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Ostkreis Heute wird "Morgen" geräumt
Landkreis Ostkreis Heute wird "Morgen" geräumt
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19:14 23.11.2020
Die Polizei ist am Montag im Baumhausdorf "Morgen" im Einsatz und bereitet die Räumung vor. Foto: Tobias Hirsch
Die Polizei ist am Montag im Baumhausdorf "Morgen" im Einsatz und bereitet die Räumung vor. Quelle: Tobias Hirsch
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18 Uhr: 75 Platzverweise ausgesprochen

An dem angemeldeten Aufzug von der Mahnwache am Waldeingang Schweinsberg nahmen in der Spitze 7 Personen teil. Er führte in Richtung Sicherheitsbereich Süd und wurde nach gut einer Stunde beendet. Das berichtet die Polizei in ihrer Tagesbilanz. Im Rodungsbereich Nord wurden die Arbeiten nach Beseitigung etlicher Barrikaden weitergeführt.  Nach derzeitigem Stand hat die Polizei weit über 50 Personen aus Bäumen und Gebilden zu Boden gebracht und diverse Barrikaden, Baumhäuser und Gebilde beseitigt. Es wurden heute 69 Personen in Gewahrsam genommen. Weiterhin wurden 5 Ermittlungs- und 63 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet und 75 sogenannte Platzverweise ausgesprochen.

Auch am Montag (23. November) gingen die Arbeiten zum Weiterbau der Autobahn 49 im Dannenröder Forst weiter. Die Polizei räumte das Baumhausdorf "Morgen" im Süden des Waldes. 

14 Uhr: Polizisten in "Nirgendwo"

Auch im Baumhaus-Camp mit Namen "Nirgendwo" ist am Mittag die Polizei gesichtet worden. Das teilen die Besetzer über ihren Twitterkanal mit. "Nirgendwo" liegt am nördlichen Ende des Dannenröder Forst beziehungsweise am derzeitigen nördlichen Ende der Rodungsschneise.  

13.30 Uhr: Twopod auf Polizisten gestürzt

Wie die Polizei mitteilt, ist ein sogenannter Twopod - eine Konstruktion aus zwei Baumstämmen - umgestürzt und hat Polizisten getroffen. Sie blieben unverletzt. 

Die Polizei hat den Ort des Geschehens nach eigenen Angaben zum Tatort erklärt. Er werde abgesperrt. "Wir gehen von einem gezielten Angriff auf die Einsatzkräfte aus. ErmittlerInnen sind auf dem Weg dorthin", heißt es auf dem offiziellen Kanal der Polizei Mittelhessen bei Twitter.

12.30 Uhr: Auf die Beamten kommt noch einiges zu

"Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht", sagt ein Ausbaugegner, der auf einem sogenannten Monopod - einem Baumstamm, der seitlich mit Seilen abgespannt ist - sitzt. Er habe zwar Angst, sagt er, bleibe aber trotzdem sitzen. "Ich sehe es als meine Pflicht an", erklärt er das. Auch wenn er nicht glaubt, dass die Waldbesetzer am Ende die Gewinner sind.

Foto: Tobias Hirsch

So wie dieser Mann sitzen etliche Personen in Bäumen, Barrikaden oder anderen Konstruktionen, die von den Polizeibeamten geräumt werden müssen.

12.15 Uhr: Morgen ist leer

Die Baumhäuser in "Morgen" sind leer, in den Bäumen drum herum harren aber noch zahlreiche Protestler aus. Genauso in einem Ableger des Baumhaus-Camps. Rodungsarbeiten finde dort noch keine statt.

Foto: Tobias Hirsch

11.50 Uhr: Einer nach dem anderen

Der Ablauf ist auch heute immer der Gleiche: Nach der Ansprache durch die polizeilichen Kommunikatoren - wenn der Waldbesetzer nicht reagiert und seine Position freiwillig verlässt - werden die Höhenretter des SEK eingesetzt, die die Menschen von Bäumen und Konstruktionen herunterholen.

Foto: Tobias Hirsch
Foto: Tobias Hirsch

11.20 Uhr: Polizei bittet um Risikominderung

"Um das Risiko für alle Beteiligten zu reduzieren, sind auch die Ausbaugegner*innen verpflichtet mitzuwirken und damit Leib und Leben der Personen in den Konstruktionen zu schützen", informiert die Polizei Mittelhessen in einer Pressemitteilung am Montagvormittag: "Wir fordern diese auf, insbesondere Seilkonstruktionen, die im Fall einer Räumung zu einem Absturz des betroffenen Bauwerks führen könnten, aufzuzeigen", heißt es darin weiter.

Hintergrund ist, das am Wochenende erneut eine Person aus einigen Metern Höhe abgestürzt ist. Die Polizei sah sich daraufhin vor allem in sozialen Netzwerken erheblicher Beschuldigungen und Vorwürfe ausgesetzt.

"Die Ausbaugegner*innen bringen sich vielfach im Rahmen ihres Protestes in erhebliche Lebensgefahr. Die Einsatzkräfte finden in vielen Fällen sehr fragile Strukturen vor: Es werden Materialen verwendet, die weder für solche Bauten zugelassen, noch fachgerecht verwendet werden. Komplexe Befestigungen und Seilverbindungen sind schwierig nachvollziehbar und sogar teilweise verdeckt. Diese selbstgebauten Konstruktionen in großen Höhen stellen oftmals allein aufgrund ihrer Bauweise eine erhebliche Gefahr dar. Insofern können sowohl Einsatzkräfte, Ausbaugegner*innen oder auch Wildtiere Auslöser für eine Beschädigung sein", schreibt die Polizei in ihrer Mitteilung. Folglich spiele in erster Linie vielmehr derjenige fahrlässig mit dem Leben der Ausbaugegner*innen, der diese Gebilde - ob "Lock-ons", Barrikaden oder fragile Strukturen - verantwortlich konstruiert habe. 

11 Uhr: Hebebühne im Einsatz

Die Autobahngegner sind teilweise bis in die Baumspitzen geklettert und müssen von dort mit einer sehr langen Hebebühne heruntergeholt werden. 

Foto: Tobias Hirsch

10.30 Uhr: Bislang läuft die Räumung friedlich

Der Nebel verzieht sich langsam und macht der Sonne Platz. Die Lage im Wald ist bislang ruhig und friedlich.

10 Uhr: Erste Personen sind geräumt

Die ersten Ausbaugegner sind mittlerweile aus den Bäumen geholt. Auf den bereits in den vergangenen Tagen gerodeten Flächen laufen derzeit Aufräumarbeiten.

9.30 Uhr: Polizei verschafft sich Überblick

Die Polizei ist dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Denn es ist sehr nebelig im Wald. Hebebühnen sind bereits vor Ort, um die Menschen aus den Bäumen und selbst gebauten Konstruktionen zu retten. 

Foto: Tobias Hirsch

9 Uhr: Polizei beginnt mit Räumung

Die Polizei ist am Montagmorgen mit zahlreichen Einsatzkräften im südlichen Teil des Dannenröder Forsts im Einsatz. Das Baumhaus-Camp "Morgen" soll geräumt werden. Die Autobahngegner haben sich in Barrikaden verschanzt, sitzen in Bäumen und auf sogenannten Tripods - und singen. 

Es halten sich laut Polizei allerdings noch Personen im Sicherheitsbereich auf.

Hintergrund

Die Straße

Die A49 soll einmal Kassel und Gießen miteinander verbinden. Insgesamt sollen dafür 85 Hektar Wald entlang der geplanten Trasse gefällt werden. Davon gehören 27 Hektar zum Dannenröder Wald sowie weitere 49 Hektar zum nahe gelegenen Herrenwald.

Der Streit

Der Streit um den Ausbau der Autobahn schwelt seit Jahrzehnten. Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrslärm in den umliegenden Dörfern, kürzere Wege für Pendler und eine bessere Anbindung für Unternehmen in der Region. Gegner halten das Projekt angesichts der Klimakrise für überholt. Sie fordern eine Verkehrswende. Außerdem befürchten sie katastrophale Folgen für die Natur. Aktivisten halten die Waldstücke seit rund einem Jahr besetzt.

Der Zeitplan

Die Rodungsarbeiten für den Weiterbau der Autobahn 49 sind am 1. Oktober im Herrenwald bei Stadtallendorf gestartet. Seit dem 10. November bereiten Polizisten die geplanten Rodungen im Dannenröder Forst vor. (dpa, fgk)

von Katharina Kaufmann-Hirsch und Tobias Hirsch

--- Dieser Artikel wird aktualisiert ---