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Ostkreis Autobahngegner wegen Körperverletzung vor Gericht
Landkreis Ostkreis Autobahngegner wegen Körperverletzung vor Gericht
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20:14 17.11.2021
Weil sich ein Autobahngegner im vergangenen Jahr im Herrenwald eine körperliche Auseinandersetzung mit Polizisten lieferte, muss er sich vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten.
Weil sich ein Autobahngegner im vergangenen Jahr im Herrenwald eine körperliche Auseinandersetzung mit Polizisten lieferte, muss er sich vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und vorsätzliche Körperverletzung. Diesen Tatvorwürfen muss sich ein 20 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht in Kirchhain stellen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, sich im Oktober des vergangenen Jahres bei den Baumfällarbeiten im Zuge des Ausbaus der Autobahn 49 im Herrenwald bei Stadtallendorf mit drei Polizeibeamten eine körperliche Auseinandersetzung geliefert zu haben. Dabei sollen zwei Polizeibeamte verletzt worden sein. Bei dem Verhandlungstermin am gestrigen Mittwoch wurden zwei Polizeibeamte als Zeugen gehört: ein 23-jähriger Polizeikommissar, der bei der Auseinandersetzung verletzt wurde, und ein 33-jähriger Polizeioberkommissar, der den Angeklagten in einer Gefangenensammelstelle entgegengenommen hatte.

Angeklagter soll Polizisten mit Faust geschlagen haben

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll sich der Vorfall zwischen der Niederrheinischen Straße und der Scharnhorststraße neben dem Gelände einer Autoverwertung im Herrenwald zugetragen haben – innerhalb des militärischen Sicherheitsbereichs. Der als Zeuge geladene 23-jährige Polizeikommissar gab vor Gericht an, gemeinsam mit weiteren Kollegen eine Gruppe von 16 Personen kontrolliert zu haben, die sich auf den Sicherheitsbereich der Fällarbeiten zubewegten. „Zwei Personen haben sich der Kontrolle entzogen und sind in den militärischen Sicherheitsbereich geflüchtet“, sagte der Zeuge. Daraufhin hätten er und drei weitere Beamte den Auftrag erhalten, nach den Geflüchteten zu suchen.

Kurz darauf hätten sie den Angeklagten und eine unbekannte weibliche Person in einer Kuhle hockend in dem Waldstück entdeckt. Der Aufforderung zur Personenkontrolle soll der auf dem Boden sitzende Angeklagte auch nach Androhung von unmittelbarem Zwang nicht nachgekommen sein. Daraufhin habe ein anderer Polizeibeamter den Angeklagten aus der Kuhle gezogen, um ihn dem Zeugen zu übergeben. Doch der Angeklagte habe sich losreißen können. „Ich habe nur noch eine Ausholbewegung gesehen und wurde dann von seiner rechten Faust in meiner linken Gesichtshälfte unterhalb des Auges getroffen“, berichtete der Zeuge und betonte auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin, dass es keine Abwehrbewegung gewesen sei, sondern ein gezielter Schlag.

Dann hätten er und einer seiner Kollegen den Angeklagten zu Boden gedrückt, um ihm Handschellen anzulegen, was zunächst nur an einer Hand gelungen wäre. Der Angeklagte habe während der Festnahme versucht, sich weiter zu wehren, und habe um sich getreten, worauf der Zeuge nach eigenen Angaben weiteren Zwang angedroht habe. Im Zuge dieser Rangelei habe der Angeklagte einer Polizistin schließlich das Handgelenk verdreht und verletzt.

Verteidiger hat Zweifel an Tatort

„Dann habe ich versucht, mit Kniestößen seine Gegenwehr zu unterbinden“, sagte der Zeuge. Als dies nicht gelungen sei, habe ein weiterer Polizeibeamter dem Angeklagten den Einsatz von Reizgas angedroht – und das Mittel auch eingesetzt. Der Strahl habe den Angeklagten allerdings verfehlt, und es sei diesem gelungen, die Reizgasspraydose an sich zu bringen. „Dann hat er auf uns gezielt und gesagt: Soll ich euch auch mal pfeffern“, berichtete der Zeuge. „Ich habe dann mein eigenes Pfefferspray eingesetzt, und der Widerstand konnte unterbunden werden.“

Der Verteidiger hatte unter anderem Zweifel an der Lage des Tatorts im Sicherheitsbereich: „Ich habe Erkenntnisse, dass die Kuhle nicht im Wald war, sondern auf einer Wiese mit Gestrüpp – 200 Meter vom Wald entfernt.“

Bei der Befragung des zweiten Zeugen, dem Polizeioberkommissar, der den Angeklagten in der Gefangenensammelstelle entgegengenommen hatte, ging es überwiegend um die Person, die mit dem Angeklagten in der Kuhle saß. Die unbekannte weibliche Person wurde nämlich, wie im Polizeibericht vermerkt, vor Ort entlassen – die Identität ist aber unbekannt.

Der Polizeioberkommissar, der über den Vorfall im Herrenwald durch den Einsatzbericht informiert war, bestätigte, dass er an dem besagten Tag nur den Angeklagten in der Gefangenensammelstelle aufgenommen habe. „Ihnen war doch sicher bewusst, dass es sich bei der unbekannten weiblichen Person um eine wichtige Entlastungszeugin handelt?“, fragte der Verteidiger. „Deswegen habe ich auch versucht, die weibliche Person zu ermitteln“, entgegnete der Zeuge. Dies sei aber erfolglos verlaufen.

Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen. Die Verhandlung soll Ende November fortgesetzt werden.

Von Tobias Hirsch