berichtete).

Das Drahtseil ist an jener Stelle platziert, wo einmal eine Brücke über das Gleental den Dannenröder Forst mit dem Herrenwald verbinden soll. Die Straße wurde von der Polizei aus Sicherheitsgründen und „für den Schutz aller Beteiligten“ gesperrt. Das Seil hängt noch immer dort, seit Sonntagnachmittag ist die Sperrung aber aufgehoben, die B 62 zwischen Niederklein und Kirtorf ist wieder befahrbar.

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Straßenblockade aufgelöst

Grund für die Freigabe: Ein mehrere Meter langes Gerüst wurde ebenfalls auf die Straße gebaut und sichert nun den Bereich vor dem darüber hängenden Drahtseil als eine Art „Puffer“, wie die Polizei am Sonntag auf Nachfrage der OP bestätigte. Wie eine „Untertunnelung“ – nur eben über der Straße – diene das Konstrukt dazu, das Seil im Notfall vom Verkehr fernzuhalten und aufzufangen, sollte es aus irgendeinem Grund den Halt verlieren.

Abmontiert werden konnte das Seil bisher noch nicht, denn ein Baum, an dem es befestigt ist, gilt laut Experten als instabil, daher wurde auch die Sicherheitszone um den Bereich eingerichtet. Weil sich außerdem noch Aktivisten dort aufhielten, war das Risiko einer Demontage zu groß.

Das Gerüst wurde im unteren Bereich zudem mit Stacheldraht versehen, wohl um ein Hinaufklettern zu verhindern. Vor und hinter der Konstruktion wird die Fahrbahn durch Zäune verengt, die Strecke kann dort nur einspurig befahren werden. Baustellenlampen beleuchten die Engstelle, der Verkehr wird mit Ampeln geregelt, daher kann es zu Wartezeiten kommen.

Laut OP-Informationen halten sich weiterhin A-49-Gegner in dem Bereich und auch auf den Bäumen auf. In den letzten Tagen hatten mehrere Menschen bereits auf der B 62 campiert, neben der Seil-Aktion mit einer Sitzblockade gegen den A-49-Weiterbau protestiert, zudem Zweige auf die Strecke gelegt. Die Blockade wurde am Sonntag von der Polizei geräumt, einzelne Aktivisten wohl auch kontrolliert. Weitere Informationen konnte die Pressestelle dazu am Sonntag nicht geben.

Fake-Flyer im Umlauf

Wie ebenfalls am Sonntag bekannt wurde, ist vor Beginn der Rodungsarbeiten für den umstrittenen Weiterbau der A 49 im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm ein gefälschter Aufruf aufgetaucht, in dem Bürger um die Bereitstellung von Privatunterkünften für die Einsatzkräfte gebeten werden. Via Twitter wies die Polizei am Sonntag darauf hin, dass es sich bei den Flyern, die unter anderem den Briefkopf des Polizeipräsidiums Mittelhessen enthielten, um eine Fälschung handele. Zuvor hatte die Fuldaer Zeitung darüber berichtet.

In dem Schreiben, das in Kirtorf verteilt wurde, hieß es unter anderem, die Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern seien seit Ende September in der Herrenwaldkaserne in Stadtallendorf untergebracht. Die in dem Landkreis steigenden Corona-Fallzahlen stellten die Polizei vor große Herausforderungen. „Eine Stationierung von mehreren tausend Polizeikräften in der Kaserne ist riskant und unverantwortlich.“ Daher sei man auf die Hilfe der Bürger in Kirtorf angewiesen. So heißt es in dem Fake-Aufruf. Wie viele der Flyer verteilt wurden, stehe bisher nicht fest, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag, es liefen Ermittlungen zu den Motiven und Urhebern des Schreibens.

Von Ina Tannertund unserer Agentur