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Ostkreis 16.000 Bäume wachsen auf früherer Altlast
Landkreis Ostkreis 16.000 Bäume wachsen auf früherer Altlast
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11:57 11.10.2019
Der erste neue Baum ist gesetzt. Vertreter beteiligter Behörden, an der Spitze die Präsidentin des Bundesamtes für Infrastruktur, ­nahmen an der Zeremonie teil. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Bei Ulrike Hauröder-Strüning war das ein besonderer Termin in Stadtallendorf.

Sie ist Präsidentin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, einer zentralen Baubehörde der Bundeswehr.

Vor mehr als 30 Jahren war sie als Geologin in Stadtallendorf und überlegte, wie sich die Altlasten auf dem Bundeswehrgelände wirksam beseitigen lassen.

Die Rüstungsaltlasten stammen vom Werk der Westfälisch-Anhaltischen-Sprengstoff Aktiengesellschaft (Wasag). „Heute sind wir sicher, dass wir die Sanierung beherrschen“, sagte sie.

Alliierte sprengten Gießhäuser

Für ihre Behörde ist das Pilotprojekt, die Sanierung der Füllgruppe I, bis auf den allerletzten Schritt beendet. Der allerletzte Schritt ist die Wiederaufforstung. Rund 16.000 Bäume pflanzt ein Unternehmen unter der Aufsicht des Bundesforstes auf dem Gelände. Es hat einen Umfang von umgerechnet achteinhalb Fußballfeldern.

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen hatte die Sanierung im Auftrag des Bundes geplant und geleitet. Vier sogenannte Schmelz- und Gießhäuser sprengten die ­Alliierten nach dem Krieg auf der Fläche der Füllgruppe. Deren Überreste im Boden sind nun ebenso verschwunden wie alte Lagergebäude.

Sanierungskosten verdreifacht

Dabei gab es durchaus unliebsame Überraschungen. Zwar fand sich keine scharfe Munition. Dafür aber waren die alten Gebäude massiv mit polyaromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs genannt), einer Teerverbindung, belastet. Die Entsorgung dieser „PAKs“ schlug finanziell am Ende richtig zu Buche. Statt der einst mal kalkulierten rund 3 Millionen Euro zahlte der Bund etwa 8,6 Millionen Euro. Diese Zahlen nannte Projektleiter Michael Brandt vom Landesbetrieb.

Unterdessen läuft die Sanierung der Füllgruppe II, die zu einem Teil genau auf der geplanten Trasse der Autobahn 49 liegt. Die Sanierer sind sich inzwischen sicher, dass sie diese Arbeiten bis zum Jahresende abschließen werden. Dort arbeiten der Landesbetrieb und die Projektmanagementgesellschaft Deges zusammen. Deges bereitet unter anderem den Weiterbau der A49 vor. Weitere Flächen der alten Abfüllgruppe II saniert der LBIH.

Bund stellt 38 Millionen Euro bereit

Doch es ist auf dem Gebiet der Bundeswehr in Stadtallendorf noch weit mehr an Wasag-Altlasten zu sanieren: Im Umfeld der Standortschießanlage etwa oder an einzelnen Punkten beider Kasernen. Außerdem gibt es zwei weitere frühere Füllgruppen. Größter „Brocken“ dürfte der Standortübungsplatz sein, Kirtorfer Acker genannt. Dort gibt es auch noch Probleme mit Blindgängern. Der damalige Luftwaffen-Feldflugplatz wurde massiv bombardiert.

Insgesamt stellt der Bund für weitere Sanierungen und vorherige Erdungen rund 38 Millionen Euro bereit. Welche Liegenschaft als nächstes erkundet und saniert wird, soll in Absprache mit der Truppe vor Ort entschieden werden. Es deutet sich an, dass die Standortschießanlage und vor allem ihr unmittelbares Umfeld zunächst an die Reihe kommt. Die eigentliche Schießanlage hatte der Bund bereits modernisiert. Die Division Schnelle Kräfte (DSK) benötigt Übungsmöglichkeiten.

von Michael Rinde