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Ostkreis A 49 könnte das Trinkwasser gefährden
Landkreis Ostkreis A 49 könnte das Trinkwasser gefährden
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06:16 19.09.2012
Reiner Nau zeigt in seinem Archiv eine Karte mit den blau markierten Trinkwasser-Schutzzonen 2 bei Stadtallendorf.
Reiner Nau zeigt in seinem Archiv eine Karte mit den blau markierten Trinkwasser-Schutzzonen 2 bei Stadtallendorf. 
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Kirchhain

Der Kirchhainer Kommunalpolitiker beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Trinkwasser, gilt als ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet und vertritt die Stadt in der Verbandsversammlung des ZMW.

Deshalb hat sich der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Kirchhainer Stadtparlament bei der Offenlegung die Pläne für den VKE 40 genannten dritten und letzten Bauabschnitt der A 49 zwischen Stadtallendorf Nord und der Einmündung bei Gemünden/ Felda in die Autobahn 5 mit Blick auf den Trinkwasserschutz sehr genau angesehen.

Dabei entdeckte er zwei Planungsdetails, die aus seiner Sicht für den Fortbestand der Stadtallendorfer Trinkwasserbrunnen eine große Gefahr darstellen. Obwohl Reiner Nau im Anhörungsverfahren auf diese beiden Punkte hingewiesen hatte, wurden diese für den Planfeststellungsbeschluss (noch beklagbare Baugenehmigung für das Autobahn-Teilstück) nicht berücksichtigt.

Befürworter der Autobahn hüten das Trinkwasser

Reiner Nau sieht nun die Mitglieder der ZMW-Verbandsversammlung in der Pflicht. Wenn das oberste Beschlussorgan des ZMW morgen in Gießen zusammentritt, sollen die Mitglieder Farbe bekennen: Sieht die ZMW-Verbandsversammlung die Belange des Trinkwasserschutzes in den Plänen zum Weiterbau der A 49 ausreichend berücksichtigt oder nicht? In dieser Frage sollen sich die Mitglieder, so Naus Antrag, morgen festlegen.

Die Entscheidung des ZMW könnte großen Einfluss für den Ausgang der schon angekündigten juristischen Auseinandersetzung um dieses Autobahn-Teilstücks haben. Und das macht die ZMW-Sitzung morgen so brisant. „In der Verbandsversammlung sitzen zum großen Teil Bürgermeister, die für die Autobahn sind. Man kann aber für die A 49 sein und trotzdem für den Trinkwasserschutz eintreten“, sagt Nau im Gespräch mit der OP. Gleichwohl ist er von einem Abstimmungsergebnis in seinem Sinne nicht unbedingt überzeugt. Die wenigsten Mitglieder der Versammlung hätten die Zeit gefunden, die viele Aktenordner zählenden Planungsunterlagen zur A 49 zu studieren, nicht alle seien ausgemachte Trinkwasserschutz-Experten, erklärt Nau.

Worum geht es in der Sache? Reiner Nau hat zwei kritische Punkte ausgearbeitet:

  • Östlich von Stadtallendorf führt die Autobahn-Trasse durch die Trinkwasser-Schutzzone 2 im Gewinnungsbereich mehrere Trinkwasserbrunnen, durch die keine Straßen gebaut werden dürfen. Zum Schutz der Brunnen wird das Oberflächenwasser der Autobahn komplett aufgefangen und über eine Fernleitung in der Nähe der Totenmühle in die Klein eingeleitet. Der Einleitungspunkt für das verschmutzte Oberflächenwasser liegt aber ebenfalls in der besonders streng geschützten Zone 2. Ein Schildbürgerstreich? Reiner Nau sieht eine Gefahr für die westliche Stadtallendorfer Brunnenkette und fordert eine Verlängerung der Fernleitung um 3,3 Kilometer bis an die Grenze der weniger schützenswerten Zone 3b.
  • In der Schutzzone 2 dürfen keine Löcher gegraben und keine Geländeeinschnitte vorgenommen werden, weil die obersten Erdschichten als Filter für Schmutz und Schadstoffe dienen. Dies geschieht jedoch durch Tieferlegung der A 49 im Wasag-Gebiet mit seinen Sprengstoff-Resten im Erdreich. Abschöpfbrunnen an der Oberfläche, so erklärt Reiner Nau, fangen die Schadstoffe auf. Das sorgfältig austarierte hydraulische Gleichgewicht der südlichen Brunnenkette könnte durch die massiven Erdarbeiten empfindlich gestört und Sprengstoffreste ohne die schützenden Erdschichten bis auf das Sohlen-Niveau der Brunnen vordringen, skizziert Nau ein Szenario, dass schon in den 80er Jahren zur Stilllegung eines Brunnens geführt habe.

Völlig unverständlich ist dem Kommunalpolitiker, dass dieses Szenario während der Planungsphase noch nicht geprüft wurde - aus Zeitgründen, wie es in einem Bericht zum Planfeststellungsbeschluss heißt. Das Wohl der Allgemeinheit in Sachen Trinkwasserschutz müsse mindestens so hoch bewertet werden, wie das Recht auf Mobilität, stellt Reiner Nau fest.

von Matthias Mayer