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Ostkreis Arbeiter wohnen bald in Kaserne
Landkreis Ostkreis Arbeiter wohnen bald in Kaserne
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07:58 18.06.2021
Die Arbeiten für den Bau einer Bahnbrücke an der A49-Trasse sind angelaufen.
Die Arbeiten für den Bau einer Bahnbrücke an der A49-Trasse sind angelaufen. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Bagger und Raupen graben sich bereits seit Wochen auch bei Stadtallendorf immer mehr voran oder in den Boden. Dass Anwohner davon bisher fast nichts bemerken, liegt daran, dass momentan beinahe alles auf Bundeswehrgelände abläuft.

Dort ist bereits reichlich Erde bewegt worden, noch mehr wird in den nächsten Wochen und Monaten noch bewegt werden müssen. So entstehen derzeit die Baugruben für die Widerlager einer Eisenbahnbrücke direkt an der Main-Weser-Bahn.

Dass sich die A-49-Baustelle voran bewegt, hat allerdings Folgen. Mehr denn je, das macht Kasernenkommandant Oberstleutnant Stephan May klar, zählen jetzt die Hinweise, dass Fußgänger, Wanderer oder Radfahrer dem Bundeswehrgelände und insbesondere auch der Baustelle und ihrem Umfeld fern bleiben. „Das kann gefährlich werden“, warnt May mit Blick auf Baustellenfahrzeuge. Und er warnt auch nach wie vor vor Munitionsreste. Zwar wurde das Gebiet der Trasse und auch das direkte Umfeld und die Baustellen-Abschnitte abgesucht. Doch auf angrenzenden Flächen gibt es nach wie vor Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg, die noch explodieren könnten.

Bisher ist es noch nicht möglich, dass sich Baustellenfahrzeuge über die Trasse bewegen. Deshalb nutzen sie auch Teile der Panzerstraße, von je her eine Privatstraße des Bundes. Die ist nahe der Hessen-Kaserne momentan zweigeteilt. Eine Hälfte dürfen Baustellenfahrzeuge nutzen, die andere ist für Bundeswehrfahrzeuge gedacht, die zum Standortübungsplatz oder zur Schießanlage fahren. Auch dieser Verkehr geschieht im Moment noch fernab der Bevölkerung.

Nächste Sanierung startet im Herbst

Die seitens der Bundeswehr leere Hessen-Kaserne hat erneut eine andere Nutzung – zumindest ein Teil von ihr. Beim Polizeieinsatz im Zusammenhang mit den Baumfällarbeiten auf der A49-Trasse war die Kaserne Anlaufstelle für die Polizei. Dort befand sich ein Verpflegungspunkt für die eingesetzten Hundertschaften, zugleich waren dort Baumfällmaschinen wie auch Einsatzfahrzeuge untergebracht. Jetzt nutzt die Bau-Arbeitsgemeinschaft A49 als Mieter der Bundeswehr einige Flächen. Unter anderem sind dort mittlerweile 20000 Tonnen Sand für Bauarbeiten an der Trasse eingelagert worden. Und dort, wo vor Jahrzehnten noch Leopard-II-Panzer gewartet wurden, entstehen jetzt Wohncontainer für Bauarbeiter. Bisher ist Platz für 200 bis 300 Menschen auswärtiger Firmen vorgesehen, doch es könnten bei Bedarf auch noch weitere Container aufgebaut werden. Für die Arbeiter wie auch Baufahrzeuge ist eine befestigte Baustraße entstanden, die so verläuft, dass kein Fahrzeug durch die Stadtallendorfer Innenstadt muss. Diese Baustraße führt auch hinter dem mobilen Betonwerk entlang. Das hat mittlerweile sichtbar seinen Betrieb aufgenommen.

Auch die Bundeswehr selbst ist weiterhin als Bauherr aktiv, teils wegen der A49, teilweise auch ganz unabhängig von deren Weiterbau. An der Artilleriestraße werden gerade metertiefe Baugruben wieder verfüllt. Dort hatte die Bundeswehr wegen der Trasse Ver- und Entsorgungsleitungen und auch Datenkabel verlegen lassen müssen. Einige dieser Leitungen lägen jetzt deutlich tiefer in der Erde als bisher, berichtet Kasernenkommandant May.

Unabhängig von der A49 bleibt das Thema Rüstungsaltlastensanierung für die Bundeswehr präsent. Wobei auch Kasernenkommandant May noch einmal im Gespräch mit der OP betont: „Ohne die Autobahn kämen wir hier nicht weiter.“ Die Füllstelle II, die teilweise auf der Trasse lag, wurde bereits saniert. Als Nächstes kommt, das berichtet May im Gespräch mit dieser Zeitung, die Sanierung der Standortschießanlage an die Reihe. Die Arbeiten dort sollen im Oktober beginnen, der Bund wird rund 800000 Euro dafür ausgeben. Für die Rüstungsaltlastensanierung auf Bundeswehrgelände sind bisher 38 Millionen Euro in den nächsten Jahren genehmigt.

Von Michael Rinde