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Nordkreis Gegner machen Front, Gemeinde will Dialog
Landkreis Nordkreis Gegner machen Front, Gemeinde will Dialog
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16:00 04.07.2019
Teilnehmer der Sternwanderung an einem der Windrad-Standorte im Feld. Quelle: Elvira Rübeling
Münchhausen

Wie in anderen Kommunen im Landkreis auch, sollen in der Gemeinde Münchhausen die geplanten Windkraftanlagen der neuesten Generation angehören. Will heißen, es handelt sich um die größten und höchsten Windräder, die dann an Land gebaut wurden. Die Gesamthöhe beträgt 250 Meter, die Narbenhöhe 166 Meter, der Rotordurchmesser (Flügelspannweite) 162 Meter, die überstrichene Fläche 20 612 Quadratmeter und die Schallleistung 104 dB (A).

Diese Neuplanungen haben in diesem Jahr zur Gründung der Bürgerinitiative (BI) „Windkraft Niederasphe“ geführt. Am Sonntag trafen sich auf Einladung der BI interessierte Bürger in allen Ortsteilen der Gemeinde Münchhausen zu einer Sternwanderung zum geplanten Windpark. Vorbei an den mit bunten Luftballons markierten Standorten der sechs Windräder trafen schließlich rund 200 Bürger am Wasserbassin in Niederasphe zusammen. Dort wurden sie von den Vorsitzenden Jörg Erdmann und Hans Walter Hallenberger und einem Teil der 250 Mitglieder der Initiative mit eingerichteten Schattenplätzen und kalten Getränken empfangen.

Trotz tropischer Temperaturen hatten sich allein von Niederasphe aus rund 70 Bürger auf den Weg gemacht, weil es ihnen wichtig ist, „dass ein wertvolles Naturparadies nicht verloren geht“.

Kraft: 1,2 Vögel sterben pro Windrad in der Stunde

Von der Schönheit der Landschaft zwischen Rothaargebirge und Burgwald, in der 119 Vogelarten – davon 66 auf der roten Liste – beheimatet sind und die zudem auch von Zugvögeln stark frequentiert wird, konnte­ sich an diesem Tag wirklich ­jeder überzeugen. Die in großer Zahl dort eingebetteten Blühwiesen bieten zudem Insekten einen neuen Lebensraum.

„Kämpfen Sie gegen die Windräder“, appellierte Professor Martin Kraft vom Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie (MIO) abschließend. Zuvor hatte er einen leidenschaftlichen Vortrag darüber gehalten, was der Windpark seiner Meinung nach mit der Natur anrichtet. Im Durchschnitt sterben 1,2 Vögel pro Windrad in der Stunde, so seine Aussage.

Neben dem Profitdenken anderer geht es der Bürgerinitiative aber nicht nur um die Zerstörung der Natur, sondern um die auch damit im Zusammenhang stehende Gesundheit der Menschen. Die Folgen des Infraschalls, der nachweislich einen Einfluss auf die Herzleistung habe, seien nicht absehbar. Nur in Hessen sei der Mindestabstand – wie im Fall des geplanten Windparks von 1.000 Meter – zur Bebauung noch rechtskräftig, wohingegen in anderen Bundesländern aus guten Gründen bereits neue und weitere Abstandsreglungen gelten. Der Antrag der UKA liege derzeit dem Regierungspräsidium vor, so Erdmann.

Bürgerforum mit allen Ansprechpartnern vor Ort

In diesem Zusammenhang machte er auch auf eine kostenlose Rechtsberatung, seitens der Bürgerinitiative für die Grundstückseigentümer aufmerksam, die in den Jahren 2016/17 bei der Firma Krug einen Poolvertrag abgeschlossen haben. Die von der Firma Krug im Jahr 2018 präsentierten neuen Poolverträge seien jedenfalls verändert. Interessierte können sich auch über die Webseite der Bürgerinitiative „Windkraft Niederasphe“ und einen geplanten Informationsabend für Grundstückseigentümer, informieren.

Die Gemeinde Münchhausen, die sich bisher immer interessiert zeigte, an der Energiewende mitzuarbeiten und die auch eine Genossenschaftsgründung mitinitiierte, ist nun auch sehr bemüht, dass sich die Vertreter unterschiedlicher Ansichten zum Thema Windkraft in die Augen schauen und miteinander statt übereinander reden. Bürgermeister Peter Funk freut sich deshalb auch sehr, dass es gelungen ist, allen Bürgern der Großgemeinde einen Info-Tag anzubieten, an dem alle relevanten Ansprechpartner direkt vor Ort sind. Der „Info-Markt zur Windenergie in Münchhausen soll am Donnerstag, 22. August, von 16 bis 20 Uhr im Bürgerhaus Simtshausen stattfinden. Das Bürgerforum Energieland Hessen wird im Auftrag des Landes von der Hessischen LandesEnergieAgentur umgesetzt und dabei vom Projektpartner IFOK aus Bensheim unterstützt.

Jeder Haushalt soll eingeladen werden

Ziel der Veranstaltung ist es, dass sich Bürger umfassend informieren und auch ihre eigenen Fragen stellen können. Dies geschieht nicht in einem Plenum, sondern direkt an Ständen aller Beteiligten. So wird auch die BI Niederasphe einen Stand haben, wie Jörg Erdmann gegenüber der OP bestätigte. Vor Ort wird natürlich auch die LandesEnergieAgentur selbst sein, die beispielsweise auch zum viel diskutierten Thema Infraschall informieren kann. Die Gemeinde Münchhausen präsentiert den Projekthintergrund und alle bisherigen Beschlüsse der Gremien. Krug-Energie, in Wollmar ansässig, und die Firma UKA wird mit Vertretern über den Planungsstand, das weitere Vorgehen und den zeitlichen Ablauf Auskunft geben wie auch über den geplanten Anlagentyp sprechen bis hin zum Bauablauf. Gutachterbüros werden zudem mit Experten zugegen sein. Sie können zu Themen wie Schallimmissionen, Schattenwurf, Nachtkennzeichnung, aber auch zum avifaunistischen Gutachten, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen Stellung beziehen.

Bürgermeister Funk ist es wichtig, dass jeder interessierte Bürger die Möglichkeit hat, sich dort zu informieren: „Mitbürger, die nicht mobil sind, werden an diesem Tag von einem Shuttleservice abgeholt und natürlich auch wieder nach Hause gefahren.“ Auch soll ­dafür Sorge getragen werden, dass möglichst jeder Haushalt in der Großgemeinde eine Einladung erhält. „Wir müssen uns dem Thema stellen. Es gibt diese Vorrangfläche und wir haben das Glück, Projektierer aus der eigenen Gemeinde zu haben, die nicht mauern, sondern den  ­Austausch anbieten. Das sollte­ auch entsprechend genutzt ­werden“, sagt Funk.

von Elvira Rübeling und Götz Schaub