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Ostkreis Behörde sieht keine Gefahr fürs Wasser
Landkreis Ostkreis Behörde sieht keine Gefahr fürs Wasser
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16:00 22.10.2021
Bagger arbeiten nahe der künftigen A-49-Auffahrt Stadtallendorf.
Bagger arbeiten nahe der künftigen A-49-Auffahrt Stadtallendorf. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Die A-49-Trasse zieht sich durch das Gelände der früheren Füllgruppe II der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoffwerke (Wasag). Inzwischen ist der Trassenverlauf gut sichtbar geworden. Vor mehr als einem Jahr endete die Sanierung des Geländes, noch bevor es zu den großflächigen Rodungen auf der Trasse und den Bauarbeiten kam.

Von der Organisation Parents for Future/AG „Danni lebt“ gibt es allerdings erneut Kritik. Der Hauptvorwurf in einer Presseerklärung lautet: Die Grundwasserüberwachung soll lückenhaft sein. Möglicherweise verunreinigtes Wasser werde in Richtung Trinkwasservorkommen geführt. Für dieses Gebiet lägen die Daten von nur zwei Messstellen vor, die „etliche kritische Flächen nicht erfassen“, heißt es in der Mitteilung. Genannt werden frühere Trockenhäuser von Sprengstoffen oder alte Kanäle als mögliche Schadstoffquellen. Die Kritik: Im Sanierungsplan (die Grundlage für die Arbeiten an der früheren Füllgruppe II) sei vorgeschrieben worden, dass zwei diesen Bereich abdeckende Grundwassermessstellen in die Überwachung (das sogenannte Monitoring) einbezogen werden. Den Autobahngegnern und Klimaaktivisten fehlt außerdem eine „Null-Messung“, sprich Ausgangswerte für die Schadstoffmessungen vor Beginn der Autobahnarbeiten. Diese Werte ermöglichten es, zu kontrollieren, „dass durch den Bau der Autobahn keine Verschlechterung des Grundwassers eintritt“.

Kein Abschlussbericht zur Sanierung der Füllgruppe II?

Ein weiterer Ansatz von „Parents for Future/AG Danni lebt“ ist das angebliche Fehlen eines Abschlussberichts zur Sanierung der Füllgruppe II. Dieser liege dem Regierungspräsidium Gießen, das den Sanierungsplan seinerzeit genehmigt hatte, bis heute nicht vor.

Bei der Pressemitteilung berufen sich die Verfasser auf eigene Recherchen, ein aus dem Jahr 2017 stammendes Gutachten zum Grundwassermonitoring und verweisen auf den Planfeststellungsbeschluss zum Autobahnbau. Den sehen „Parents for Future/AG Danni lebt“ klar verletzt.

All das sieht das Regierungspräsidium (RP) Gießen, das an dieser Stelle im Zentrum der Kritik steht, komplett anders. Der angesprochene Abschlussbericht zur Sanierung liege dem RP seit 4. März vor, die altlastenfachliche Prüfung sei erfolgt, erklärt Thorsten Haas als Behördensprecher. Demnach sei die Sanierung erfolgreich abgeschlossen worden.

Doch was ist mit der Grundwasser-Überwachung und der immer wieder im Raum stehenden Frage nach möglichen Folgen der A-49-Arbeiten für Trinkwasservorkommen rund um Stadtallendorf?

Demnach gibt es laut RP nicht nur zwei, sondern acht bis zehn Messstellen auf sprengstofftypische Verbindungen.

Davon liegen demnach sechs im direkten (unterirdischen) Abstrom der Sanierungsflächen. Außerdem verweist die Behörde auch auf Messeinrichtungen des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke und der Deges in unterschiedlichen Tiefen. Allein dieses Monitoring, also die Überwachung, soll nach Aussage der Landesbehörde bis Ende nächsten Jahres oder noch darüber hinaus fortgesetzt werden.

Was ist mit jener angeblich fehlenden „Null-Messung“? Auch dazu gibt es eine klare Rückmeldung aus Gießen. Die gebe es, die Daten lägen dem Regierungspräsidium vor. Diese Messungen seien vor Beginn der Sanierungsarbeiten erfolgt, es habe keine „signifikanten Auffälligkeiten“ während der Sanierung gegeben.

Bei Bodensanierung von Rüstungsaltlasten besteht das Risiko, dass Schadstoffe in der Tiefe „in Bewegung“ gebracht werden könnten, Mobilisierung wird dies genannt.

Fazit in Gießen: Alle Vorgaben des A-49-Planfeststellungsbeschlusses in Sachen Altlasten und Sanierungen seien „vollumfänglich umgesetzt“ worden.

Von Michael Rinde

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