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Ostkreis 33-Jähriger sticht mit der Schere zu
Landkreis Ostkreis 33-Jähriger sticht mit der Schere zu
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21:29 04.05.2022
Die Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt war am Montagabend Ort einer Gewalttat.
Die Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt war am Montagabend Ort einer Gewalttat. Quelle: Foto: Lerchbacher
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Neustadt

Am Montagabend kam es in einem Gebäude der Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt zu einem Zwischenfall. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft berichteten, ereignete sich das Geschehen gegen 23 Uhr. Opfer war ein 25-jähriger Bewohner der Einrichtung. Nach ersten Ermittlungen hatte ein 33 Jahre alter Bewohner mehrfach mit einer Schere auf den jüngeren Mann eingestochen. Das passierte offenbar mit der Absicht, ihn zu töten, wie die Ermittlungsbehörden berichteten.

Dem 25-Jährigen ist trotz seiner Stich- und Schnittverletzungen die Flucht aus dem Gebäude gelungen. Er wurde aufgrund seiner nicht akut lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Das galt auch für den tatverdächtigen 33-Jährigen, der ebenfalls verletzt wurde. Er wurde im Krankenhaus behandelt, so die Ermittler. Am Mittwoch wurde er am Amtsgericht Marburg dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Marburg einen Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung.

Wie es zu dem Angriff kam, ist nach derzeitigem Stand noch unklar. Ebenso offen ist, was den Tatverdächtigen dazu veranlasst haben könnte. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Eine Schere wurde als mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt. Wie Staatsanwalt Timo Ide erläuterte, handelt es sich bei beiden Beteiligten um Marokkaner. Bevor der Beschuldigte zugestochen habe, habe es eine tätliche Auseinandersetzung zwischen den beiden gegeben, erläuterte Ide. Der 33-Jährige bekam Schläge an den Kopf. „Aus den Zeugenaussagen schließen wir, dass der Beschuldigte vorhatte, sein Opfer zu töten“, sagt Staatsanwalt Ide.

Lange Zeit war es in der Erstaufnahmeeinrichtung im Vergleich zu früheren Jahren ruhig. „Rein subjektiv gesehen haben die Polizeieinsätze wegen einzelner Vorfälle in der Einrichtung in den vergangenen Wochen aber wieder etwas zugenommen“, sagt Polizeisprecher Martin Ahlich. Meistens seien dabei dieselben Personen der Grund für das Rufen der Polizei gewesen. Wie das Regierungspräsidium (RP) in Gießen auf Anfrage erklärte, sei die Zahl der Gewaltdelikte trotz einer teils hohen Belegung der Einrichtung konstant. Wenn sich Konflikte zwischen Bewohnern abzeichneten oder bekannt würden, dann trenne man die beiden Parteien, berichtet Sprecher Torsten Haas.

Ansonsten gibt es verschiedene Ansätze, um derartige Gewalttaten zu vermeiden. Ein Ansatz ist die Wertevermittlung in eigenen Veranstaltungen, bei denen insbesondere die Gewaltfreiheit in Deutschland thematisiert wird. Hinzu kommen „Deeskalationsveranstaltungen“ mit geschulten Mitarbeitern der Behörde.

Kommt es zu Gewalttaten wie jetzt in Neustadt, so gibt es für Zeugen, gleichgültig ob Bewohner oder Personal, Möglichkeiten zur Aufarbeitung des Geschehens, wie das RP erklärt. Für Bewohner gibt es die Landessozialarbeit, bei größerem Hilfsbedarf auch auswärtige Experten. Mitarbeiter können auf Psychologen zurückgreifen.

Stadt denktan Sicherheitsgefühl

Für die Stadt Neustadt bleibt auch aufgrund der Erstaufnahmeeinrichtung das Sicherheitsgefühl der Bürger ein großes Thema, wie Bürgermeister Thomas Groll (CDU) im Gespräch mit der OP erläuterte. Es käme in der Stadt immer wieder mal zu einzelnen Vorfällen, berichtet er. Die Stadt stehe derzeit wieder in engem Kontakt mit der Polizeidirektion Marburg. Ziel sei es, weiter nach Wegen zu suchen, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger erhöhten. Im Fokus stehen dabei für Groll weiterhin der Bürgerpark und der Bahnhof. Der „Schutzmann vor Ort“ sei für Neustadt ein großer Gewinn gewesen. „Aber wir haben mit Blick auf das Sicherheitsgefühl vor allem abends und in der Nacht noch Handlungsbedarf“, sagt Groll.

Von Michael Rinde