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Ostkreis Keine heimlichen Rodungen im Forst
Landkreis Ostkreis Keine heimlichen Rodungen im Forst
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18:55 26.01.2020
Das Archivfoto zeigt Baumfällarbeiten bei Maulbach in der vergangenen Woche. Foto:  Quelle: Lukas Clobes
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Dannenrod

Bei Maulbach (Stadt Homberg/Ohm) laufen seit über einer Woche Baumfällarbeiten (die OP berichtete). Dort muss die Trasse für die Verlegung einer Stromleitung freigelegt werden. Unbekannte hatten gleich zu Beginn der Arbei­ten eine Baumfällmaschine, ­einen Harvester, sabotiert.

Jetzt spricht die Schutzgemeinschaft Gleental, bekennende A-49-Gegner und Unterstützer der Besetzer im Dannenroder Forst, von „überdimensionalen Baumfällarbeiten“. Zugleich unterstellen die Autobahngegner dem Unternehmen Deges einen „Wortbruch“.

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Keine Arbeiten in Dannenrod vor November 2020

Die Bund-Länder-Gesellschaft wählt im Auftrag des Bundes den privaten Partner für den Autobahnweiterbau aus und verantwortet die Bauvorbereitungen. Im vergangenen Herbst hatte Deges erklärt, dass sie bis November 2020 auf Baumfällarbeiten auf der Trasse verzichtet. Allerdings hatte das Unternehmen auch betont, dass es die Bauvorbereitungen fortsetzen wird und dafür, wo nötig, auch Bäume fällen lässt. Das passiert im Raum Maulbach auch. Rund 1,2 Hektar Bäume fallen, um AVACON-Stromleitungen verlegen zu können, worüber diese Zeitung bereits berichtete.

Deges verweist darauf, dass auf der geplanten Trasse zwischen Schwalmstadt und Gemünden­ (Felda) insgesamt 85 Hektar Wald fallen werden – aber eben nicht jetzt. „Die Ankündigung der Deges, die großflächigen Baumfällungen auf der Trasse der A 49 erst in der Fällperiode 2020/2021 durchzuführen, ist weiterhin gültig“, betont Unternehmenssprecher Lutz Günther.

Die Schutzgemeinschaft Gleental meint, dass Deges an dieser Stelle klar Wortbruch begehe und „durch die Hintertüre“ rode. Außerdem berichtet die Schutzgemeinschaft aber auch von weiträumigen weiteren Durchforstungsarbeiten und erwartet eine Stellungnahme von Deges und dem Land.

Forst muss kranke Bäume herausnehmen

Auf Nachfrage der OP hat sich das Unternehmen unmittelbar geäußert. Mit den Durchforstungen habe Deges nichts zu tun, das sei Angelegenheit des Freiherrlich Schenck’schen Forstamts. Das fälle vom Borkenkäfer befallene Bäume,­ insbesondere Fichten, so ­Deges-Sprecher Günther.

Das bestätigte Forstamtsleiter Hubertus Bieneck gegenüber der OP: „Wir haben einen Harvester bei Dannenrod im Einsatz, um vom Borkenkäfer befallene Fichten zu entnehmen.“ Der Dannenröder Forst bestehe zwar nur zu 17 Prozent aus Fichten. Davon seien aber 50 bis 60 Prozent befallen. Schuld an diesem Problem seien auch die beiden trockenen Sommer. Für großflächige Fällungen an der Trasse wäre es laut Bieneck ohnehin zu spät. „Außerdem wird das kein Unternehmen machen, so lange die Situation rund um die Besetzung nicht geklärt ist“, sagt der Forstamtsleiter.

Inzwischen seien die Baumfällarbeiten im Raum Maulbach weitgehend abschlossen, heißt es vom Unternehmen Deges.

Die Schutzgemeinschaft verweist in ihrer jüngsten Presseerklärung darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht im Mai über die neuerliche Klage des BUND verhandeln und wohl auch entscheiden wird. Sie beklagt, dass bei einem gerichtlich verfügten Ausbaustopp Arbeiten wie die Stromleitungsverlegung und die dazu gehörenden Fällungen nicht nötig gewesen wären.

von Michael Rinde