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Ostkreis Affäre endet in Angst und Schmerz
Landkreis Ostkreis Affäre endet in Angst und Schmerz
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12:00 28.10.2019
Wegen der Vergewaltigung seiner Ex-Liebhaberin wurde ein 33- jähriger Kaufmann von der 2. Strafkammer des Marburger Landgerichts verurteilt. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Kammer kam in dem Berufungsverfahren nach der Beweisaufnahmen zu der Überzeugung, dass der Angeklagte aus dem Ostkreis in den frühen Morgenstunden des 1. Juli 2017 eine Marburgerin vergewaltigt hat. Den Kaufmann und die Akademikerin, die inzwischen in Südhessen eine Praxis betreibt, vereinte zwischen März und Ende Mai eine Affäre, die nach Aussage beider Parteien rein sexueller Natur waren.

Die heute 35 Jahre alte Frau sagte im Zeugenstand, dass sie den Angeklagten in einem Lokal kennengelernt habe. Er sei lustig gewesen, habe einen angenehmen Umgang gehabt. Im März 2017 sei sie bei einer bei Party in dessen Wohnung gelandet – bis zum späten Ende. Nach der Trennung von ihrem Partner habe sie sich eine Affäre mit dem Mann vorstellen können – mehr aber bestimmt nicht, sagte sie dem Gericht.

Fassungslos "über die Selbstverständlichkeit"

Bedingung: Beide Seiten sollten nicht zur gleichen Zeit weitere Partner haben. Sehr schnell habe sie gemerkt, dass der Mann von ihr Dinge wollte, die sie ablehnte. Mit großer Penetranz habe er immer wieder versucht, sich ihr körperlich zu nähern, auch wenn sie das nicht wollte. Immer wenn sie geglaubt habe, er habe das verstanden, sei es wieder passiert. Deshalb habe sie die ­Affäre Ende Mai beendet – im Guten, wie sie sagte.

Folglich sei sie arglos gewesen, als sie am frühen Morgen des 1. Juli 2017 ihren Verflossenen fragte, ob er sie von einem Lokal abholen könne, weil ihr ursprünglicher Quartiergeber verschwunden war. Der Mann folgte der Bitte der angetrunkenen Frau anstandslos – bis zu Wohnungstür.

Hinter dieser begann der Angeklagte, die Frau auszuziehen – gegen ihren erklärten Willen. Sie sagte immer und immer wieder, dass sie müde sei, Übelkeit verspüre und nichts mehr wolle, als zu schlafen. Der ­Angeklagte ließ nicht von ihr und riss ihr schließlich BH und Tanga vom Leib. Dann fixierte er sein Opfer, in dem er dessen Handgelenke festhielt und mit seinen Beinen das Becken. Dabei führt er mit einer Körperdrehung für eine kurze Zeit seinen Penis in die Vagina ein.

Die Frau war fassungslos „über die Selbstverständlichkeit, wie dieser Mensch handelt“. Aber das war es noch nicht. In einem weiteren Anlauf drang der Mann kurz anal in die Frau ein, die nur noch schrie, sich anzog und zu ihrem Auto lief, um dort zu schlafen. Am Nachmittag des Tages ging sie auf Anraten eines Freundes zur Polizei.

Keine Einwände gegen Entschuldigung und Schmerzensgeld

Bemerkenswert: Die Zeugin und Nebenklägerin zeigte keine Belastungstendenzen. Das zeigte sich vor allen, als der Vorsitzende Richter Gernot Christ die Frau fragte, was sie sich von dem Prozess erwarte. Sie wolle nicht, dass der Mann ins Gefängnis kommt, dass dessen Leben ruiniert werde. Schließlich seien sie mal befreundet gewesen.

Aber ihr Ex solle begreifen, dass er sich nicht so gegenüber Frauen verhalten dürfe. Sonst drohe anderen Frauen das gleiche Schicksal. Auf Nachfrage des Gerichts hatte sie keine Einwände gegen eine Entschuldigung und gegen ein Schmerzensgeld.

Gernot Christ regte darauf ein Rechtsgespräch zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung an. Das fand statt, und damit drehte sich die Verhandlung. Der Angeklagte, der sich zuvor wortreich als unschuldig bezeichnet hatte, erklärte, dass er die Tat wie angeklagt begangen habe. Zugleich entschuldigte er sich bei seinem Opfer und bot die Zahlung von 2.500 Euro Schmerzensgeld an.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft einigten sich, den Schuldspruch der ersten Instanz zu akzeptieren, nicht aber den Rechtsfolgenausspruch (das Strafmaß). Irritationen gab es, als die Staatsanwaltschaft nach der Unterbrechung die Zeugin verhörte. Er sei irritiert und verbittert. Das habe er bei einer Absprache noch nicht erlebt. Gernot Christ versicherte, dass die Kammer für Fairness stehe.

Die Staatsanwaltschaft sah einen besonders schweren Fall und beantragte eine Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und sechs Monaten. Anwalt Weiß bat im Namen seines Mandanten um eine ­Freiheitsstrafe zur Bewährung. Die Kammer sah Milderungsgründe und erkannte auf ein bewährungsfähiges Urteil, verbunden mit Auflagen.

von Matthias Mayer