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Ostkreis In knapp 16 Minuten auf die A 49
Landkreis Ostkreis In knapp 16 Minuten auf die A 49
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19:25 30.06.2022
Der Verkehr rollt durch den Frankenhainer Tunnel. Nach rund elf Jahren Bau- und noch viel längerer Planungszeit wurde am Donnerstag ein Teilstück der Autobahn 49 für den Verkehr freigegeben. Bislang war die Strecke nur zwischen Kassel und Neuental befahrbar, nun geht es 11,8 Kilometer weiter bis nach Schwalmstadt.
Der Verkehr rollt durch den Frankenhainer Tunnel. Nach rund elf Jahren Bau- und noch viel längerer Planungszeit wurde am Donnerstag ein Teilstück der Autobahn 49 für den Verkehr freigegeben. Bislang war die Strecke nur zwischen Kassel und Neuental befahrbar, nun geht es 11,8 Kilometer weiter bis nach Schwalmstadt. Quelle: Nadine Weigel
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Schwalmstadt

Es ist ein deutlicher Kontrast: Kurz vor der Verkehrsfreigabe für das A-49-Stück zwischen Neuental und Schwalmstadt meldet sich ein über 70-Jähriger aus Kirchhain bei der OP. Er möchte mehr wissen über Uhrzeit und Ort der Freigabe. „Endlich wird mal etwas von der A 49 Wirklichkeit“, begründet er sein Interesse. Seit 50 Jahren verfolge er das Projekt sehr bewusst, sei oft an der A-49-Baustelle und kenne auch die Situation von Anwohnern an der B 3. Für ihn ist das ein guter Tag. Von nun an sind es von Neustadt bis zur Auffahrt Richtung Kassel oder Frankfurt ziemlich genau 16 Kilometer.

Ganz anders sieht das etwa Andrea Grobisch-Gerstenberg aus Ortenberg am Ort des Geschehens. Die A-49-Gegnerin fährt auf Inlinern über ein noch gesperrtes Stück Strecke. Für sie ist klar: „Autobahn tötet.“ Sie fürchtet sich vor den Folgen weiterer Autobahnkilometer für das Klima und das Trinkwasser, sorgt sich um die Folgen von Brücken wie der Gleentalbrücke bei Niederklein für das Grundwasser. Dabei denkt sie an die sieben Enkel.

Die eigentliche Freigabe des neuen A-49-Abschnittes ist ein kurzer formaler Akt, wenige Augenblicke später fahren erste Fahrzeuge auf der Autobahn in Richtung Kassel auf und durch den Frankenhainer Tunnel. Mit Anbruch des 1. Juli liegt die Verantwortung für den Betrieb der neuen Strecke in den Händen der A-49-Autobahngesellschaft, gestern war die Strecke noch allein Sache der Autobahn GmbH des Bundes. Wobei vor allem Hessen Mobil über viele Jahre die Verantwortung für das Land für den Bau dieser Strecke innehatte.

Elf Jahre vom Spatenstich bis zur Freigabe

OP-Themenseite zur A49

Hier finden Sie Infos rund um die A49.

Zwischen dem Spatenstich im Jahr 2011 mit dem damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und seinem Landeskollegen Dieter Posch (FDP) liegen elf Jahre. Das liege daran, dass bei solchen Projekten „teilchenweise“ gearbeitet werde, so Cordt Lüsse. Er ist Direktor Nordwest der Autobahn GmbH. Jene A-49-Abschnitte hatten der Bund als Geldgeber und das Land noch einmal in drei Teile aufgeteilt. Zum Vergleich: Die beiden weiteren A-49-Abschnitte bis zum Ohmtaldreieck sollen im Herbst 2024 fertiggestellt werden. Es geht um 31 Kilometer Autobahnbau, begonnen im Jahr 2020. Dass es dort nun so schnell geht, liegt auch an der Konstruktion der öffentlich-privaten Partnerschaft. Für den privaten Partner ist Zeit Geld.

250 Millionen Euro für 11,8 Kilometer

Seit 1994 endete die A 49 bei Bischhausen. Seit 30. Juni nunmehr bei Schwalmstadt. Die Autobahn GmbH des Bundes beziffert die Baukosten auf rund 250 Millionen Euro für 11,8 Kilometer Strecke. Rund 50 Millionen Euro kostete allein der Frankenhainer Tunnel, der etwa 900 Meter lang ist. 19 Bauwerke sind in den vergangenen 11 Jahren für die A 49 auf diesem Abschnitt entstanden, darunter auch 4 Talbrücken. Baurecht gab es seit 2009. Für diesen Abschnitt rechnet die Autobahn GmbH täglich mit etwa 38 000 Fahrzeugen. Die weiteren beiden A-49-Abschnitte von Schwalmstadt bis Stadtallendorf (Verkehrseinheit 30) und von dort bis zur A 5 am Ohmtaldreieck (Verkehrseinheit 40) sind im Bau. Fertigstellungstermin soll im Oktober 2024 sein, die A-49-Autobahngesellschaft geht aktuell davon aus, dass der Zeitplan eingehalten wird. 

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Oliver Luksic (FDP) warb noch einmal für das Gesamtprojekt A-49-Weiterbau. Er verwies in einer kurzen Rede auf die Entlastung des untergeordneten Straßennetzes durch die A 49. Luksic machte deutlich, dass sich der Bund künftig deutlich stärker um die Sanierung von Fahrbahn-Infrastruktur kümmern müsse und werde als um Streckenneubau. Er wie auch der Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium Jens Deutschendorf (B90/Die Grünen) erinnerten an einen „ausführlichen demokratischen Entscheidungsprozess“, den das Gesamtprojekt A-49-Weiterbau durchlaufen habe. Dafür ernteten beide Politiker Pfiffe von den mehr als 50 Autobahngegnern, die gegen die Freigabe friedlich demonstrierten. Deutschendorf betonte, dass derartige Demonstrationen ein Grundrecht seien. Der Widerstand im Dannenröder Forst und im Herrenwald gegen die Rodungsarbeiten sei aber teils deutlich über die Grenzen des Rechtsstaates hinausgegangen. Dafür erntete er dann besonders lauten Protest. Mit dem Bau der A 49 und der A 44 gehe die Zeit der großen Autobahn-Bauprojekte in Hessen definitiv zu Ende, so der Staatssekretär.

Die Demonstranten schrieben mit Kreide auch auf die noch junge Fahrbahn in der A-49-Auffahrt. „Es ist nicht 5 vor 12, die Klimakrise ist längst hier“. Der BUND erneuerte seine bekannte Kritik an dem „Planungsdinosaurier“. Mit dem Festakt werde die Zerstörung des Klimas und der Natur gefeiert, so der Naturschutzreferent des hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Thomas Norgall.

Von Michael Rinde

30.06.2022
30.06.2022