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Nordkreis Wegepaten geben Staffelstab weiter
Landkreis Nordkreis Wegepaten geben Staffelstab weiter
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11:58 06.01.2021
Seit rund zehn Jahren kümmern sich Walter Zimmer (links) und Helmut Emmerich um die Pflege des Eibenhardtpfads.
Seit rund zehn Jahren kümmern sich Walter Zimmer (links) und Helmut Emmerich um die Pflege des Eibenhardtpfads. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Cölbe

Wandern hat im ersten Corona-Jahr viel an Popularität gewonnen – doch so richtig Spaß bringt das Hobby nur auf gut gepflegten Strecken. Darum kümmern sich in Cölbe seit Jahren ehrenamtliche „Wegepaten“, und die haben nun Nachfolger für die Pflege des Eibenhardtpfades gefunden.

Für einen ungetrübten Ausflug in ein Landschaftsidyll mit mystischer Vergangenheit und Panoramablick über Ohm- und Lahntal sorgten bislang Walter Zimmer und Helmut Emmerich. Seit zehn Jahren sind die begeisterten Wanderer im Einsatz für „ihren“ Weg, den sie unermüdlich frei von Wildwuchs halten. Immer wenn es nötig ist, rücken sie mit der Heckenschere an, mähen das Gras am Wanderparkplatz, sammeln Müll, schreiben regelmäßige Pflege-Protokolle oder sehen bei der Schutzhütte, die sie auch mit aufgebaut haben, nach dem Rechten. „Es gibt jede Menge Baustellen, wir machen alles, was so anfällt, und kümmern uns“, erzählt Zimmer. Besonders am Anfang, als der 2009 eingeweihte Weg aufgebaut wurde, kamen da schon mal 500 Arbeitsstunden im Jahr zusammen.

Der Premiumwanderweg südlich und westlich von Reddehausen zählt zum Wandermärchen Burgwald-Ederbergwald und ist mit einer Strecke von rund 6,3 Kilometern und der Einstufung „leicht“ auch für ungeübte Wanderer geeignet. Rund zwei Stunden dauert eine Tour. Und der Einsatz der Wegepaten kommt an – der Weg ist nicht nur mit hohen 71 Bewertungspunkten ausgezeichnet, ihre Arbeit werde auch von den Wanderern honoriert, die gerne kommen, freut sich Emmerich. Alleine am Startpunkt, dem Wanderparkplatz bei Reddehausen, machte im letzten Jahr ein steter Strom an Besuchern Station, „der Parkplatz war richtig voll, wir haben teils 80 Fahrzeuge an einem Tag gezählt“.

Der Eibenhardtpfad sei auch für die Gemeinde „eine Visitenkarte, ein großer Gewinn – und das liegt an der guten Pflege“, lobt Bürgermeister Dr. Jens Ried. Der anstrengende ehrenamtliche Dienst hat es aber auch in sich, daher ziehen sich die bisherigen Wegepaten so langsam zurück und übergeben an ihre Nachfolger: Als neue Wegepaten übernimmt nun das Ehepaar Annette und Erich Müller die Regie, das sich schon auf die Arbeit freut: „Das ist ja wichtig, wir sind beide Naturmenschen und machen das gerne“, erzählt Erich Müller. Beide sind erfahrene Wanderer, die schon zu Fuß über die Alpen gezogen sind. „Wir genießen ja selber gut gepflegte Wanderwege – und das sollen auch andere, da helfen wir gerne“, ergänzt Annette Müller.

Riesen-Sage wird lebendig

Und der heimische Weg sei das mehr als wert – er lockt nicht nur mit einer entspannten Strecke am Südrand des Burgwaldes, sondern auch mit Legenden aus der Vergangenheit. Schließlich weht dort noch ein letzter Hauch der keltischen Vergangenheit: Vorbei an Grillhütte, Streuobstwiese zum rund 300 Meter hohen namensgebenden Eibenhardt liegt auf der Bergkuppe der noch zu erahnende keltische Ringwall. Die frühere Befestigung mit Graben, Wall und Palisaden mit 400 Meter Durchmesser soll einst eine keltische Militärstation geschützt haben. Die wird in alten Schriftstücken noch immer als „Riesenhöfchen“ erwähnt. Passend dazu liegen am Wegesrand auffallend große Felsbrocken, die auf streitbare, Steine werfende Riesen zurückgeführt werden – der größte Stein trägt auch noch immer den Namen „Riesenstuhl“.

Durch den Wald führt die Strecke bequem wieder zum Parkplatz zurück. Dort beginnt übrigens auch nicht nur die zertifizierte Strecke, sondern auch ein 3,2 Kilometer langer und barrierearmer Wanderweg, der auch für Rollstühle oder Kinderwagen geeignet ist.

Weitere Informationen unter www.marburg-tourismus.de/Eibenhardtpfad

Von Ina Tannert

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