Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis 85 Hektar Wald fallen für die Autobahn
Landkreis Ostkreis 85 Hektar Wald fallen für die Autobahn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 03.08.2019
Ende Juni demonstrierten vor allem Landwirte in Lehrbach und am Rande von Niederklein gegen den Autobahnbau. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Die Bürgerinitiative „Schutz des Gleentals“  aus dem Nachbarkreis gibt ihren Kampf gegen den Weiterbau der Autobahn 49 nicht auf. In einer neuerlichen Pressemitteilung steht wie bereits bei der Traktorendemonstration Ende Juni der Grundwasserschutz im Vordergrund.

Die künftige A-49-Trasse verläuft im Raum Lehrbach und Niederklein durch Trinkwasserschutzzonen II und III a und damit durch eines der bedeutends­ten Trinkwasserreservoirs. Die Befürchtung: „Angesichts der konstant sinkenden Grundwasserpegel in den letzten beiden Jahren stellt der Ausbau der A 49 ein unberechenbares Risiko für die Trinkwasserversorgung dar“, so Christoph Schulze-­Gockel von der Schutzgemeinschaft Gleetal. Die Bürgerinitiative fürchtet, dass die Bauarbeiten das Grundwasser stark verschmutzen werden.

Weitreichende Auflagen für Baufirmen

Für den gesamten Trassenbau gibt es Baurecht. Derzeit ­ermittelt das Unternehmen ­Deges im Zuge einer Ausschreibung den künftigen Partner für Bau und Betrieb der Autobahn. Ende des Jahres soll feststehen, mit wem der Bund diese ­öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) eingehen wird. Das Unternehmen Deges übernimmt für den Bund auch die Vorarbeiten vor dem Baustart. Dort verweist man in Sachen Grundwasserqualität auf die umfassenden Auflagen, die es für Bauarbeiten und Betrieb geben wird.

Maßgeblich ist dabei die „Richtlinie“ für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wasserschutzgebieten, die sogenannte RistWag. Sie macht Baufirmen in Wasserschutzzonen weitreichende Auflagen. Exemplarisch nennt Deges beispielsweise ein weitreichendes Betankungsverbot für Baufahrzeuge in der ­Arbeitszone, ein Verbot von ­Lagern in direkter Umgebung von Gewässern oder die deutliche Beschränkung der Größe von Baugruppen. Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) bereitet sich seit Längerem auf den Baubeginn bei der A 49 vor. So müssen beispielsweise im Raum Niederklein wohl zwei Brunnen während des Baues einer Brücke abgeschaltet werden (die OP berichtete).

Geologin sieht keine Folgen für das Grundwasser

Der ZMW bemüht sich derzeit, weiteren nicht geplanten Brunnenausfällen vorzubeugen. Er saniert Brunnen vorsorglich und schafft beispielsweise zusätzliche Unterwasserpumpen an, um auf Ausfälle während des A-49-Baues vorbereitet zu sein.

Die Bürgerinitiative „Schutz des Gleentals bezieht sich bei ihrer Sorge um das Grundwasser vor allem auf das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Das informiert unter dem Internetlink http://www.hlug.de/static/pegel/wiskiweb2/ unter anderem auch über Grundwasserpegelstände. In Summe stellt die Behörde fest, dass zwei ­regenarme Winter und der Jahrhundertsommer 2018 zu unterdurchschnittlichen Pegelständen beim Grundwasser geführt haben. Es sei ein Trend erkennbar, aber der sei noch nicht bedenklich, hieß es gestern aber auch auf Nachfrage der OP seitens der Behörde. Angesprochen auf die Folgen des Autobahnbaues auf die Grundwassermengen legt sich Diplom-Geologin Inga Schlösser-Kluger gegenüber dieser Zeitung klar fest: „Der Autobahnbau hat keinen Einfluss auf die Grundwasserstände“. Schlösser-Kluger war seinerzeit selbst in das Planfeststellungsverfahren für den Autobahnabschnitt zwischen Stadtallendorf und Gemünden (Felda) eingebunden.

Weitere Protest geplant

Bleibt der Wald. Die Trasse tangiert den Danneröder Forst wie auch den Herrenwald direkt. Auf Nachfrage erklärt das Unternehmen Deges, dass auf den beiden Autobahnabschnitten von Schwalmstadt bis letztlich zur Autobahn 5 bei Gemünden (Felda) die Fällung von 85 Hektar Wald erforderlich sein wird. Das entspricht in etwa der Größe von 119 aneinandergereihten Fußballfeldern.

Für diese Flächen gibt es laut Deges bereits Genehmigungen für Fällungen. Aber: Alle abgeholzten Waldflächen müssen zwingend an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden. Es sind also auch 85 Hektar Wald neu anzupflanzen. Allerdings erfolgt das über einen sehr weit verteilten Raum.

Die nötigen Baumfällarbeiten sind nur über einen begrenzten Zeitraum im Jahr erlaubt. Sie sollen zwischen Oktober und Februar 2020 erfolgen.
Die Schutzgemeinschaft will weiter protestieren. Sie hat nach der Traktorendemonstration nun eine Kundgebung für den 23. August in Lehrbach geplant.

von Michael Rinde