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Ostkreis Zur Krippe her kommet!
Landkreis Ostkreis Zur Krippe her kommet!
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15:00 24.12.2020
Alfred Feußner hat die fast 100 Jahre alte Krippe gemeinsam mit einigen Mitbürgern überarbeitet und an der Kirche aufgestellt.
Alfred Feußner hat die fast 100 Jahre alte Krippe gemeinsam mit einigen Mitbürgern überarbeitet und an der Kirche aufgestellt. Quelle: Florian Lerchbacher
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Himmelsberg

Sie ist fast 100 Jahre alt, schlummerte jahrzehntelang zwischen Staub und Taubenkot im Himmelsberger Kirchturm und die einzigen, die sie zu Gesicht bekamen, waren die Mäuse, die an der zur Lagerung auserwählten Pappkiste knabberten. Doch nun hat die historische Krippe einen würdigen Platz gefunden: in einem schützenden, von Alfred Feußner gezimmerten, wunderbar beleuchteten Ausstellungskasten, auf einem ehemaligen Altarstein vor dem Gotteshaus, in unmittelbarer Nähe zur geliebten Dorflinde der Himmelsberger.

Alte Krippe restauriert

Im Jahr 1928 hatte die Kirchengemeinde die Krippe für 130 Mark angeschafft. Viele Jahre stand sie in der Weihnachtszeit an prominenter Stelle im Gotteshaus, doch dann kam es, wie es kommen musste: Die Himmelsberger schafften eine neue Krippe an – und die alte verschwand in einer Kiste und dann im Kirchturm. Als im Jahr 2003 die Renovierung des Dachs anstand, fiel das gute Stück dem damaligen Ortsvorsteher Alfred Feußner in die Hände, der den damaligen Zustand als „sehr verwahrlost“ beschreibt. Er stellte sie zwar für eine Ausstellung in Oberrosphe zur Verfügung, doch kaputt wie sie war, wurde sie anschließend im alten Gemeinschaftshaus verstaut. Und war dann erstmal verschwunden, wie sich während der Renovierung des Gebäudes herausstellte. Eine schnelle Recherche später zeigte sich, dass Willibald Preis sie aus Angst, dass sie wirklich wegkommen könnte, gesichert hatte. Er wiederum sammelte einige Informationen zusammen und stellte die Krippe Feußner zur Verfügung, der sich daran machte, die historischen Figuren wieder zum Leben zu erwecken: Einem Schäfer fehlte eine Hand, einem Esel das Ohr, dem Engel die Flügel – der einstige Ortsvorsteher machte sich daher daran, so viel wie möglich an den Gipsfiguren zu reparieren. Das Pferd allerdings muss weiter mit der Stille leben: Ihm verpasste Feußner keine neuen Ohren: „Ich möchte damit an den Zustand erinnern, in dem sich die Figuren befanden.“ Dafür bekamen alle Figuren neue Anstriche.

Acht Himmelsberger halfen bei Projekt

Acht Himmelsberger halfen ihm bei dem Projekt, allen voran Willibald Preis, der eine kleine Infotafel zum neuen Ausstellungsstück gestaltete – die noch dazu kleine Details enthält, die Besonderheiten darstellen: Ein Pferd gehört üblicherweise nicht zur Stammbesetzung einer Krippe. Außerdem fand Feußner gleich zwei Kamele bei dem Schatz, den er zurück an die Öffentlichkeit zog. Nur eins steht draußen vor der Kirche – das andere hat er der Krippe in dem Gotteshaus zugeführt. Der Stall ist übrigens ein Vogelhäuschen, mit dem seine Kinder früher gerne spielten. Neben dem Stall steht noch dazu ein kleiner Holzstapel, der daran erinnern soll, dass die Kirche Anteile am Himmelsberger Interessentenwald hält. Ein Stern fehlt indes – dafür leuchtet einer über der Kiste, in der die Krippe auf Besucher wartet. „Die Menschen sind begeistert“, freut sich der Himmelsberger über die positiven Rückmeldungen, die er bekommt.

Bis Maria Lichtmess, also dem Ende der Weihnachtszeit am 2. Februar 2021, soll die Krippe stehen bleiben. „Die Menschen haben doch das Wandern wieder entdeckt – vielleicht ist die Krippe ja ein Ausflugsziel für einen der Weihnachtsfeiertage“, sagt Feußner. Besonders gut kommt seine kleine Attraktion übrigens zur Geltung, wenn es dunkel ist. Und keine Sorge, dass Sie nichts sehen: Die Miniausstellung ist an die Straßenbeleuchtung gekoppelt.

von Florian Lerchbacher