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Nordkreis Schule hält an Austausch fest
Landkreis Nordkreis Schule hält an Austausch fest
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18:00 30.01.2020
Die Flaggen von Deutschland und Großbritannien. Mehrere Schulen im Landkreis pflegen über Austauschprogramme engen Kontakt zu ihren englischen Partnerschulen. Nach dem Brexit müssen sie sich auf neue Einreiseregeln einstellen. Quelle: Monika Skolimowska
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Wetter

Am Freitag will Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Bis Ende 2020 gilt zwar noch eine Übergangsfrist und es verändert sich zwischen EU und England vorerst wenig, doch herrscht Unsicherheit in vielen Bereichen. Darunter auch an hessischen Schulen, von denen ­viele seit langer Zeit Schulpartner­schaften nach Großbritannien oder Nordirland pflegen.

Zwischen 2016 und 2018 nahmen laut des hessischen Kultusministeriums 3 772 ­Schüler aus Hessen an den erfassten Austauschfahrten nach England und Nordirland teil. Wie sich der bevorstehende Brexit auf diese Tradition letztlich auswirkt – darüber könne im Moment nur spekuliert werden, teilt das Ministerium mit.

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Zu neuen Hürden könnten etwa strengere Regeln bei der Einreise werden, eine visumfreie Reise nach Großbritannien dürfte wegfallen. Schüleraustausch- und Klassenfahrten müssten dann früher geplant werden. Schulen rechnen bereits mit veränderten Bedingungen und einen Mehraufwand bei der Planung, tatsächlich darauf einstellen können sie sich noch nicht.

Nächster Austausch im November

So ergeht es auch der Wollenbergschule in Wetter, die neben Studienfahrten seit rund 35 Jahren einen regen Austausch mit der britischen Partnerschule, der „Anthony-Gell-School“ in Wirksworth, pflegt. Über den Brexit freue man sich daher erst recht nicht, erzählt die kommissarische Schulleiterin der Wollenbergschule, Raya Schmidt.

"Wir bedauern es, dass sich die Briten so entscheiden haben, müssen jetzt aber damit leben.“ Der nächste Schüleraustausch findet im November 2020 statt – die deutschen Schüler besuchen die Kollegen in Wirksworth.

Wie es danach weiter geht, werde sich zeigen. Wirklich planbar seien die ­kommenden Jahre noch nicht, „wir müssen jetzt einfach abwarten, wie die Verträge zwischen EU und Großbritannien ausfallen und schauen, welche Modalitäten es dann gibt“, sagt Schmidt.

Umgang mit Visa ist nicht neu

Von der Partnerschaft verab­schieden wolle sich die ­Schule aber nicht: „Der Austausch hat eine lange Tradition und immer sehr gut funktioniert, daran halten wir natürlich fest“, betont Schmidt. Generell gehe sie nicht davon aus, dass der Austausch zwischen deutschen und britischen Schulen übermäßig erschwert werde, „wir haben ja keinen Warentransfer, für die Wirtschaft ist der Brexit ein größeres Thema.“

Sie blickt daher gelassen auf künftige Neuregelungen, wie etwa die Beschaffung von Visa für die Einreise der Schüler. Damit habe die Schule bereits viel Erfahrung, „wir haben ja auch ein Austauschprogramm mit Russland, da brauchen wir auch ­Visa, das schreckt uns nicht“, sagt Schmidt.
Betroffen sind laut Kultusministerium indes nicht nur Schüler: Seit Jahren besteht auch ein ­Hospitationsprogramm 
für hessische Lehrkräfte im ­Vereinigten Königreich. Von 2016 bis 2018 hospitierten 
16 hessische Pädagogen an ­britischen Schulen. Ob das ­Programm nach dem Brexit ­bestehen bleibt, das stehe noch nicht fest.

von Ina Tannert