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Ostkreis Besetzer wollen nicht aufgeben
Landkreis Ostkreis Besetzer wollen nicht aufgeben
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08:00 09.10.2019
Diese Familie aus Maulbach solidarisierte sich mit den Aktivisten – und vermummte sich deshalb auch. Quelle: Nadine Weigel
Dannenrod

Hessens Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) sieht keinen rechtlichen Grund, das Baurecht für die ­Autobahn 49 zurückzunehmen (die OP berichtete). Die Naturschutzorganisation BUND und eine Privatperson hatten Anträge auf Rücknahme des Planfeststellungsbeschlusses gestellt.

Von der Schutzgemeinschaft Gleental oder dem Aktionsbündnis „Keine A 49“ war gestern keine offizielle Reaktion zu erhalten. Wohl aber von Barbara Schlemmer. Die Grünen-Politikerin Schlemmer aus Homberg (Ohm) spekulierte gestern ­gegenüber der OP, dass die Verantwortung von Minister

Al-Wazir bewusst an die Gerichte weitergegeben worden sei. Angesichts der schnellen Entscheidung über die Anträge bezweifele sie, dass sie im Ministerium ordentlich geprüft worden seien. Unterdessen läuft die ­Besetzung von drei teils Jahrhunderte alten Bäumen im Dannenröder Forst unverändert weiter. „Natürlich sind wir enttäuscht über diese Entscheidung, sie überrascht uns aber auch nicht wirklich“, erklärt ein Aktivist beim Besuch der OP an der Mahnwache am Sportlerheim Dannenrod. „Es gibt aber deshalb für uns jetzt keinen Grund, aufzugeben und abzuziehen“, erklärt Baumbesetzerin „Gelb“. Die Aktivisten verwenden Tarnnamen und vermummen sich teilweise, weil sie „Restriktionen“ fürchten.

„Das ist Selbstschutz auch vor Übergriffen, wenn wir uns im Zivil­leben aufhalten und erkannt werden“, erklärt Aktivist „Grün“.

Bisher gibt es allerdings keinerlei polizeiliche Ermittlungsverfahren gegen einen der Baumbesetzer. Das Polizeipräsidium Osthessen mit Sitz in Fulda ist verantwortlich für das Areal im Vogelsbergkreis. Dort setzt die Polizei weiterhin auf Zurückhaltung und das Beobachten der Situation. Die Aktivisten ­berichten von gelegentlichen Besuchen von Polizeibeamten und Hubschrauberflügen über den Baumhäusern.

Wann es entlang der A-49-Trasse zu Baumfällungen kommen wird, ist nach wie vor offen. Das Unternehmen Deges mit Hauptsitz in Berlin wählt nicht nur den „Bauherrn“ von 30 Kilometer Autobahn aus. Der Weiterbau wird über eine öffentlich-private Partnerschaft realisiert. Ein Investor, mutmaßlich ein Konsortium, baut dabei nicht nur. Der private Partner übernimmt auch den Autobahnbetrieb. Deges hat vom Bund auch die Aufgabe der Bauvorbereitung, wozu die Baumfällungen zählen. „Die Fällungen sollen voraussichtlich im Lauf des Oktobers an mehreren Stellen der zukünftigen Trasse beginnen“, erklärte gestern ein Deges-Sprecher auf Nachfrage dieser Zeitung. Präziser wird das Unternehmen nach wie vor nicht. Baumfällungen wird es außerdem im Herrenwald bei Stadtallendorf und im Raum Maulbach bei Homberg (Ohm) geben.

Doch wer ist eigentlich derzeit Eigentümer der Waldflächen, beispielsweise im von der Autobahn betroffenen Teil des Dannenröder Forstes? Deges hat die Besitzrechte inne, sprich, sie verfügt über alle nötigen Rechte über die zu fällenden Baumbestände.

Gibt es eine generelle Linie, wie Deges mit den Besetzungen umgehen wird, fragte diese Zeitung das Unternehmen? „Wenn die Fällungen beginnen, wird die Deges bei Bedarf von ihrem Besitzrecht Gebrauch machen“, erklärte hierzu ein Sprecher.

von Michael Rinde