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Ostkreis Gegner haben den „Ernstfall“ im Blick
Landkreis Ostkreis Gegner haben den „Ernstfall“ im Blick
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18:00 25.05.2020
In ausreichend großem Abstand und mit Mund-Nasen-Schutz versammelten sich A-49-Gegner an ihrer Mahnwache in Dannenrod.
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Dannenrod

In gewisser Weise war es ein Neustart nach der Zwangspause. Seit gestern gibt es die wöchentlichen Kundgebungen des Aktionsbündnisses „Keine A 49“ in Dannenrod wieder. Rund 70 Teilnehmer kamen zusammen, in gebührendem, der Corona-Pandemie geschuldetem Abstand voneinander. Ausgenommen davon waren nur Menschen, die ganz offensichtlich zu einem Haushalt gehörten.

Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis sprach wie von ihr gewohnt gleich Klartext bei der etwa 40-minütigen Veranstaltung. Zunächst erinnerte sie alle an die Vorsichtsregeln, die der Kampf gegen das Corona-Virus erforderlich mache. Seitens des Vogelsbergkreises habe es Bedenken gegen die Veranstaltung gegeben, die wolle das Aktionsbündnis zerstreuen. Die gesamte Veranstaltung fand im Beisein von zwei Polizeibeamten statt, die sich aber komplett im Hintergrund hielten. Einer machte sich allerdings während der Wortbeiträge intensiv Notizen.

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Denn für das Aktionsbündnis ist klar, dass aus seiner Sicht nun wieder mobilisiert werden muss. So spitzten es Barbara Schlemmer und andere Redner an diesem Sonntagmittag zu. „Wir wollen auch nicht, dass in Corona-Zeiten Kräfte aktiv werden, die gegen uns arbeiten“, so Schlemmer, die Hauptrednerin an diesem Tag.

„Nie allein im Wald“

Seit vergangenem Herbst sind Bäume auf der geplanten A-49-Trasse im Dannenröder Forst von Aktivisten besetzt. Daran hat sich auch während der Wintermonate und durch die Corona-Pandemie nichts geändert, wie Schlemmer bei der Kundgebung gestern noch einmal verdeutlichte. Sie lobte den Einsatz der „Waldmenschen“ während der zurückliegenden Monate. Es habe keinerlei Covid-19-Erkrankungen gegeben. Das unterstrich auch einer der so gewürdigten „Waldmenschen“: „Wir waren nie allein im Wald“, lobte er die Unterstützer-Szene.

Ein bedeutendes Datum rückt näher: Am 23. Juni verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen drei neuerliche Klagen gegen die A 49, für die es bisher durchgängig Baurecht gibt. Zumindest für den Abschnitt Stadtallendorf – Gemünden (Felda) wollen das die Kläger kippen lassen. Sie sehen Verstöße gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Am 28. Mai veröffentlichte der Europäische Gerichtshof ein Urteil in einem ähnlich gelagerten Verfahren, so Schlemmer. Gemeint ist ein Rechtsstreit zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und Gegnern des Baues eines Zubringers zur Autobahn 33. Dort geht es um Fragen des Grundwasserschutzes.

„Müssen alle Register ziehen“

Natürlich sei sie guter Hoffnung, dass die Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gut ausgingen. Aber das Aktionsbündnis hat auch den für sie negativen Fall vor Augen. „Wenn es nicht zu unseren Gunsten ausgehen sollte, dann ist der Ernstfall eingetreten, dann müssen wir alle Register ziehen und alle politischen Widerstandskräfte aktivieren, die es gibt“, machte Schlemmer deutlich.

Andere Redner berichteten, dass es intensive Kontakte zu Klimaschutzgruppen und weiteren Unterstützern gebe. Man könne innerhalb von Stunden viele Menschen mobilisieren.

Die A-49-Gegner rechnen im Falle der Zurückweisung der Klagen mit einer schnellen Räumung des besetzten Forstes. Die Bund-Länder-Gesellschaft Deges hat die Baumfällungen bis zur nächsten Fällperiode ausgesetzt. Baumfällungen im großen Stile wären erst ab Oktober wieder möglich.

Offenbar hat die Zahl der besetzten Bäume zwischenzeitlich zugenommen. Bei der Kundgebung war die Rede von „Neubaugebieten“. „Wir werden halt mehr, wer Lust hat, Bäume zu besetzen, der ist eingeladen“, kommentierte ein weiterer Aktivist am Megaphon.

„Neubaugebiet“ im Forst?

Klare Forderungen hat das Aktionsbündnis auch in Richtung des Landes. Das Bündnis will die Offenlegung der Verträge mit den bisherigen Eigentümern der Waldflächen. Sollte die A 49 nicht gebaut werden, so drohten denen massive Geldverluste, so Schlemmer.

Bei weiteren Kundgebungen will das Aktionsbündnis unter anderem die Ausgleichsmaßnahmen kritisch betrachten. Die Kundgebungen finden nun wieder regelmäßig an Sonntagen ab 14 Uhr statt.

Von Michael Rinde

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