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Ostkreis A 49: Brandsätze an fünf Baggern
Landkreis Ostkreis A 49: Brandsätze an fünf Baggern
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20:58 11.07.2020
Die A49-Baustelle an der Brücke Frankenhain im Jahr 2018. Hier wurden offenbar Anschläge auf Baumaschinen geplant. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Ganz offensichtlich gibt es eine Eskalation beim Widerstand gegen den Weiterbau der Autobahn 49. Bereits am vergangenen Wochenende, so die Staatsanwaltschaft Marburg und das Polizeipräsidium Nordhessen, haben Unbekannte versucht, fünf Bagger auf einer A49-Baustelle bei Frankenhain in Brand zu setzen. Die verwendeten Zündvorrichtungen funktionierten allerdings nicht, mutmaßlich wegen der nassen Witterung. So entstand kein größerer Sachschaden.

Die Ermittlungsbehörden nehmen diese versuchten Anschläge allerdings sehr ernst, wie Staatsanwalt Timo Ide, Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, gegenüber der OP noch einmal verdeutlichte. Es bestehe der Anfangsverdacht des versuchten Mordes sowie der versuchten schweren Brandstiftungen. Der sehr schwerwiegende Vorwurf des versuchten Mordes ergibt sich für die Staatsanwaltschaft Marburg durch den Umstand, „dass die verwendeten Zündvorrichtungen auch Menschen hätten töten können, wenn sie sich ins Fahrzeug gesetzt hätten“, sagt Ide. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft betont im Gespräch mit dieser Zeitung auch, dass es bisher keinerlei konkreten Tatverdacht gibt. In ihrer Presseerklärung verweisen die Ermittler auf intensive kriminaltechnische Untersuchungen am Tatort.

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Klare Aussagenim Internet

Das Land baut den A-49-Abschnitt zwischen Bischhausen und Schwalmstadt, die Strecke soll 2022 für den Verkehr freigegeben werden.

Die Tat hat sich nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in einem Baustellenabschnitt zwischen Frankenhain und Rommershausen ereignet und zwar in dem Zeitraum zwischen Freitag, 3. Juli, und Montag, 6. Juli, 7.45 Uhr. Aufgrund der bisherigen Hinweise und Erkenntnisse geht die Polizei von einem politischen Motiv für die Taten aus, der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Nordhessen ermittelt. Dass die Täter im Umfeld gewaltbereiter Autobahngegner gesucht werden, ergibt sich durch deutliche Hinweise. Auf der Internetplattform „de.indymedia-org“ gab es dazu laut Medienberichten eine inzwischen nicht mehr abrufbare Äußerung. Demnach soll auf der Plattform unter anderem Folgendes gestanden haben: „Angesichts einer grünen Partei und Justiz, die die Eskalation des Konfliktes weiter provozieren, sehen wir uns gezwungen, mit Feuer zu antworten“. Unterschrieben war jene Bekennermitteilung mit „Autonome Kleingruppe in Solidarität mit dem Kampf gegen die A 49“.

Auch auf dem Nachrichtendienst Twitter gab es am Freitag nach wie vor auffindbare Äußerungen zu den versuchten Brandanschlägen. Unter dem Account „Dannenröder Wald@keine A 49“ ist dort unter anderem mit Datum vom 6. Juli zu lesen: „Am 23.06. entschied das Bverwg gegen den Erhalt von Wäldern, für die Gefährdung von Trinkwasser und für den Bau einer neuen Autobahn. Menschen sahen sich gezwungen, die zum Bau verwendeten Maschinen zu sabotieren“. An anderer Stelle ist unter dem gleichen Account davon die Rede, es handele sich um Maschinen des Baukonzerns Strabag. Offiziell bestätigt ist das nicht. Die Konzernpressestelle wollte zu dem Vorgang keine Auskunft geben. Die Aktivisten waren auf ihrem „Pressehandy“ am Freitagnachmittag nicht erreichbar.

Aktionsbündnis geht auf Distanz

Vom Aktionsbündnis „Keine A 49“ gibt es zu den Anschlagsversuchen im Raum Schwalmstadt klare Aussagen: Das Aktionsbündnis habe derzeit keinerlei Informationen zu den Vorfällen bei Frankenhain, so Barbara Schlemmer, die Sprecherin des Aktionsbündnisses, auf OP-Anfrage. Wer dafür verantwortlich sei, sei noch völlig unklar. „Wir erwarten von allen Beteiligten, dass so gehandelt wird, dass niemals Menschenleben gefährdet werden, das gilt für alle Seiten, für Aktivisten wie auch für die Polizei bei einem möglichen Einsatz gegen A-49-Gegner“.

Unterdessen haben die Waldbesetzer in Teilen des Dannenröder Forstes auf den Appell des Unternehmens Deges, die Besetzung aufzugeben, mit einer eigenen Pressemitteilung reagiert. Deges ist unter anderem für die Bauvorbereitung für die A 49 verantwortlich. Die Aktivisten erklärten, dass sie den Appell der Deges, die Besetzung zu beenden, „links liegen lassen werden“. Sie kritisierten ihrerseits das Unternehmen, das plane, ab 1. Oktober Fakten zu schaffen und mit Rodungen zu beginnen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte alle neuerlichen Klagen abgewiesen.

Von Michael Rinde

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