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Ostkreis Neustädter radeln zum 40. Neustadt-Treffen
Landkreis Ostkreis Neustädter radeln zum 40. Neustadt-Treffen
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00:17 12.06.2019
Heinz-Jürgen Huber ist der einzige, der an allen 25 Radtouren zu Neustadt-Treffen dabei war. Quelle: Privatfoto
Neustadt

"Die Roten kommen!", heißt es alljährlich, wenn die Radfahrer des Vereins „Über Berg und Tal“ auf ihren Rennrädern beim Neustadt-Treffen eintrudeln – mit Sicherheit auch Ende des Monats in Bad Neustadt an der Saale. Gleich zwei Jubiläen stehen Ende des Monats an: Zum einen findet die 40. Auflage des Neustadt-Treffens in Bad Neustadt an der Saale statt. Zum anderen machen sich Mitglieder des Radfahrvereins „Über Berg und Tal“ – angesiedelt in Neustadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf – zum 25. Mal auf ihren Fahrrädern auf den Weg, um an der Veranstaltung teilzunehmen, die Menschen in Europa zusammenbringt.

Die Idee, mit Muskelkraft zu dem Treffen zu gelangen, war den mittlerweile verstorbenen Heinz Leipert und Paul Weber vor 35 Jahren gekommen. Zu einer Zeit, als aus Hessen rund 1.000 Neustädter mit einem ­ Sonderzug nach Neustadt am Rübenberge fuhren. Eine Teilnehmerzahl, von denen heute nur noch geträumt werden kann. 10.995 Kilometer beträgt die seitdem auf dem Drahtesel zurückgelegte Strecke – allerdings war nur einer jedes Jahr dabei: der mittlerweile 71 Jahre alte Heinz-Jürgen Huber. Und da die Radfahrer nie den direkten Weg suchen, sondern auf ihren Touren auch noch andere Neustadts besuchen, hat er inzwischen weit über 50 Stempel in seinem „Neustadt-Pass“ und ist somit fünffacher Neustadt-Botschafter.

Hobbysportler schaffen 100 bis 180 Kilometer am Tag

Die meisten Teilnehmer an der Radtour gab es mit 14 Radlern in den Jahren 1987 (ebenfalls nach Neustadt an der Saale) sowie 2012 (Orla), lediglich 4 waren es im Jahr 2016, als das Ziel Neustadt an der Weinstraße hieß. Die meisten Kilometer mussten sie schrubben, als es nach Neustadt an der Donau (830 Kilometer) und Neustadt/Dosse (950 Kilometer) ging – allerdings legten die Radfahrer auf diesen Touren sowohl den Hin- als auch den Rückweg auf ihren Bikes zurück. So wie in diesem Jahr, schließlich sind es an die Saale lediglich 125 Kilometer.

Ein Kurztrip, den die Hessen an einem Tag erledigen wollen. Das sah im Jahr 2010 noch ganz anders aus: Damals ging es nach Neustadt in Mähren, also in Tschechien. Für die rund 800 Kilometer brauchten die Hobbysportler insgesamt fünf Tage. Zumeist fahren sie pro Tag Strecken zwischen 100 und 180 Kilometer. „Im Vorfeld trainieren wir fleißig für den Höhepunkt des Jahres“, betont Norbert Keller, der auch in diesem Jahr wieder dabei sein wird.

Unfall wäre ohne Helm wohl übel ausgegangen

Es kommt den Radfahrern dabei sowohl auf den sportlichen als auch auf den gesellschaftlichen Aspekt an. Und eine gewissen Berühmtheit haben „die Roten“ auch schon erreicht. In Tschechien wurden sie im dortigen Biathlon-Stadion mit Musik, einem Banner und einem Spalier willkommen geheißen. In Neustadt an der Waldnaab gab es einen Empfang im Rathaus, in dessen Anschluss sie sich ins Goldene Buch eintragen durften. „Für einfache Radler wie uns ein echtes Erlebnis“, betont Huber. Allerdings hatten die Neustädter dabei auch einen kleinen Vorteil: Bürgermeister Rupert „Rupp“ Troppmann ist selber leidenschaftlicher Radfahrer und hat „die Roten“ auch schon auf einigen Etappen begleitet.

Lediglich ein einziges Mal gab es einen schwereren Unfall: Dieser geschah im vergangenen Jahr auf dem Weg nach Nowe Miasto nad Pilica in Polen. Doch was zunächst übel aussah, erwies sich letztendlich lediglich als Schürfwunden und schwere Prellungen. „Ohne Helm wäre das übel ausgegangen. Der ist richtig aufgeplatzt“, berichtet Norbert Keller und ruft dazu auf, stets zur eigenen Sicherheit Helm zu tragen.

von Florian Lerchbacher