Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Erster Mähdrescher war ein Spektakel
Landkreis Ostkreis Erster Mähdrescher war ein Spektakel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 21.11.2021
Mutter Anna (von links) mit ihren Söhnen Jürgen und Thomas Elmsheuser während der Ehrung.
Mutter Anna (von links) mit ihren Söhnen Jürgen und Thomas Elmsheuser während der Ehrung. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
Anzeige
Betziesdorf

Seit 150 Jahren besteht die Firma Elmsheuser in Betziesdorf. „Eigentlich sind die Ursprünge der Firma schon viel älter“, sagt Jürgen Elmsheuser, der gemeinsam mit seinem Bruder Thomas die Geschäftsführung der Elmsheuser GbR innehat. Schon 1648 sei die Firma nachweislich als Schmiedebetrieb geführt worden. Doch nachweislich dokumentiert sei die Firmengründung durch den Meisterbrief von Urgroßvater Wiegand Göttig im Jahr 1871 – seines Zeichens Schmiedemeister.

Und so atmet der Verkaufsraum des Unternehmens auch geradezu Geschichte. Denn obwohl er von modernsten Rasenmähern und Co. dominiert wird, gibt es doch beispielsweise Schaukästen mit Hufeisen an der Wand, „die Gesellenstücke waren“, sagt Elmsheuser.

Auch alte „Hauptbücher“, in die die Geschäftsvorgänge eingetragen wurden, sind zu sehen. „Zwei Eggenzinken, per Hand geschmiedet – 30 Pfennig“ ist dort etwa in einem Buch aus den Jahren 1911/1912 zu lesen. Solche Zinken gibt es heute noch – doch kosten sie 5,75 Euro und sind auch nicht mehr handgeschmiedet.

„Damals wurde die Ware jedoch nicht gleich bezahlt“, sagt Thomas Elmsheuser. Vielmehr wurde eine Jahresrechnung erstellt – „und dann musste der Schmied manchmal ein oder zwei Jahre warten, dass er auch sein Geld bekam“, sagt Mutter Anna Elmsheuser lachend. Das habe aber gut geklappt, sodass die Brüder das Unternehmen mittlerweile führen.

Thomas aktiv und im Tagesgeschäft, Jürgen unterstützend, denn er hat noch einen Vollzeitjob. Und im Hintergrund ist weiterhin Mutter Anna aktiv – „sie bekommt immer noch alle Rechnungen, die sie für sich in ein Rechnungsbuch einträgt. Sie hat weiter den Überblick.“

Und sie hatte auch einige Erinnerungen, die sie anlässlich des 150-jährigen Jubiläums vortrug.

Keine Schmiedekohle, keine Arbeiter

„Zurückerinnern kann ich mich bis in die Kriegsjahre“, sagt „Schmidts Anna“, denn „Schmidts“ ist der Hofname der Familie in Betziesdorf. Es sei eine schwere Zeit für ihre Mutter und Oma gewesen, „denn Opa starb und Papa war im Krieg“. Das Geschäft zu erhalten – erklärtes Ziel der Familie –, sei nicht leicht gewesen, „denn es gab keine Schmiedekohle und keine Arbeiter“. Ihre Mutter habe das Geschäft „am Ende ihrer Kräfte schließen“ wollen – doch kam Hilfe in Gestalt eines Schmieds aus Ostpreußen, „der Arbeit suchte – unser Franz. Er versprach zu bleiben, bis Papa zurückkam – und er hat sein Wort gehalten.“ 1948 sei ihr Vater, Georg Hamel, heimgekehrt. Zwar sei viel zerstört gewesen, „aber der Arbeitsplatz war da, und an Arbeit hat es nicht gefehlt“.

Auch ihren zukünftigen Mann Willi lernte Anna durch den Familienbetrieb kennen, denn er habe dort seine Ausbildung absolviert. Nach der Lehre sei er nach Lollar gegangen, „sehr viel später kam dann die Liebe“ – und ins elterliche Unternehmen zog die Landmaschinentechnik mit großen Schleppern und Maschinen ein. 1970 übernahmen Anna und Willi Elmsheuser den Betrieb. Ihr Mann sei 2012 verstorben, Sohn Thomas jedoch bereits 2010 voll ins Geschäft eingestiegen. „Zuverlässig, ehrlich und dankbar – das war immer unser Grundsatz“, sagt sie. Und daher bedanke sie sich bei den unzähligen Kunden und habe voller Stolz in 2018 die Führung komplett an die fünfte Generation übergeben.

Und der Weg von den großen Landmaschinen zu kleineren Geräten habe sich seit Mitte der 80er-Jahre langsam vollzogen. Denn die Landwirtschaft habe sich gewandelt. Thomas Elmsheuser sagt: „1985 haben wir mit Rasenmähern angefangen, sind mittlerweile im Umkreis von 35 Kilometern tätig.“ Sein Bruder erinnert sich noch: „Wir haben für 3 000 D-Mark Rasenmäher gekauft – da ist die Mama beinahe verrückt geworden“, sagt er lachend.

Kutschfahrt als Dank für die schnelle Hilfe

Man habe nicht nur Privatpersonen als Kunden, sondern auch Lohnunternehmen, Kommunen und Großlandwirte, „die wir täglich mit Ersatzteilen beliefern. Was abends bis 18 Uhr bestellt wird, ist morgens bis 5 Uhr da“, so Thomas Elmsheuser. „Neulich ging einem Kunden die Rundballenpresse kaputt – er rief abends an, ein Kugellager war kaputt“, erinnert sich Thomas Elmsheuser. Er besorgte das Ersatzteil, fuhr zum Kunden, baute es ein – „und abends um halb elf lief die Maschine wieder“. Zwei Wochen später habe sich der Kunde ganz besonders bedankt – „er hat uns eine Kutschfahrt für die gesamte Firma geschenkt“. Diese Kundenbeziehungen seien es, die man seit Jahrzehnten pflege.

Von Andreas Schmidt