Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Abseilaktionen und Blockaden
Landkreis Ostkreis Abseilaktionen und Blockaden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:42 06.10.2020
Unter Polizeischutz wird derzeit im Maulbacher Wald gerodet. Das Bild entstand am Montag. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Maulbach/Stadtallendorf

Mit zwei spektakulären Aktionen protestierten Umweltschützer am Dienstag (6. Oktober) gegen den Weiterbau der A 49. Zwei Aktivisten der Umweltorganisation „Robin Wood“ seilten sich am Wiesbadener Landtag ab. In Zeiten von Klimakrise und Artensterben sei eine sozial-ökologische Mobilitätspolitik erforderlich und kein Neubau von Autobahnen, teilte Robin Wood mit. Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) nannte die Aktion „illegal“ und kündigte eine Strafanzeige an. Das Überschreiten der Bannmeile zeuge von befremdlicher Respektlosigkeit gegenüber dem Parlamentarismus und dem Parlament.

Abgeordnete des Landtags reagierten unterschiedlich auf die Aktion. „Mit dem illegalen und unangemeldeten Kletterprotest von Robin Wood an der Fassade des Hessischen Landtags werden Grenzen massiv überschritten und damit der Hort der parlamentarischen Demokratie verletzt“, teilte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Holger Bellino, mit. Der Abgeordnete Torsten Felstehausen (Linke) solidarisierte sich mit der Kletteraktion. Es sei richtig, die Kritik direkt an die politischen Entscheidungsträger in den Parlamenten zu richten.

Anzeige

Drei weitere Autobahngegner blockierten ab Mittag mit einer Abseilaktion die Autobahn 5 bei Reiskirchen. Die Polizei sperrte die Autobahn in beide Richtungen und holte die drei Personen mit einer Hebebühne wieder auf den Boden. Gegen 14.30 Uhr gab die Polizei die Autobahn wieder frei. Erneut kam es zu massiven Verkehrsbehinderungen auf der stark befahrenen Strecke.

24 Festnahmen bis einschließlich Montag

Unterdessen gingen die Rodungsarbeiten unter der Regie der Projektgesellschaft Deges im Raum Maulbach weiter. Deges ist für die Bauvorbereitungen verantwortlich. Erneut hatte es die Polizei mit dem Räumen von Barrikaden und dem Schutz eines Sicherheitsbereiches rund um die Rodungsarbeiten zu tun. Aktivisten sprachen davon, dass der Wald von Ordnungshütern „hermetisch abgeriegelt“ sei.

Die Rodungsarbeiten im Maulbacher Wald starteten gegen etwa 11 Uhr. „Wir sind vorangekommen“, zog Deges-Sprecher Michael Zarth am Spätnachmittag eine erste Tagesbilanz. Die Rodungsarbeiten sollen heute im Maulbacher Wald fortgesetzt werden. „Dort haben wir mindestens noch am Mittwoch zu tun“, sagte Zarth. Wann die Arbeiten im Stadtallendorfer Herrenwald fortgeführt werden, ist nach wie vor offen. Dort waren in der vergangenen Woche etwa fünf Hektar Bäume für die geplante A-49-Trasse gefällt worden. Im Maulbacher Wald, dem flächenmäßig kleinsten Rodungsabschnitt, geht es um 3,5 Hektar Wald. Wann im Dannenröder Forst gearbeitet werde, stehe nach wie vor noch nicht fest, so Deges-Sprecher Zarth.

Ferrero sieht keine Alternative

Auf OP-Anfrage nannte die mittelhessische Polizei einige Zahlen zum Stand von Festnahmen und Strafverfahren im Zusammenhang mit Blockadeaktionen seit Beginn der Räumung. Vom 1. Oktober bis einschließlich Montagabend kam es an verschiedenen Orten zu 161 Identitätsfeststellungen. Es erfolgten 24 vorläufige Festnahmen, 72 Platzverweise und 15 Ordnungswidrigkeitsverfahren. In 11 Fällen leitete die Polizei ein Strafverfahren ein, erklärte Jörg Künstler vom Pressesprecherteam zum A-49-Einsatz.

Am Montag kam es zu einer Sitzblockade von Autobahngegnern vor einer Werkszufahrt von Ferrero in Stadtallendorf. Blockierer hatten dabei gefordert, dass Ferrero mehr von seinem Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert. Auf Nachfrage der OP äußerte sich am Dienstag die Pressestelle des Unternehmens dazu. Zum A-49-Weiterbau gab es dabei keine Stellungnahme, wohl aber zu der Forderung der Demonstranten. Die Produktion sei seit Jahrzehnten auf die bestehende Infrastruktur am Standort ausgerichtet. Eine alternative Verlegung auf Schienennetze sei nicht möglich.

von Michael Rinde und unserer Agentur