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Ostkreis 16-Jährige auf Kirmes begrabscht
Landkreis Ostkreis 16-Jährige auf Kirmes begrabscht
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18:00 11.02.2020
(Symbolfoto) Ein 22-Jähriger ist zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, weil er bei ­einer Dorfkirmes eine 16-Jährige unsittlich berührte. Quelle: Thorsten Richter
Kirchhain

Die Anklage hatte dem Mann vorgeworfen, im Juli 2019 bei einer Dorfkirmes im Ostkreis eine damals 16-jährige unsittlich berührt zu haben.

Gleich dreimal soll der junge Mann in angetrunkenem Zustand und in kurzen zeitlichen Abständen seine weitläufige Verwandte einmal an den Hintern sowie zweimal im Intimbereich, wenn auch oberhalb der Bekleidung, angefasst haben.

Die beiden männlichen geladenen Zeugen, beide wohl Kumpels den Angeklagten, mussten erst an ihre Aussagen bei der offiziellen Vernehmung erinnert werden, um ihre Beobachtungen preis zu geben. Während der eine Zeuge gar nichts gesehen haben wollte, räumte der andere schließlich ein, die Hand des Angeklagten am Rücken abwärts wandernd, den Po der Geschädigten berührt zu haben.

Die Aussage der Geschädigten, die als Nebenklägerin auftrat, fand auf Antrag ihres Rechtsbeistands, wegen des noch jugendlichen Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Letztlich glaubte der Staatsanwalt den Ausführungen der Geschädigten und sah die sexuellen Übergriffe vom 16. Juli 2019 als erwiesen an. Er forderte eine achtmonatige Freiheitsstrafe, sowie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

„So nicht“, sagte Verteidiger Sascha Marks, dessen Mandant die Taten von der ersten Sekunde des Verfahrens an geleugnet hatte. Es gäbe keine Augenzeugen, somit auch keinerlei Beweise gegen seinen Mandanten. Es stünden Aussage gegen Aussage. Im Zweifel müsse also sein Mandant freigesprochen werden.

Am Ende der Plädoyers beteuerte der Angeklagte in einem letzten Wort, erneut seine Unschuld. Doch Richter Joachim Filmer ließ sich davon nicht beirren und fällte sein Urteil. Er erläuterte, dass es nicht die junge Frau gewesen sei, die Anzeige erstattet habe. Ihre Eltern hatten es ihr damals freigestellt Anzeige zu erstatten und sie habe darauf verzichtet. Erst eine anonyme Anzeige habe schließlich den Stein ins Rollen gebracht. So gesehen, dürfe man den Ausführungen der Geschädigten uneingeschränkt Vertrauen schenken, erklärte Richter Filmer.

Der Vorwurf einer weiteren Straftat, einen Einbruch begangen zu haben und dabei einen Schaden von 100 Euro verursacht zu haben, wurde nach Paragraph 154 der Strafprozessordnung frühzeitig eingestellt. Auch dort soll der Angeklagte betrunken gewesen sein. Das Urteil des Kirchhainer Amtsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

von Heinz-Dieter Henkel