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Nordkreis Vereinsleben: Wenn die „Macher“ fehlen
Landkreis Nordkreis Vereinsleben: Wenn die „Macher“ fehlen
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14:00 15.09.2021
Für die Grenzgangmusikanten Goßfelden war Allroundtalent Manfred Ludwig (vorne zu sehen) eine Stütze. Nach seinem Tod war die Musikgruppe regelrecht gelähmt und wagt nun den Neuanfang.
Für die Grenzgangmusikanten Goßfelden war Allroundtalent Manfred Ludwig (vorne zu sehen) eine Stütze. Nach seinem Tod war die Musikgruppe regelrecht gelähmt und wagt nun den Neuanfang. Quelle: Privatfoto
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Goßfelden

In wohl jedem Verein gibt es sie: Die Macher, die Kümmerer, die Seelen des Vereinslebens. Ein einzelner oder vielleicht noch eine Handvoll tatkräftiger Männer und Frauen, die den „Laden“ am Laufen halten, praktisch den Kitt des sozialen Fundaments bilden. Viele Vereine kämpfen bei jeder anstehenden Vorstandswahl zunehmend darum, zeitraubende Ämter zu besetzen, Regularien zu erfüllen und jene, die immer mit anpacken, weiter zu motivieren.

Wenn aber ein klassischer Macher plötzlich ausfällt, nicht mehr tätig ist, im schlimmsten Fall gar verstirbt, dann ist das für jeden Verein ein herber Verlust. Menschlich im Besonderen, aber ebenso ein tiefer Einschnitt in ein funktionierendes Vereinsleben, wenn nicht sogar Grund für den drohenden Bruch.

Ein solcher Kümmerer und ewiger Ansporn war Manfred Ludwig für die Grenzgangmusikanten Goßfelden. Der Vorsitzende verstarb nach kurzer schwerer Krankheit mit erst 66 Jahren im Oktober 2020.

Ein Schock für den ganzen Verein

Der plötzliche Verlust ihres Vorsitzenden vor knapp einem Jahr war ein Schock für den ganzen Verein. Denn Manfred Ludwig war eigentlich immer da, nicht nur an Trompete und Flügelhorn, sondern schon seit der Gründung im Jahr 1995 im Vorstand, als die Musiktruppe als Abteilung des Grenzgangvereins startete.

In 2004 wurde sie ein eigenständiger Verein. Manfred Ludwig übernahm viele Aufgaben, als Notenwart, als der eine, der immer ein Auge auf die Organisation hatte, wie seine Vorstandskollegen berichten. So zog Manfred Ludwig nicht nur jedes Mal den Anhänger mit dem üppigen Equipment, er übernahm ehrenamtlich das ganze Auftritts-Management, sorgte für die Musikanlage, dafür, dass die Uniformen zum Auftritt picobello waren. „Er hat unheimlich viel übernommen und sehr viel gemacht, auf ihn war immer Verlass“, erinnert sich Schriftführer Hans-Peter Hahn.

Mit dem Tod des Vorsitzenden entstanden nicht nur im Amt, in der Organisation und der Buchführung Lücken, „für uns brach ein Stützbein weg, das hat uns hart getroffen – solche Leute kann man nicht ersetzen“. Hinzu kam noch die Pandemie, schon zuvor hatte der Verein mit dem Lockdown schwer zu kämpfen, Auftritte und Proben fielen weg, es herrschte nahezu Stillstand. Einige Musiker hörten auf, in den Reihen der Stimmungskapelle entstanden Lücken.

Auf die Krise folgt der holprige Neustart

Zeitweise stand durchaus die Existenz des ganzen Vereins mit rund 100 Mitgliedern und etwa 15 aktiven Musikern auf dem Spiel, verrät der Vorstand. Soweit soll es jedoch nicht kommen: Sich aus dem Loch wieder herauszuarbeiten, sei schwer, die Grenzgangmusikanten wagen aber den Neustart. Sie wollen versuchen, den Lockdown zu verdauen, die Lücke, die Manfred Ludwig hinterließ, zu schließen und „da weitermachen, wo er aufhören musste“. „Sehr positiv überrascht“ wurde der Vorstand, als plötzlich Hilfe von mehreren Seiten aus dem Verein kam, Aufgaben neu verteilt werden konnten. Stillstand sei jedoch nachhaltig Gift für jedes Vereinsleben, man stemme sich nun langsam wieder aus dem Schockzustand heraus, „jeder musste sich erstmal neu finden“, berichtet Kassiererin Heike Schmidt.

Nun werde dort angeknüpft, wo der Lockdown für eine ungewollte Pause gesorgt hatte. Zumindest soweit möglich – feste Zusagen für Auftritte zu treffen, sei angesichts der Pandemie-Entwicklung nach wie vor schwierig.

Künftig soll aber wieder zünftige Stimmungsmusik bei verschiedensten Veranstaltungen erklingen, vom Frühschoppen bis zur Kirmes. Das gemeinsame Spielen fehlte lange in allen musikalischen Vereinen, sie seien froh, dass es nun in mehrfacher Hinsicht ein Stück wieder weitergehen kann, „es hilft einfach, gemeinsam Musik machen zu können“. Die Bläser setzen auf ein breites Repertoire aus traditioneller böhmischer und bayerischer Blasmusik, über Marschmusik bis zu Pop und Rock. Die ersten Proben fangen nun wieder an, noch sei man vorsichtig optimistisch, nach der Krise wieder die Kurve zu kriegen: „Wir müssen jetzt wieder in den Rhythmus kommen“, sagt Hahn zuversichtlich.

Zur Verstärkung der eigenen Reihen sucht der Verein weitere aktive Musikerinnen und Musiker. Offene Proben finden an jedem Montag zwischen 19.30 und 22 Uhr in der Lahnfelshalle in Goßfelden statt.

Von Ina Tannert

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