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Nordkreis Das „Kuriosum“ von Sarnau
Landkreis Nordkreis Das „Kuriosum“ von Sarnau
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15:52 27.07.2021
Das letzte Stück der Rosenstraße in Sarnau endet noch vor dem Wohnhaus von Reiner Grebing.
Das letzte Stück der Rosenstraße in Sarnau endet noch vor dem Wohnhaus von Reiner Grebing. Quelle: Fotos: Ina Tannert
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Sarnau

Wenn Reiner Grebing mit dem Auto nach Hause kommt, dann ist das stellenweise eine ruckelige Angelegenheit. Will er seine Einfahrt erreichen, muss er über eine verdichtete Schotterfläche entlang seines Hauses in der Rosenstraße in Sarnau. Es knirscht unter den Reifen, etwa ein halbes Dutzend Schlaglöcher bilden sich immer wieder, lose Steine liegen herum, bei Regen entstehen Pfützen, bei Trockenheit Staubwolken. „Schön ist das nicht und das geht seit über 40 Jahren so, ein Kuriosum“, sagt der 72-Jähriger und schüttelt den Kopf.

Anders kennt er es gar nicht, die Straße wurde nie weiter ausgebaut. Zudem gibt es nur wenige Meter in Richtung Felder einen Wendehammer, der einst für die Feuerwehr gebaut wurde. Zwischen dem und dem Straßenende klafft eine Lücke, je nach Wetter eine Kraterlandschaft, genau daneben steht das Haus von Reiner Grebing.

Kein geteerter Endausbau

Das geht nun so seit er mit seiner Ehefrau Anfang der 70er Jahre das Haus baute. 1973 zog das Paar ein, da war die Rosenstraße bis etwa zu ihrer Grundstücksgrenze ausgebaut. Sie zahlten auch Anliegergebühren, dachten eigentlich, dass die Straße mit dem Abschluss des damaligen Neubaugebietes irgendwann endausgebaut und geteert wird. Das ist nicht geschehen. In den 90er Jahren, als die Feuerwehr noch beim Dorfgemeinschaftshaus nebenan angesiedelt war, folgte auch der Bau des Wendehammers aus Rasengittersteinen, die Lücke aus Schotter und Split dazwischen blieb.

Jahre später kamen dann ein paar Parkplätze auf der anderen Straßenseite dazu, wo ein Stück Gemeindeland liegt. Um die zu erreichen, folgten gegenüber etwa zehn Meter Asphaltweg, dann sei wieder Schluss gewesen, „direkt vor dem Haus blieb es beim Feldweg und der ist in einem schlechten Zustand“, sagt Grebing, der nicht verstehen kann, dass spätestens beim Bau von Wendehammer oder Stellfläche nicht die Gelegenheit ergriffen wurde, auch die Straße auszubauen.

Zumal bei Veranstaltungen im Bürgerhaus oder in der Kirche die Besucher in der Rosenstraße parken, der Zustand des Weges sei bekannt und „keine Reklame“ für den Ort oder die Gemeinde.

Er habe schon mehrfach darauf hingewiesen, bisher ohne Erfolg. Vor gut 20 Jahren habe die Gemeinde ihm dann doch ein Angebot für den Endausbau gemacht. Sein Anteil als einer der betroffenen Anlieger sollte rund 40 000 Euro betragen, so Grebing. Das lehnte er ab, er hatte ja bereits Anliegergebühren bezahlt. Und die Summe halte er für zu hoch, „das sind doch nur ein paar Meter Straße, das muss doch keine zig tausende Euro kosten“, ärgert er sich.

Die Nachbarn füllten für ihn schon mehrfach die Schlaglöcher auf, nur kommen die immer wieder, „in ein paar Tagen ist der Schotter wieder weg“. Die Straße vor seinem Grund und Boden werde „seit Jahrzehnten einfach ignoriert“.

Akten bringen keine Klarheit

Die Gemeinde verweist auf OP-Anfrage auf die gesetzlichen Regelungen: Wie Bürgermeister Manfred Apell mitteilt, ist indes wohl nicht ganz klar, warum die Straße seit Jahrzehnten vor dem Wohnhaus endet. „Wenn eine Straße zum ersten mal ausgebaut wird, gilt auch nach heutigem und damaligen Erschließungsbeitragsrecht, dass die von diesem Ausbau profitierenden Anwohner zu den Kosten der Ersterschließung herangezogen werden müssen.“ Dies für 90 Prozent der Kosten, die der Kommune entstehen. Das Ganze war allerdings vor Apells Amtszeit: „Warum die Straße vor meinem Dienstantritt nicht weiter ausgebaut wurde, ist mir nicht bekannt und nicht aus den Akten ersichtlich. Es könnte daran liegen, dass die restliche Rosenstraße schon vorher ausgebaut wurde“, schätzt der Bürgermeister.

Reiner Grebing könne jedoch bei der Gemeinde direkt oder auch über den Ortsbeirat Sarnau den erstmaligen Ausbau des Straßenteilstücks beantragen. Die Gemeinde werde dies „dann auch wohlwollend prüfen“.

Es stimmt, dass sich Reiner Grebing bereits an den Ausbaukosten der Rosenstraße beteiligt habe, bestätigt der Bürgermeister. Allerdings betraf das nur den bereits ausgebauten Teilbereich. Diese Angelegenheit sei dann weder von dem Anwohner noch von der Gemeinde Lahntal weiterverfolgt worden. Apell bietet Grebing aber „gern ein erneutes Gespräch zu diesem Sachverhalt“ an.

Von Ina Tannert

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