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Ostkreis Grüne erhalten „Küsschen vom Kapital“
Landkreis Ostkreis Grüne erhalten „Küsschen vom Kapital“
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19:58 09.03.2021
Autobahngegner hängen gegenüber der Grünen-Geschäftsstelle in der Frankfurter Straße ein Transparent auf.
Autobahngegner hängen gegenüber der Grünen-Geschäftsstelle in der Frankfurter Straße ein Transparent auf. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Und plötzlich hingen sie wieder in den Bäumen – doch diesmal waren es keine Baumbesetzer, die sich Dienstagnachmittag (9. März) in der Frankfurter Straße in die Wipfel schwangen.

Vielmehr waren die beiden Kletterer Teil verschiedener Gruppierungen – von der Seebrücke bis Fridays for Future – die gestern in einer ironischen Aktion den Grünen quasi als Abordnung von Ferrero für die Ermöglichung des Baus der A49 dankten.

Banner „Küsschen vom Kapital“

Die beiden Baumkletterer spannten ein Transparent im Kinderschokoladen-Design – „Küsschen vom Kapital“ war darauf zu lesen, und „Ferrero dankt den Grünen für die A49“. „+CO2, -Verkehrswende“ findet sich noch auf dem Banner – auf der anderen Straßenseite stellte sich Grünen-Geschäftsführer Max Langenbrinck der Kritik.

Denn: Die Autobahngegner überreichten ihm eine Urkunde von „Ferrero“, mit der das Unternehmen den Grünen „für die kontinuierliche Bereitschaft, die eigenen Ziele zu verraten und umweltschädliche durchzuboxen“ dankt. Konfetti und ein Fläschchen Sekt gab’s für Langenbrinck, „und damit im Wahlkampf der Magen nicht allzu sehr knurrt, haben wir noch einige Leckereien von Ferrero mitgebracht und hoffen auf viele weitere schwarz-grüne Regierungen in Stadt, Land und Bund“, so die Überbringer.

„Ferrero“-Redebeitrag als Aufzeichnung

Außerdem wurde noch ein „Ferrero“-Redebeitrag als Aufzeichnung eingespielt – mit dem Tenor, dass das Unternehmen sein Glück nicht fassen könne, dass die Grünen ihre Ideale mit der Regierungsbeteiligung in Hessen verraten haben und den Autobahnbau nicht verhindert hätten.

Der Geschäftsführer stellte sich der Kritik, die er nachvollziehen konnte, „wir sind bei dem Problem die Gearschten. Denn so einfach, wie es dargestellt wird, ist es leider nicht,“ sagte er.

Kritik für die Grünen

Den Autobahn-Weiterbau seinerzeit bei Bildung der Landesregierung zur Koalitionsfrage gemacht zu haben „wäre meiner Meinung nach nicht hilfreich gewesen. Denn es gab vonseiten des Landes keine Möglichkeit mehr, das Ding zu stoppen“, sagt er – und wer etwas anderes behaupte, sei im Unrecht.

Der Kreisverband habe sich immer gegen die Autobahn ausgesprochen, „wir haben immer dagegen gekämpft – und jetzt haben wir sie vor der Nase. Das tut schon wirklich weh“, so Langenbrinck. Gleichwohl müssten sich die Grünen auch auf kommunaler Ebene in der Region der Kritik stellen.

Von Andreas Schmidt