Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Das Licht bleibt aus
Landkreis Nordkreis Das Licht bleibt aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 08.11.2019
Bald werden die Straßenlaternen in Wetter wieder weihnachtlich geschmückt. Eine Beleuchtung in der Nacht wird es jedoch nicht ­geben, das beschloss das Stadtparlament nun endgültig. Quelle: Thorsten Richter
Wetter

Der Bürgerentscheid im September hat bei der ­Beantwortung der Licht-Frage auch nicht geholfen – denn der war gar keiner. Zumindest nach offizieller Definition. Bei der Befragung aller Bürger der Kernstadt und den Stadtteilen sprachen sich zwar rund 55 Prozent für die Nachtabschaltung aus, insgesamt wurde jedoch nicht die erforderliche Bürgerbeteiligung erreicht, womit die erhoffte Entscheidung des Souveräns ohne Gültigkeit dasteht (die OP berichtete).

Somit befasste sich am Dienstagabend, 5. November, die Stadtverordnetenversammlung mit der Frage, ob denn die Straßenbeleuchtung zwischen 1 Uhr und 4.30 Uhr abgeschaltet bleiben soll oder ob doch noch der Schalter umgelegt wird. Auf Letzteres zielte ein Antrag der SPD und der Linken ab, die das Ergebnis der Bürgerbefragung nach geografischen Gesichtspunkten nochmal aufgedröselt und Folgendes festgestellt hatten: Die Meinungen der Bewohner aus den Ortsteilen und denen aus der Kernstadt driften weit auseinander, während die Stadtteil-Bewohner sich eher für die Nachtabschaltung aussprachen, hätten die Bürger der Kernstadt mehrheitlich doch lieber Licht.

Dieser „deutlichen Bürgermeinung“ solle das Parlament nachkommen und die Regelung zumindest in der Kernstadt aufheben, während die nächtliche Straßenbeleuchtung in den Außenbezirken­ ­abgeschaltet bleibt, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Althaus den Antrag.

Bürgerbefragung

Beim Bürgerentscheid zur Straßenbeleuchtung hatten 1.477 Männer und Frauen in Stadt und Stadtteilen mit Nein und damit für einen Beibehalt der Abschaltung zwischen 1 und 4.30 Uhr gestimmt. Mit Ja und damit für eine Änderung der Regelung stimmten 1.198 Wetteraner. Mindestens 25 Prozent aller Wahlberechtigten hätten entweder für oder gegen die Änderung stimmen müssen, damit ein Quorum hätte erreicht werden könne.

Dass in der Kernstadt das Licht ab 1 Uhr ausgeknipst werde, gerade dann wenn der öffentliche Verkehr noch fährt, sei außerdem ein Image-Schaden für Wetter. „Wenn einer mit dem letzten Bus ankommt, geht das Licht aus
– das ist nicht repräsentativ“, meint Althaus. Die Kernstadt habe da „eine andere Funktion als die Außenstadtteile, lasst es wenigstens in Wetter hell werden“, appellierte der Fraktionschef an die Versammlung.

Dem Antrag hatte sich ursprünglich auch die CDU-Fraktion ­angeschlossen, sprang dann jedoch wieder ab. Den Grund erläuterte Volker Drothler (CDU): Nach Gesprächen mit verschiedenen Bürgern habe er seine Meinung geändert, befürchte nun „eine ungleiche Behandlung“, eine unnötige Konkurrenzsituation zu den Stadtteilen, die der Kernstadt „in nichts nachstehen wollen“. Außerdem solle über das Thema ohne Parteizwang entschieden werden, erklärte er den Umschwung.

Die Versammlung lehnte den Antrag schlussendlich ab, es bleibt bei der Nachtabschaltung für alle, Außenbezirke wie Kernstadt. So ganz vom Tisch scheint das Thema dennoch nicht. Für eine Alternativlösung sprach sich noch die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen aus: Wie Jörg Bettelhäuser vorschlug, könne die Nachtabschaltung wie gehabt beibehalten, jedoch an die Fahrtzeiten des öffentlichen Nahverkehrs angepasst werden.

Flexibel genug seien die Einstellmöglichkeiten zur Beleuchtung der Stadt. Darauf wies auch Bürgermeister Kai-Uwe Spanka hin, der vorschlug, bestimmte Ecken in der Kernstadt möglicherweise von der Abschaltung auszunehmen, für eine „Beleuchtung der Gefahrenpunkte“.

von Ina Tannert