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Ostkreis Nur bei der Bundeswehr fallen Bäume
Landkreis Ostkreis Nur bei der Bundeswehr fallen Bäume
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21:18 08.10.2020
An der A49-Trasse im Herrenwald wurden am Donnerstag Bäume gerodet. Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Im Raum Maulbach sind die Fällarbeiten am Mittwoch (7. Oktober) beendet worden. Am Donnerstag war weitgehend „Ruhetag“, auch im Stadtallendorfer Herrenwald. Wie ein Sprecher des Presseteams des A-49-Einsatzes mitteilte, gab es auf Gelände der Bundeswehr einzelne Fällarbeiten des Forstes auf Flächen der geplanten Trasse. Der Polizeisprecher bezeichnete sie als „Nacharbeiten“, die nicht mit der Maschine möglich gewesen seien. Die Polizei zeigte während des ganzen Tages Präsenz rund um den Herrenwald und auch in Teilen des Stadtallendorfer Stadtgebietes.

Seit 2. Oktober gilt eine Verfügung des Forstamtes Romrod für Teile des Dannenröder Waldes, das Forstamt Kirchhain hat eine vergleichbare für den Herrenwald erlassen. Die Verfügungen sprechen entlang der zu rodenden Flächen und in einem Sicherheitsbereich ein formales Betretungsverbot aus. Ob deshalb auch Kundgebungen wie die bei Autobahngegnern beliebten sonntäglichen „Waldspaziergänge“ untersagt sind, ist unklar. Das Forstamt Romrod hatte dazu eine Stellungnahme für Donnerstag angekündigt. Es gab allerdings auch auf Nachfrage keine neuen Informationen.

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Filmemacher zeigt Dokumentation

Der in Wetter lebende Martin Keßler hat sich derweil entschieden, für Samstag (10. Oktober, Uhrzeit steht noch nicht fest) an die Tribüne am Dannenröder Sportplatz zur Vorabpremiere seines Dokumentarfilms „Count Down am Xingu – Kampf um die Grüne Lunge der Welt“ einzuladen – die eigentliche Premiere steht am 23. Oktober in einem Berliner Kino mit anschließender Diskussion mit ihm, Klimaforscher Professor Dr. Hans Joachim Schellnhuber und dem telefonisch zugeschalteten brasilianischen Bischof Erwin Kräutler an.

Elf Jahre lang hat Keßler den Konflikt um den Bau des drittgrößten Staudamms der Welt, Belo Monte, und die fortschreitende Zerstörung des Amazonasgebietes begleitet. Eine Hauptfigur ist Bischof Kräutler, Träger des alternativen Nobelpreises, der bekannt ist für seinen Kampf für die Rechte der Indigenen. Der Film dreht sich, wie Keßler hervorhebt, unter anderem um die „Politik der vollendeten Tatsachen und die Gewalt, mit der das Megaprojekt durchgesetzt wird: Tausende Hektar Urwald werden vernichtet, 40 000 Indigene und Bewohner vertrieben“.

Dies sei mit dem Konflikt in Dannenrod vergleichbar, so Keßler: Die Menschheit brauche Wälder, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Doch statt aufzuforsten passiere das krasse Gegenteil. „Wir benötigen große Veränderungen in unserer Lebensweise“, betont Keßler – das sage auch Bischof Kräutler. Neben der Verkehrswende sei auch eine Energiewende dringend angezeigt. Eine Parallele zwischen dem Amazonas und dem Dannenröder Forst sei, dass das Wirtschaftssystem hinter den Projekten stecke und die Menschen bereit seien, dafür die Grundlagen ihrer Existenz zu zerstören.

Dritte Fahrraddemo am Samstag

Am Samstag, 10. Oktober, ist darüber hinaus eine weitere Fahrraddemonstration vom Kasseler Hauptbahnhof über die Autobahn 49 bis hin zum Dannenröder Wald geplant. Es ist die nunmehr dritte Kundgebung dieser Art. Der Zeitplan sieht genauso aus wie bei den vorangegangenen Demonstrationen. Wer von Anfang an daran teilnimmt, legt eine Strecke von etwa 89 Kilometern zurück, so die Veranstalter. Start ist morgens um 9.30 Uhr in Kassel. In Stadtallendorf ist wiederum gegen 17.30 Uhr eine Zwischenkundgebung an der Bundesstraße 454 geplant. Die Abschlusskundgebung ist gegen 18.30 Uhr rund um den Dannenröder Wald vorgesehen. Die Veranstalter hoffen auf eine steigende Teilnehmerzahl.

von Michael Rinde und Florian Lerchbacher