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Nordkreis Vom Küchentisch zurück ans Schulpult
Landkreis Nordkreis Vom Küchentisch zurück ans Schulpult
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17:58 26.02.2021
Die Klasse 6b ist seit dieser Woche wieder zurück an der Wollenbergschule, zumindest wochenweise im Wechselmodell. Die Englischstunde mit Lehrer Simon Scheffler lief schon einmal rund.
Die Klasse 6b ist seit dieser Woche wieder zurück an der Wollenbergschule, zumindest wochenweise im Wechselmodell. Die Englischstunde mit Lehrer Simon Scheffler lief schon einmal rund. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Wetter

Man sieht es unter ihren Masken nicht so richtig, aber die Freude steht den Schülern der Klasse 6b auch so ins Gesicht geschrieben. Der Grund: Sie sind wieder da, wieder zurück in ihrem Klassenraum an der Wollenbergschule Wetter (WSW). Zumindest die Hälfte der Klasse, die auf Wechselmodell umgestellt hat.

Wie war der erste Schultag am Montag so am eigenen Schulpult? „Ungewohnt, es war schon ein bisschen komisch“, erzählt Felix grinsend. Positiv ist ihm als erstes die andere Schreibunterlage aufgefallen: „Es ist besser auf dem Tisch hier zu arbeiten als am Küchentisch zu Hause“. Das finden auch viele Mitschüler, die spürbar begeistert sind, wieder analog unterrichtet zu werden.

Gerade ist Englisch an der Reihe. „Good Morning Mister Scheffler“, rufen sie ihrem Lehrer im Chor zu. Es geht gut voran, „man kann sich hier viel besser konzentrieren und wird weniger abgelenkt“, findet Mia und tippt weiter auf dem Tablet. Sie und ihre Klassenkameraden können sich nun wieder wochenweise analog sehen, nicht nur virtuell über das Tablet. „So ist es besser, zu Hause fühlt man sich so alleine“, findet Helen.

Maskenpflicht, Abstand, Lüften und Hygieneprogramm, wie Händewaschen im Klassenzimmer, sind dabei weiterhin Pflicht. Jede Woche wird gewechselt, jeweils eine Hälfte der Klasse ist mal an der Schule, mal zu Hause im Fernunterricht.

Auch Schulleiter Andreas Irle ist zufrieden mit dem Neustart: „Die Kinder sind so glücklich, es ist gut, dass sie wieder da sind, nichts ist in der Pandemie schlimmer als soziale Einsamkeit.“ Die Aufregung über die erste Schulwoche nach der Teil-Wiedereröffnung hält sich bei Schulleitung und Kollegium soweit in Grenzen: „Es war ruhig, die Planung hatten wir schon im November fertig und die Kollegen kennen das ja schon“, sagt Irle. Die Lehrkräfte müssen dabei weiterhin den Lehr-Spagat stemmen, zwischen Präsenz – oft in zwei Klassenräumen gleichzeitig – und digitalen Unterrichtseinheiten für die Schüler zu Hause schaffen.

Die Schule war auf verschiedene Szenarien nach dem Teil-Neustart vorbereitet, dennoch stellt der gerade an einer integrierten Gesamtschule eine besondere Herausforderung dar: Denn neben den nun zurückgekehrten 5. und 6. Klassen waren die Jahrgänge 9 und 10 – als Abschlussklassen für Haupt- und Realschule – ja bereits da, allerdings auch nur zum Teil. Denn in den beiden höheren Jahrgängen sitzen üblicherweise auch Schüler, die die Schule bald verlassen, aber nicht an den Abschlussprüfungen teilnehmen, etwa weil sie auf ein Gymnasium wechseln.

Diese erhalten entsprechend der Landesregelung weiterhin Fernunterricht, während die Klassenkameraden zur Prüfungsvorbereitung in Präsenz büffeln.

Nun sind etwa 30 Prozent der Schüler wieder da. Würde auch der Präsenz-Vollbetrieb unter Corona-Bedingungen klappen? Dann könnte man je nach Landesvorgaben durchaus an Grenzen stoßen, „keiner weiß, wie der nächste Schritt aussehen wird und wie es weiter geht, es könnte schwer werden“, schätzt Irle. Alleine was Organisation und Aufteilung der Schüler angeht – die Schule sei zwar räumlich gut ausgestattet, wenn aber alle Klassen wieder da seien, dennoch gesplittet unterrichtet werden müssten, „dann sind irgendwann die Grenzen erreicht“.

Dennoch spricht er sich klar für die Rückkehr zum Präsenzunterricht aus, „so schnell wie möglich“. Wegen einer höheren Unterrichtsqualität analog im Klassenzimmer; „kein noch so guter Fernunterricht kann das ersetzen“. Die nächste große Herausforderung sei dann zu prüfen, wie es um den Unterschied beim Bildungsstand der Schüler bestellt ist, die teils längst wieder in Präsenz, teils mehrere Monate im Fernunterricht waren oder noch sind. Ginge es übrigens nach der 6b, wären sämtliche Klassenkameraden schon jetzt wieder zusammen: „Am besten wäre es, wenn alle wieder hier sind, wie früher“, findet Felix.

Von Ina Tannert

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