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Nordkreis Viele Arbeitsfelder auf dem Friedhof
Landkreis Nordkreis Viele Arbeitsfelder auf dem Friedhof
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13:56 05.10.2020
Die Urnen-Wiesengräber auf dem Friedhof in Wetter lassen sich nicht einfach pflegen. Quelle: Götz Schaub
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Wetter

Der Rundgang auf dem Friedhof hat sich gelohnt, so das Fazit des Ortsbeirats Kernstadt Wetter, der zu dieser Begehung am frühen Donnerstagabend eingeladen hatte. Neben Ortsbeiratsmitgliedern und einigen Stadtverordneten fanden sich auch zahlreiche Bürger ein. Zudem nahmen Wetters Pfarrer Dr. Matthias Franz, Bürgermeister Kai-Uwe Spanka und Matthias Petri, Leiter des Fachbereichs Ordnungs- und Friedhofsverwaltung der Stadt Wetter, teil. Zudem war der Marburger Guido Vaupel zugegen in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Bestatterverbandes Hessen.

Ortsvorsteherin Sabine Gleisner-Kuss stellte heraus, dass es dem Ortsbeirat zunächst darum gehe, einen Überblick zu gewinnen, was sich Menschen für den Friedhof wünschen, was dort möglich ist und wie die Pflege verbessert werden könne, gerne auch über ehrenamtliche Arbeitseinsätze. In der Tat gab es Wünsche, die innerhalb der Friedhofskommission und auch im Stadtparlament besprochen werden müssen, weil möglicherweise die Satzung geändert werden müsste. So gibt es von mehreren Menschen den Wunsch, nach ihrem Ableben in einer Urne im Einzelgrab ihrer bereits verstorbenen Ehepartner beigesetzt zu werden. Auch wird es zwei Neuerungen geben: Matthias Petri stellte an zwei brachliegenden Flächen vor, was dort entwickelt werden soll. So soll es künftig Baumbestattungen geben, ähnlich der Bestattungsform in einem Friedwald. Die Bäume, die dazu gepflanzt werden, sollen bereits eine gewisse Größe haben, damit der Charakter dieser Bestattungsart schnell erkennbar wird. Pfarrer Franz freut sich, dass diese Form in Wetter eingeführt werden soll. So wäre es für etwaige Angehörige nicht mehr ganz so beschwerlich, mal das Grab der verstorbenen Person aufzusuchen.

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Zudem biete der Friedhof auch bei der Beisetzung eine gute Infrastruktur aufgrund der Friedhofshalle – etwa bei Regen, was im Friedwald keine angenehme Erfahrung sei. Zudem stehe auch eine Orgel zur Verfügung.

Die zweite Fläche, die Petri vorstellte, ist eine Rasenfläche, auf der Wiesengräber entstehen sollen. Dort werden dann Särge eingelassen. Doch zu sehen gibt es nur eine 40 Mal 40 Zentimeter große Steinplatte im Rasen. Dieses Angebot ist für Menschen gedacht, die Wiesengräber gut finden, sich dafür aber nicht verbrennen lassen wollen, wie es bei den Urnen-Wiesengräbern üblich ist. Moniert wurde beim Urnengrabfeld die deutliche Unebenheit des Geländes, was eine gute Pflege kaum möglich mache. Die DIN-A4 großen Grabplatten liegen nicht auf einer Höhe, könnten kaum von einen Rasenmäher gefahrlos überfahren werden. Zum Teil sind sogar Kieselsteine drumherum gelegt.

Bürgermeister: Investitionen wirken sich auf Gebühren aus

Neben vielen Unebenheiten wurde auch der Zustand der Wege bemängelt. Der Hauptweg soll ausgebaut werden, damit auch schwereres Gerät auf den Friedhof fahren und ohne etwas zu beschädigen, zum Beispiel zu den Tiefengräbern, gelangen kann. Da müsse man aber schon mit Herstellungskosten in Höhe von 100 000 Euro rechnen.

Bürgermeister Spanka machte deutlich, dass Investitionen dieser Art auf die Gebühren Auswirkungen haben, dessen müsse man sich bewusst sein. Bleibt nur die Arbeit in Eigenleistung. Ob sich da jemand findet? Auf den Dörfern gab es immer wieder solche Aktionen, zuletzt im benachbarten Lahntal im Ortsteil Caldern, wo Wege komplett neu eingefasst und gepflastert wurden.

Weil der Stadt derzeit 700 000 Euro aufgrund der Corona-Pandemie im Haushalt fehlen, sind alle noch nicht angefangenen Investitionen auf Eis gelegt worden, sagte Spanka, darunter auch die Erneuerung des Daches der Friedhofshalle, für die 90 000 Euro bereitstanden. Der Ortsbeirat will die gewonnenen Erkenntnisse und Möglichkeiten der Eigenleistung weiter diskutieren und würde dann aber auch gern verschiedene Projekte konkret umsetzen, etwa von der Pflege rund um verwahrloste Gräber bis hin zum Schneiden und Anlegen neuer Hecken.

Von Götz Schaub