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Ostkreis Polizei rechnet mit großem Widerstand
Landkreis Ostkreis Polizei rechnet mit großem Widerstand
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19:27 30.09.2020
Die Polizei, hier bei einem Einsatz zum Schutz von Planierarbeiten im Dannenröder Wald, rechnet mit einem langen und komplexen Einsatz. Quelle: Nadine Weigel
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Gießen

Die Polizei steht bereit. Ab Donnerstag (1. Oktober) gilt es in Sachen Rodung. Zumindest hat sich die Polizei darauf vorbereitet, dass Firmen mit Baumfällarbeiten für die A-49-Trasse im Dannenröder Wald oder im Herrenwald bei Stadtallendorf beginnen wollen. Einzelheiten gaben Sylvia Frech und Jochen Wegmann, die beiden Sprecher für den A-49-Polizeieinsatz, am Mittwoch noch nicht bekannt. Erst am Donnerstagmorgen will die Polizei über ihr genaues Vorgehen informieren. Das will sie künftig täglich so halten, wie Wegmann und Frech ankündigten.

Die Dauer der Rodungssaison markiert für die mittelhessische Polizei den Anfang und das Ende ihres Großeinsatzes, so die beiden Sprecher. Diese Saison beginnt heute und endet am 28. Februar nächsten Jahres. Für die geplante Autobahntrasse müssen rund 85 Hektar Wald im Dannenröder Forst, im Herrenwald und im Maulbacher Wald weichen. Der Polizei ist klar, dass dies kein einfaches Unterfangen wird in den nächsten Wochen. „Wir rechnen mit großem Widerstand“, erklärt Sylvia Frech. Ihr Kollege Jochen Wegmann macht aber auch deutlich, worin die Polizei ihre Kernaufgabe sehen wird: zunächst im Schützen und Begleiten der Rodungsarbeiten. Sprich, mit einem groß angelegten Einsatz gegen die Baumhäuser im Dannenröder Wald ist zunächst noch nicht zu rechnen. Auszuschließen ist er je nach Entwicklung der Situation aber auch nicht.

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Die Polizei sprach von einem „hochkomplexen Einsatz“. Das Gelände sei sehr groß, verzweigt und schwierig. Es werden in den nächsten Wochen und Monaten Polizeikräfte aus dem gesamten Bundesgebiet im Raum Dannenrod und Stadtallendorf zusammengezogen werden. Nach derzeitigen Erkenntnissen rechnet die Polizei mit etwa 150 Baumbesetzern im Dannenröder Wald. Wie viele und welche Bauwerke die Beamten im Einsatz erwarten, ließen Frech und Wegmann noch offen. Wobei klar ist, dass die Zahl der Polizeikräfte schwanken wird, je nach Anforderung und weiteren Einsätzen in Land und Bund. So steht beispielsweise nach Medienberichten Anfang November ein weiterer Atomtransport auch durch Hessen auf der Agenda der Polizei.

Zwei Sammelpunkte für die Polizeikräfte sind bereits fix: das Niederkleiner Bürgerhaus wie auch Teile der Stadtallendorfer Hessen-Kaserne. Außerdem hat die Polizei den Sportplatz Lehrbach angemietet, um dort einen Hubschrauberlandeplatz einzurichten.

„Sicherheit geht vor Schnelligkeit“, betont Sprecher Wegmann bei der Frage nach der Polizeitaktik in den nächsten Wochen. Die Polizei wolle mit größtmöglicher Sorgfalt vorgehen und sich im Zweifel „nicht von anderen treiben lassen“. Bei der Planung habe die Polizei kein Mitspracherecht beim Baubeginntermin gehabt. Baufirmen hätten ihre eigenen zeitlichen Ziele, die sie einhalten müssten, nach denen müsse sich die Polizei orientieren.

Nach der letzten Polizeiaktion hatte eine „Kleingruppe von Autonomen“, so ein Bekennerschreiben, in Gießen Autos mit nicht abwaschbarem Lack markiert und angekündigt, diese Autos bei einer Räumung des Dannenröder Waldes „abzufackeln“. Die mittelhessische Polizei geht davon aus, dass zwischen 150 und 200 Autos markiert worden sind, am Anfang hab es einige Doppelnennungen gegeben. Die Drohungen in einem Bekennerschreiben nimmt die Polizei in ihrer Gefährdungsanalyse sehr ernst. „Wir gehen von einer Ernsthaftigkeit der Drohung aus“, so Sprecherin Sylvia Frech. Die Polizei habe sich auf die Situation vorbereitet. Wobei Jochen Wegmann ergänzt, dass die Beamten nicht überall in der Lage sein können, Präsenz zu zeigen. „Da appellieren wir an die Bürger, aufmerksam zu sein und Verdächtiges zu melden“, so seine Aufforderung.

Am Mittwochnachmittag gab es eine Neuigkeit vom Verwaltungsgericht in Gießen. Das erklärte ein Verbot eines seit Langem bestehenden Zeltlagers in Dannenrod in der Nähe der Mahnwache am Waldrand für rechtens. Das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises hatte beanstandet, dass es an dem Zeltlager – das nicht mit dem dort ebenfalls vorhandenen Protestcamp zu verwechseln ist - an Toilettenanlagen mangelt.

von Michael Rinde