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Nordkreis Münchhausen versinkt in den Fluten
Landkreis Nordkreis Münchhausen versinkt in den Fluten
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20:00 30.06.2021
Die Wassermassen schossen durch Münchhausen, überflutete Straßen und Gärten. Einsatzkräfte aus zig Wehren waren bis in die Morgenstundendamit beschäftigt, Keller leer zu pumpen.
Die Wassermassen schossen durch Münchhausen, überflutete Straßen und Gärten. Einsatzkräfte aus zig Wehren waren bis in die Morgenstundendamit beschäftigt, Keller leer zu pumpen. Quelle: Privatfoto
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Münchhausen

Eine Unwetterfront sorgte am Dienstagabend bis in die Nacht hinein für zahlreiche Sturm- und Wasserschäden in Teilen von Hessen, im heimischen Landkreis wurde Münchhausen mit voller Wucht von dem heftigen Gewitter getroffen. Die Bundesstraße 252 ebenso wie Straßen im Kernort wurden überflutet, Keller und Garagen liefen voll, der Strom fiel aus – ein Einsatz-Marathon für die Feuerwehren der Gemeinde, die bis zum frühen Morgen zu rund 20 Einsätzen ausrückten.

Gegen 18.30 Uhr begann der erste Regenguss, zur Zeit des EM-Spiels Deutschland gegen England. Es folgten Blitze, dann schlug das Unwetter voll zu. So einige Bewohner konnten die zweite Halbzeit wohl nicht mehr auf dem Fernseher verfolgen, denn mittendrin fiel ein Baum auf eine Leitung und sorgte für Stromausfall, berichtet Jens Dörscheln, Pressesprecher der Feuerwehr Münchhausen.

Die Gewitterfront setzte sich wohl zwischen Münchhausen und Christenberg fest und brachte Starkregen, der an verschiedener Stelle für plötzliche Fluten sorgte.

Schlimmstes Unwetter seit über 60 Jahren

Besonders betroffen war die Ortsmitte rund um die Bundesstraße, etwa mehrere Wohnhäuser in der Auenecke oder in der Straße Niederbach. Dazwischen fließt der Silberbornbach, der über die Ufer trat. Zu den Wassermassen, die aus dem Burgwald in den Ort flossen, kamen von dort wie auch aus dem Dorfteich weitere Fluten, die zusammen dafür sorgten, dass Straßen über Stunden nicht passierbar waren. Zahlreiche Notrufe und Alarmierungen gingen ein, selbst die Feuerwehr kam mit ihren Einsatzfahrzeugen am Abend zeitweise nicht durch, musste abwarten, bis sich der Wasserpegel wieder absenkte. „So etwas habe ich noch nie erlebt, mitten durch den Ort floss ein rauschender Fluss, wo es normalerweise höchstens Rinnsale gibt“, beschreibt Dörscheln im Nachgang die Lage. Selbst ältere Bewohner hätten solche Fluten seit langem nicht mitbekommen – wie einige berichteten, gab es eine vergleichbare Situation in Münchhausen zuletzt Ende der 50er Jahre.

Vom Abend bis etwa gegen vier Uhr in der Nacht war die Feuerwehr im Einsatz, nachdem die Straßen wieder halbwegs frei waren, „wir haben die Einsatzstellen dann von hinten nach vorne abgearbeitet“. Besonders hart traf das Unwetter die Gaststätte Forellenhof – der Keller lief voll, die Feuerwehr war rund vier Stunden damit beschäftigt, das Gebäude leer zu pumpen. Auch die Filiale der Volksbank gegenüber wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Wasser staute sich davor auf einer Länge von rund 200 Metern quer durch den Ort. Die Bundesstraße musste über Stunden gesperrt werden.

Darüber hinaus pumpten die Einsatzkräfte zahlreiche Keller aus, kontrollierten Schäden und Menschen, darunter eine Familie, die den Sturm im oberen Stockwerk ihres Hauses überstehen musste. Mitten in der Nacht stieg dann noch der Pegel der Wetschaft an und drohte, mehrere am Ufer geparkte Fahrzeuge zu überschwemmen. Die Feuerwehr warnte die Anwohner, musste „großflächig wecken“, die Bewohner aus den Betten holen, die ihre Wagen noch rechtzeitig umparken konnten, berichtet Dörscheln.

Im Einsatz waren rund 120 Feuerwehrleute. Die Kameraden aus Münchhausen wurden unterstützt von der Hochwasserkomponente aus Dautphetal, die speziell für diesen Fall ausgerüstet ist, und neben Mannstärke dringend benötigtes technisches Equipment einsetzte. Angehörige versorgten die Retter mit dem Nötigsten und übernahmen die Verpflegung. Die Kooperation vieler verschiedener Wehren habe ebenso reibungslos geklappt, „es war eine geniale Zusammenarbeit“, lobt Dörscheln, der eine positive Einsatz-Bilanz ziehen kann.

Wie hoch die entstandenen Schäden sind, lässt sich noch nicht sagen. Wie der Landkreis bestätigt, war Münchhausen samt Ortsteilen als einzige Gemeinde im Kreis dermaßen massiv betroffen, Feuerwehreinsätze in Zusammenhang mit dem Unwetter gab es ansonsten keine.

Von Ina Tannert

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