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Ostkreis Unerwarteter Besuch für CDU-Landtagsfraktion
Landkreis Ostkreis Unerwarteter Besuch für CDU-Landtagsfraktion
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07:50 28.02.2020
Annette Schmidt, A-49-Befürworterin und Anwohnerin der B 62, erläuterte Mitgliedern der CDU-Landtagsfraktion die Situation in Angenrod. Quelle: Michael Rinde
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Angenrod

Wahrscheinlich waren die A-49-Gegner aus der gesamten Region im Dorfgemeinschaftshaus Angenrod gegenüber den Befürwortern leicht in der Überzahl. Zumindest dominierten sie die Fragerunde sowie die Ansätze von Diskussionen. Kurzfristig hatte sich der Vorstand der CDU-Landtagsfraktion angesichts der Besucher vor der Tür entschlossen, den Termin für alle zu öffnen.

Die Position der CDU in Hessen zum Weiterbau der A 49 ist bekannt und unverändert. Sie will lieber heute als morgen weiterbauen. Gestern wollte sich der Fraktionsvorstand eigentlich mit Befürwortern aus Nordhessen austauschen – vor allem mit verkehrslärmgeschädigten Anwohnern der Bundesstraße 62 aus Angenrod.

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Die Landtagsabgeordneten Michael Ruhl aus dem Vogelsbergkreis und der heimische Abgeordnete Dirk Bamberger übergaben am Ende etwa 4 000 Unterschriften, gesammelt etwa von der CDU Stadtallendorf oder den Christdemokraten im Vogelsbergkreis. Hinzu kommen auch noch die bereits verschickten 1.600 Unterschriften aus Neustadt. „Wir haben die Straße im Wohnzimmer“, sagte Annette Schmidt aus Angenrod, die sich für den schnellen A-49-Weiterbau engagiert.

Während sie das sagte, war sie kaum zu verstehen, der Verkehrslärm vor dem Gemeinschaftshaus übertönte alles. Dirk Bamberger hatte während der eigentlichen Veranstaltung schon Position bezogen, ähnlich wie bei der Übergabe der Unterschriften durch die CDU Stadtallendorf an ihn. „Die Mehrheit der Menschen in der Region Ostkreis warten sehnsüchtig auf den Bau dieser Autobahn“, so Bambergers Eindruck (lesen Sie hierzu auch die „Reaktion“ unten).

Etwas mehr als eine Stunde lang hatte die CDU-Fraktionsführung vor allem zugehört. Vor allem A-49-Gegner nutzten das Forum für Statements wie etwa die Frage, ob die Menschen in Dannenrod oder Maulbach künftig weniger wert seien als die an der Bundesstraße 3. Das bezog sich auf den Verkehrslärm, künftig dann von der Autobahn im Vogelsbergkreis.

Deges hält an Zeitplan fest

Einen Überblick in Sachen A 49, respektive die Abschnitte zwischen Bischhausen und Gemünden (Felda), gaben Vertreter des Bund-Länder-Unternehmens Deges. Es ist für die Bauvorbereitung ebenso verantwortlich wie für die Auswahl des privaten Partners für Bau und Betrieb dieser beiden Autobahnabschnitte. Nach wie vor geht Deges davon aus, dass die 30 neuen A-49-Kilometer ab 2024 durchgängig befahrbar sein werden.

Deges-Projektleiter Bernhard Blümel gab auch einen Überblick über die Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen. 160 sind aufgrund des gültigen Baurechts umzusetzen. Sie sind im Planfeststellungsbeschluss festgelegt. An einem Teil dieser Ausgleichsmaßnahmen und ihrer Qualität entzündete sich Kritik von Autobahngegnern. Das wies Deges zurück. Alle Ausgleichsmaßnahmen müssten unter anderem vom Regierungspräsidium in Gießen abgenommen werden.

Fast beendet ist die Munitionsräumung entlang der Flächen im Stadtallendorfer Wasag-Gelände. An der Trasse und auf Gelände für Ausgleichsmaßnahmen wurden laut Deges 20 Tonnen Munitionsreste bisher gefunden. Davon waren rund vier Tonnen offenbar noch scharf und somit sehr gefährlich. 

In der vergangenen Woche hatte es Blockaden von Baumfällarbeiten bei Maulbach gegeben (die OP berichtete). Dort muss für die A-49-Trasse eine AVACON-Starkstromleitung verlegt werden. Inzwischen sind die verbliebenen fünf Bäume allerdings auch gefällt. „Alle Fällarbeiten, die notwendig waren, sind damit fristgerecht beendet“, erklärte Blümel gegenüber der OP. Baumfällungen sind nur bis Ende Februar zulässig. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Holger Bellino moderierte die Diskussionen gestern – wobei er gleich zu Beginn der Veranstaltung klargemacht hatte, dass er keine neuerliche Debatte über Ja oder Nein zur Autobahn führen lassen werde.

von Michael Rinde

Reaktion

Zu den Unterschriftensammlungen für den A-49-Weiterbau äußert sich der BUND-Ortsverband Kirchhain-Amöneburg-Rauschenberg in einer Reaktion: Wir brauchen Ortsumgehungen, aber keine A49! Als die A49 vor etwa 50 Jahren in Planung genommen wurde, hat kaum jemand von Klimanotstand und Artensterben gesprochen.

Inzwischen jedoch stoßen wir mit unserer Wirtschafts- und Lebensweise ganz offensichtlich an Grenzen. Wesentliche Änderungen sind notwendig, um die Grundlagen unseres Wohlstandes zu erhalten. Wer sich heute für den Bau einer Autobahn einsetzt, muss sich daher zu den Konsequenzen erklären, die diese im Hinblick auf den Ausstoß an Klimagasen, das Zerschneiden von besonders schützenswerten Arealen wie des Flora-Fauna-Habitats Herrenwald (europarechtlich geschützt) und des Dannenroder Forsts samt der Abholzung alter Waldbestände haben.

Sollten wir insofern von verantwortlichen Politikern nicht erwarten dürfen, dass offensichtliche Fehleinschätzungen, Übertragungs- und Übersetzungsfehler in den Planungsunterlagen korrigiert werden? Dass eine Umwidmung der für die A49 vorgesehenen Millionenbeträge in den Ausbau des Schienenverkehrs und der regionalen E-Mobilität in Betracht gezogen wird? Dass Jugendliche, die sich ernsthaft um ihre Zukunft sorgen, angehört und in Entscheidungsprozesse einbezogen werden?

Die Forderungen der Neustädter Bürger, den durch Weiterbau der A49 zu erwartenden Verkehr aus der Stadt herauszuhalten, und der Stadtallendorfer Betriebe nach einer direkteren Verkehrsanbindung Richtung Norden sind für jedermann nachvollziehbar. Dies gilt erst recht für das Elend der B3-Anwohner, die seit Jahrzehnten mit dem Bau der A49 vertröstet werden.

Durch Ortsumgehungen könnten diese Probleme schon längst relativ umweltverträglich und kostengünstig gelöst sein, wenn die frühzeitig von Bürgerinitiativen eingebrachten Vorschläge berücksichtigt worden wären. Dementsprechend schlagen die Kritiker des Autobahnbaus auch jüngst in ihrem „Dannenroder Appell“ eine gemeinsame Ortsumgehung für Neustadt und Wiera vor. Wir empfinden es daher als falsch, wenn betroffenen Bürgern der Bau einer überregionalen Autobahn als einzige Lösung ihrer örtlichen Verkehrsprobleme dargestellt wird.

Und dass der BUND die Einhaltung umweltrechtlicher Vorgaben gerichtlich prüfen lässt, resultiert aus der Missachtung entsprechender Einwände und dient allein dem Schutz öffentlicher Anliegen. Dr. Ralph Büchler, Dorothea Schmidt, Bernt Klapper, Sprecher des BUND- Ortsverbands Kirchhain-Amöneburg-Rauschenberg.

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