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Nordkreis Zeitdruck bestimmt Kita-Pläne
Landkreis Nordkreis Zeitdruck bestimmt Kita-Pläne
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19:00 24.06.2021
Die Wetteraner Kita „Zwergenland“ in der Amönauer Straße.
Die Wetteraner Kita „Zwergenland“ in der Amönauer Straße. Quelle: Ina Tannert
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Wetter

Die Stadt Wetter hat ein deutliches Defizit, nicht nur was die Finanzlage angeht, sondern auch bei den Betreuungsplätzen für Kita-Kinder. Wie Letzteres schnellstmöglich behoben werden kann ohne Ersteres allzu sehr zu vertiefen, spaltet die politische Ebene und sorgt für Debatten. Heute Abend befasst sich die Stadtverordnetenversammlung bei einer Sondersitzung mit dem Thema. Am Dienstag tagten dazu bereits der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) sowie der Ausschuss für Jugend, Sport, Kultur, Soziales und Fremdenverkehr (JSK) in einer gemeinsamen Sitzung.

In Abwesenheit des erkrankten Bürgermeisters stellten sich mehrere Mitarbeiter der Verwaltung den Fragen der Ausschussmitglieder, die dabei mit einer umfassenden, sehr detaillierten Beschlussvorlage arbeiten konnten, die das Problem – plus weitere – aufschlüsselt.

Es geht bekanntermaßen um die Auslagerung der Kita in der Amönauer Straße, die – ursprünglich – während der Umbauarbeiten mit zwei Gruppen in eine Kita in Modulbauweise auf dem Festplatz umziehen sollte. Dazu müssten im noch nicht genehmigten Haushalt Mittel (180 000 Euro sind vorgesehen) zur Anmietung vom Parlament freigegeben werden, der Posten ist jedoch mit einem Sperrvermerk versehen. Dennoch hatte die Stadt bereits die Ausschreibung für die Anmietung und Aufstellung der Module durchgeführt (die OP berichtete).

Ein Problem kommt dazu: Es gibt in Wetter einen erhöhten Bedarf an 18 Kita-Plätzen, der sich bis zum Ende des Jahres um weitere 20 Plätze erhöhen wird.

Der Magistrat legte nun einen neuen Vorschlag vor, der über den bisherigen hinausgeht. Die neuen Pläne beziehen sich nicht mehr auf den Aufbau von nur zwei Gruppen, sondern auf vier. Der Festplatz als Standort für zwei Jahre bleibt. Die Kita zu splitten schließt der Magistrat aus, vor allem nach einer Überprüfung der Bauaufsicht Ende Mai: Dort wurden weitere „bauliche und organisatorische Mängel festgestellt, die „zeitnah“ abzustellen sind“. Benannt wird etwa der Brandschutz, die Baumaßnahmen bei laufendem Betrieb sowie gestiegene Baupreise oder zusätzliches Personal für dann zwei Standorte. Kosten werden nicht genannt, diese seien „derzeit nicht bezifferbar“.

Der Magistrat komme zu dem Schluss, dass sich die anfängliche Idee finanziell, personell wie aus pädagogischer Sicht nicht lohne, zudem Gruppen verkleinert und Betreuungszeiten verkürzt werden müssten. Stattdessen würde die neue Variante eine Auslagerung der zwei Gruppen und auch den zusätzlich bestehenden Bedarf abdecken – „und gleichzeitig eine gemeinsame Betreuung aller Kita-Gruppen der Kernstadt Wetter an einem Standort ermöglichen“, heißt es in der Vorlage. Das würde die Anmietung von Modulen für alle Gruppen beinhalten, für 24 Monate Nutzungszeit kämen so laut Stadt Kosten von 630000 Euro für den vollständigen Betrieb zusammen.

Möglicher Kita-Neubauwird Thema

An verschiedener Stelle wird in der Vorlage zudem auf die Mängel des bisherigen Kita-Gebäudes verwiesen: „Selbst wenn die Mängel abgestellt sind, ist das Gebäude immer noch auf einem Stand, der dem Betrieb einer Kita in der heutigen Zeit nicht gerecht wird“, heißt es in der Begründung.

Das klingt nach Neubau-Plänen und die gibt es seitens der Stadt auch, zumindest erste Zahlenspiele. Vertreter des Bauamts nahmen dazu auf Nachfrage der Ausschussmitglieder Bezug. Angesichts der aktuellen Marktlage kann es dabei in jeder Hinsicht aber nur sehr grobe Schätzungen geben, stellten die Verwaltungsmitarbeiter klar. Zum jetzigen Zeitpunkt würde die Sanierung des bestehenden Kita-Baus demnach rund 806 000 Euro kosten. Ein Anbau für zwei Kita-Gruppen würde wohl mit 960 000 Euro zu Buche schlagen. Insgesamt also 1,76 Millionen Euro.

Als Alternative könnte aber prinzipiell auch ein Kita-Neubau entstehen, der grob geschätzt rund 1,5 Millionen Euro kosten würde. Wobei in diesem Zahlenbeispiel der Bestandsbau nicht als Kita genutzt wird, dafür eventuell als Raum für die Jugendarbeit an zentraler Stelle.

Derzeit geht es jedoch erstmal um die Kita-Auslagerung. Im Ausschuss herrschen zu dem Vorhaben geteilte Meinungen, einige Parlamentarier sahen sich angesichts des hohen Zeitdrucks überrumpelt –der Auftrag müsste bis zum 30. Juni vergeben werden. Mit einem pünktlichen Kita-Start im August ist dennoch nicht mehr zu rechnen. Zudem herrscht nun Unklarheit darüber, was überhaupt aus der alten Kita wird. Es sei ein wichtiges Thema, aber auch eine schwere Entscheidung, die „in kürzester Zeit“ zu treffen sei, ohne einen längerfristigen Finanzplan einbeziehen zu können, „jetzt stehen wir vor der Wand“, kritisierte etwa Sabine Matzen (Grüne). Unter diesen Voraussetzungen könne man dem nicht zustimmen.

Absage für Umkehr zumalten Zwei-Gruppen-Plan

SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Althaus riet dagegen zu einer schnellen Entscheidung und sprach sich für die Vorlage aus – wie und ob danach nun saniert oder gebaut wird, müsse später entschieden werden. Andere Mitglieder hätten lieber mehr Wahlmöglichkeiten gehabt, etwa die Zwei-Gruppen-Variante, die aber durch die bereits durchgeführte Ausschreibung bereits passé ist, wie Volker Drothler (CDU) bemängelte.

Eine Umkehr zum alten Zwei-Gruppen-Plan würde ein neues Vergabeverfahren nach sich ziehen, die Stadt sich gegenüber den jetzigen Anbietern zudem rechtlich angreifbar machen. Das will niemand, es baue jedoch zwangsläufig Druck auf.

Der Beschlussvorschlag wurde am Ende von beiden Ausschüssen abgestimmt: Im HFA mit fünf Ja-Stimmen und bei fünf Enthaltungen; im JSK bei Fünf Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

Die Stadtverordnetenversammlung tagt heute ab 20 Uhr in der Stadthalle Wetter.

Von Ina Tannert

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