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Ostkreis Imker feiern sich und ihre Bienen
Landkreis Ostkreis Imker feiern sich und ihre Bienen
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17:58 09.04.2019
Imker kamen in der Stadthalle schnell zu Fachgesprächen zusammen. Quelle: Klaus Böttcher
Kirchhain

Das Motto prangte in bunten Farben von dem Jubiläumsflyer, der Festschrift und dem großen Vereinsbanner. Bunt verlief der Jubiläumstag in der Stadthalle, bei dem sich selbstverständlich alles um die Bienen und die Imkerei drehte. Beim Gang in die Stadthalle empfing die Besucher schon auf dem Vorplatz ein Blumenmeer einer ortsansässigen Gärtnerei und ein Stand mit den Blumensamen für Blühwiesen, wir berichteten über die 3 500 Samentütchen. Im Foyer gab es einige interessante Informationsstände.

Der Imker Joachim Schönig zeigte „Bienenwohnungen gestern und heute“. Das begann mit dem etwa 100 Jahre alten Lüneburger Stülper, der dem hohlen Baumstamm nachempfunden war, ging über die Entwicklung der Bienenkästen bis hin zu den modernen Steuben, so nennt der Imker die „Kästen“. Der alte Stülper wurde aus Stroh, Lehm und Kuhmist gebaut. „Den Bienen ist es egal, wo sie wohnen, die Wohnungen werden nur für den Imker praktischer gemacht“, erklärte Schönig.

Der Imkerverein Kirchhain und Umgebung ist 100 Jahre alt. Das wurde am Samstag unter dem Motto „Bienen.Natur.Mensch.“ in der Stadthale gebührend gefeiert.

An seinem Stand war eine Ahnentafel der Bienenköniginnen des Kirchhainer Imkers Nicolai Petersen, der früher Angestellter beim Bieneninstitut war, zu bewundern. Penibel genau sind alle möglichen Daten seit 1963 festgehalten. Schönig erklärte die Leistungssteigerung des Honigertrags. Erntete man in den 1960er Jahren etwa 18 Kilogramm Honig pro Volk, so sind es heute 55 Kilogramm.
Gezeigt und zum Verkauf angeboten wurde den Besuchern alles aus dem Bereich der Imkerei unter dem Motto „Alles für die Bienen und alles von den Bienen“. So wurden viele Waren aus Wachs angeboten oder eine die Arbeit erleichternde Neuerung vorgeführt: Ein Hebe- und Transportgerät für Bienenkästen.

Zu beobachten gab es ein Bienenvolk unter Glas oder die Biene unter dem Mikroskop. Das war besonders für den Nachwuchs interessant, wie auch der Stand der Bienen-AG des Stadtallendorfer Jugendzentrums. Dort wurde an den Waben oder Kästen gebastelt. Außerdem gab es viele Informationstafeln und Imker, die gerne über ihr Hobby Auskunft gaben. So ganz nebenbei erfuhr man durch ein Plakat, dass der heute 182 Mitglieder zählende Verein den ersten Platz beim Hessischen Nachwuchswettbewerb erreicht hat. Die hohe Mitgliederzahl und der Preis sind nicht zuletzt ein Erfolg des seit Jahren angebotenen „Imkern auf Probe“.

Informationen aus erster Hand

Informationen für die Besucher boten weiterhin Vorträge und Filme. So referierte die Ernährungsberaterin Frauke Maria Schönig über den Honig, der Bienenfachberater Christian Dreher über Bienenwachs und ein Film zeigte das „Wunderland der Bienen“. Alle Vorträge waren mit bis zu 50 Zuhörern gut besucht. Den ganzen Nachmittag war im Foyer ein Kommen und Gehen zu beobachten. Sehr viele Besucher genossen eine Ruhepause oder Fachgespräche in dem eingerichteten Café und genossen den Kuchen. Passend zum Thema gab es unter anderem auch Bienenstich.

Bei dem offiziellen Teil war der kleine Saal der Stadthalle sehr gut gefüllt. Zahlreiche hochkarätige Besucher begrüßte der Vereinsvorsitzende Werner Gemmecker. So die Bürgermeister oder ersten Beigeordneten der Nachbarstädte und Gemeinden, den Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ulrich, den Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger und aus dem Bereich der Imkerei den Präsidenten des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske, den Vorsitzenden des Landesverbandes Hessischer Imker Manfred Ritz, die hessische Bienenkönigin Larissa I. und den Leiter des in Kirchhain beheimateten Hessischen Bieneninstitutes, Dr. Ralph Büchler.

In den vielen Grußworten stand die Wichtigkeit der Nutztiere Bienen ebenso im Vordergrund wie die Geschichte des 100 Jahre alten Vereins, der eine Vorbildfunktion in Hessen einnimmt. Das letzte Grußwort gehörte der Schirmherrin, der Landrätin Kirsten Fründt. Vor drei Jahren hat ihr Mann beim Imkerverein einen Schnupperkurs mitgemacht. „Ich habe ihm gesagt, geh doch mal dahin, jetzt haben wir drei Völker im Garten.“ Auf Gemmeckers Frage, ob sie sich jetzt auch mit der Imkerei befasse, antwortete sie: „Ich esse Honig, den Rest macht mein Mann.“

Werner Gemmecker ging kurz auf die Geschichte des Vereins ein, die am 16. März 1919 mit 36 Gründungsmitgliedern begann. Heute seien es 182 Mitglieder, davon 46 Frauen. Die Vereinsmitglieder betreuen 1 600 Bienenvölker, mit 40 000 bis 50 000 Bienen pro Volk.

Otto Boland und Heinrich Korn, zwei erfahrene Imker, demonstrierten mit einem Sketch, wie sich zwei Imker zur Gründungsversammlung verabredeten, die im Kirchhainer Bahnhofshotel stattfand.

Buntes Programm mit Musik und Tanz

Die Feier wurde umrahmt vom Tanz der kleinen Bienen und Marienkäfer der Stadtallendorfer Ballettschule Enjoy und dem Frauenchor „Chorage“ aus Großseelheim, der unter anderem auch ein Bienenlied vortrug.

Den Abschluss, bevor es zum gemütlichen Teil überging, bildete ein wissenschaftlicher Vortrag von Professor Randolf Menzel, der Zoologe, Neurobiologe und Bienenexperte ist.

Sein Thema lautete „Das Bestäubungsgeschäft verlangt Intelligenz“. Von dieser Intelligenz der Bienen erzählte er in verständlicher Weise, die er durch viele Versuche gewonnen hatte. Der Experte stieg so weit in die Materie ein, dass selbst manche Imker höllisch aufpassen mussten, um ihm folgen zu können.

von Klaus Böttcher