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Ostkreis 13 Gemeinden auf einem gemeinsamen Weg
Landkreis Ostkreis 13 Gemeinden auf einem gemeinsamen Weg
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07:42 20.01.2020
Sie bilden die gemeinsame Steuerungsgruppe auf dem Weg zur Pfarrei. Quelle: Michael Rinde
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Ostkreis

Sie sind unterschiedlich groß und haben unterschiedliche Historien. Künftig sind die 13 katholischen Kirchengemeinden eine gemeinsame Pfarrei. Aus den selbstständigen Gemeinden werden Kirchorte, die dann zur Pfarrei „St. Bonifatius, Amöneburger Land“ gehören werden. Den Namen haben Gemeindemitglieder in einer Abstimmung selbst gewählt. „Und die Resonanz war sehr gut“, freut sich Mario Fritsch aus der Gemeinde in Erfurtshausen.

Fritsch ist eines der Mitglieder der Steuerungsgruppe, die den Weg planen und ausgestalten. Jede Gemeinde ist vertreten, außerdem die hauptamtlichen Seelsorger, ein Vertreter des Bistums Fulda ist Teil der Gruppe und ein vom Bistum finanzierter Gemeindeberater. Am Donnerstagabend (16. Januar) tagte die Steuerungsgruppe in Kirchhain im Pfarrsaal. Mit dabei war dieses Mal Ordinariatsrat Thomas Renze vom Bistum.Dort ist er Seelsorgeamtsleiter. „Wir finden es sehr gut, was hier geschieht“, fasst er zusammen. Die Experten „für vor Ort“ säßen eben vor Ort.

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Mitglieder der Steuerungsgruppe machten deutlich, dass sie seinerzeit nicht warten wollten, bis es zu einer Gemeindefusion unter Druck kommen könnte. Schließlich stehen am Ende des vom Bistum angestoßenen pastoralen Prozesses größere Pfarreien. „Wir wollten gemeinsam losgehen und selbst gestalten“, heißt es aus der Runde im Pfarrsaal.

Viele grundlegende Entscheidungen sind neben dem Namen inzwischen gefallen. So ist klar, dass die Stiftskirche Amöneburg Pfarrkirche wird. Klar ist auch, dass das zentrale Pfarrsekretariat in Amöneburg angesiedelt wird. Dazu wird das ehemalige Pfarrhaus umgebaut, es gibt einen Bistumszuschuss. 

Dabei bleiben in allen künftigen Kirchorten Kontaktstellen, an denen Gläubige persönliche Dinge regeln können. Auch dabei kann es neue Wege geben: „Die Sprechstunde könnte zum Beispiel auch mal beim gemeinsamen Mittagstisch im früheren Mardorfer Schwesternhaus sein“, sagt Pfarrer Marcus Vogler. Er soll der leitende Pfarrer der Pfarrei St. Bonifatius, Amöneburger Land werden, was das Bistum noch bestätigen muss. 

Schlanke Struktur, mehr Seelsorge

Was bringt die Zusammenlegung? Pfarrer Vogler sieht sie ebenso wie Mitglieder der Steuerungsgruppe als Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel. Die Zahl der Gläubigen sinkt, ebenso die Zahl der Priesteramtskandidaten. Aktuell hat die geplante neue Pfarrei rund 8.500 Gläubige. Himmelsberg wäre kleinster Kirchort mit 112 Mitgliedern, Kirchhain mit etwa 2.000 der wohl größte.

Pfarrer Vogler sieht die große Chance, dass sich die Seelsorger in der Pfarrei künftig wieder viel mehr auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können: eben die Seelsorge. So soll es einen Verwaltungsleiter für die kirchlichen Kindergärten geben. Die Mehrfachstrukturen verschwinden, werden auf eine gemeinsame reduziert. Aktuell sind die Pfarrer Verwaltungsratschefs in mehreren Gemeinden gleichzeitig und damit überall auch formal in der Pflicht. 

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe sind sich aber auch der Tatsache bewusst, dass nicht alle Gläubigen den Weg frei von Sorgen und Bedenken mitgehen. „Und das müssen wir unbedingt ernst nehmen und berücksichtigen“, sagt Mario Fritsch aus Erfurtshausen.

Startdatum noch offen

Noch bleibt auch Zeit, viele weitere Schritte auf dem Weg zur Pfarrei gemeinsam zu gehen. Es gibt noch kein Datum, zu dem die Pfarreiwerdung amtlich werden soll. Im Gespräch ist der 1. Januar 2022.

Der Angst, dass es in einzelnen Kirchorten künftig weniger Angebote, insbesondere Messen, geben könnte, treten Mitglieder der Steuerungsgruppe entgegen. „Beten können wir auch ohne Pfarrer“, sagt jemand spontan und schildert, wie gut in ihrem Kirchort die meditativen Andachten ankommen.

Am Ende soll das Angebot für die Gläubigen breiter werden. Aber eben nicht nur in ihrem Kirchort. Die Steuerungsgruppe denkt ganz praktisch und macht sich bereits Gedanken darum, wie zum Beispiel ältere Gemeindemitglieder in einen anderen Kirchort gelangen könnten.

Im Gespräch mit der OP verdeutlicht Pfarrer Vogler noch einen grundlegenden Gedanken bei der Pfarreiwerdung. „Das kirchliche Leben wird entscheidend von den Menschen vor Ort gestaltet.“ Er sieht die Pfarrer dabei in der Rolle von Begleitern, die zu fragen hätten, wie sie den Menschen vor Ort auf ihrem Wege helfen könnten.

Aktuell hat sich eine weitere Arbeitsgruppe gebildet, die sich um die Finanzen der Pfarrei kümmert. Weitere Projektgruppen, etwa zur Öffentlichkeits-, Jugend- und Seniorenarbeit, folgen im nächsten Schritt. Bei diesen Projektgruppen sind dann interessierte Gemeindemitglieder eingeladen.

von Michael Rinde

Hintergrund

Der jetzige Pastoralverbund St. Bonifatius besteht seit 2006. Diese 13 Gemeinden aus dem Pastoralverbund werden eine Pfarrei: Amöneburg, Anzefahr, Bauerbach, Erfurtshausen, Ginseldorf, Himmelsberg, Kirchhain, Mardorf, Roßdorf, Rüdigheim, Schröck, Sindersfeld und Stausebach. Nach derzeitigem Stand werden die Pfarrer Marcus Vogler, Pfarrer Andreas Schött, Pater ­Josua Wojciak und Pater Erhard Olwert die Seelsorge in den verschiedenen Kirch­orten geben. Hinzu kommen die drei ständigen Diakone Dr. Paul Lang, Wilfried Jockel und Gerhard Jungmann. Geplant ist auch eine Stelle für eine zweite Gemeindereferentin. Eine solche Fusion hat es zuletzt in den katholischen Kirchengemeinden in Stadtallendorf gegeben. Dort ist die Gemeinde „Heilig Geist“ entstanden.