Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Einen Moment nicht richtig aufgepasst
Landkreis Ostkreis Einen Moment nicht richtig aufgepasst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 26.07.2019
Mitte vergangenen Jahres kam es zu einem schweren Motorradunfall nahe Amöneburg. Ein Motorradfahrer wurde lebensgefährlich verletzt. Quelle: Thorsten Richter
Kirchhain

Ohne nach irgendeiner Ausrede zu suchen, gab der Angeklagte sein Fehlverhalten unumwunden zu. Er wollte damals von der K 95 kommend nach links abbiegen, um in Richtung Ebsdorfergrund weiter zu fahren. Erst mit einem lauten Knall an der Fahrertür habe er den Motorradfahrer wahrgenommen.

„Es gibt nichts zu beschönigen. Ich habe einen Moment nicht aufgepasst“, sagte er wörtlich mit tiefstem Bedauern. Emotional betroffen schilderte er, dass sich sein Fahrverhalten seitdem verändert habe. Heute prüfe er an Kreuzungen doppelt und dreifach, ob noch ein weiterer Verkehrsteilnehmer in der Nähe sei.

Richter Joachim Filmer verlas ein umfangreiches ärztliches Attest, welches zahllose Verletzungen attestierte, die von einer Herzquetschung, über Rippen- und Beckenbrüche, einer gerissenen Speiseröhre bis hin zu mehrfachen Frakturen der Hals- und Brustwirbelsäule reichten. Ein Wunder, dass der Mann nicht verstorben ist, meinte Filmer. Er sei nach mehreren Operationen derzeit auf Hilfe angewiesen. Es bestehe jedoch die Hoffnung auf ein halbwegs normales Leben.

"Die Sicht war frei"

Versuche des Angeklagten, mit dem Verunfallten in Kontakt zu treten seien bisher gescheitert. Das könne man verstehen, meinte die Staatsanwältin bei ihrem Plädoyer. Sie habe selbst die Kreuzung befahren, berichtete sie. „Die Sicht war frei.“ Der Motorradfahrer hätte, wie auf heimischen Landstraßen erlaubt, Tempo 100 fahren dürfen.

Da der Angeklagte keine Vorbelastungen habe, umfänglich geständig sei und auch nicht als Verkehrsrowdy bezeichnet werden könne, bliebe aber trotzdem der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Hier sei eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 55 Euro angemessen. Von einem Führerscheinentzug könne man absehen.

Der Angeklagte, der selbst juristisch tätig ist, verwies auf seine derzeitige Einkommenssituation, die wegen gesundheitlicher Probleme sehr bescheiden sei und brachte 60 Tagessätze ins Spiel. Nach gut einer halben Stunde Verhandlung entschied Richter Filmer auf ein Strafmaß von 80 Tagessätzen à 50 Euro, welches auch in Raten gezahlt werden könnte. Beide Seiten zeigten sich mit dem Urteil zufrieden und erklärten Rechtsmittelverzicht.

von Heinz-Dieter Henkel