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Nordkreis Umgebauter Bauwagen dient als neues Zuhause
Landkreis Nordkreis Umgebauter Bauwagen dient als neues Zuhause
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19:00 01.01.2022
Jugendliche aus Reddehausen, Mitarbeiter von JEF Cölbe und pädagogische Handwerkerinnen mit Ortsvorsteherin Hildegard Otto (Vierte von rechts) und Bürgermeister Dr. Jens Ried (Fünfter von links) und Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein (Dritte von links) am Bauwagen, der vor Weihnachten noch umgebaut wurde.
Jugendliche aus Reddehausen, Mitarbeiter von JEF Cölbe und pädagogische Handwerkerinnen mit Ortsvorsteherin Hildegard Otto (Vierte von rechts) und Bürgermeister Dr. Jens Ried (Fünfter von links) und Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein (Dritte von links) am Bauwagen, der vor Weihnachten noch umgebaut wurde. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Reddehausen

„Bis vor drei Jahren hatte der Jugendclub seinen Platz mitten im Ortskern“, sagt Reddehausens Ortsvorsteherin Hildegard Otto. Dann wurde das Haus verkauft und der Jugendclub musste ausziehen und fand trotz großer Bemühungen kein neues Domizil. Übergangsmäßig durfte der Kirchsaal genutzt werden. Auch wenn das sehr nett war, konnte er nicht wirklich das ersetzen, was Jugendliche im Kopf haben, wenn sie an einen Jugendclub-Raum denken.

Nun ergab sich vor Kurzem eine Gelegenheit, sich einen Jugendraum zu kaufen und selbst herzurichten. Einen mobilen Jugendraum, den man an einem geeigneten Standort abstellen kann. Will heißen, die Gemeinde erstand einen Bauwagen. Nicht irgendeinen, sondern einen von der Region Burgwald-Ederbergland. Einen von vier, die die Region veräußerte. Man musste sich aber schon dafür bewerben, denn die Region, so Lena Bischoff-Stein, Regionalmanagerin der Region Burgwald-Ederbergland, wollte sie unbedingt in gute Hände geben.

Die vier Bauwagen kamen einst über den Hugenottenpfad von Frankreich in den Landkreis. Sie waren ein Ensemble, das man sich für Freizeiten ausleihen konnte als Schlafwagen, Küchenwagen, Toilettenwagen. Nun sind sie schon etwas in die Jahre gekommen und wurden nicht mehr genutzt. Also sollte ihnen ein „zweites Leben“ geschenkt werden.

Bewerbungsvideos

Den Jugendlichen in Reddehausen war es sofort sehr ernst mit der Idee, einen Bauwagen zu erwerben und nach eigenen Vorstellungen umbauen zu dürfen, berichtet Jannis Gerling vom Verein Junge Entwicklung fördern (JEF) Cölbe, der sich in der Gemeinde-Jugendarbeit engagiert. Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried ließ die Jugendlichen mal machen. „Die bewarben sich nicht nur schriftlich um einen der Wagen, sondern produzierten auch noch ein Bewerbungsvideo“, sagt Gerling. Das machte Eindruck, bestätigt Bischoff-Stein, und so steht nun ein Bauwagen neben dem Vereinsheim des FSV Reddehausen am Sportplatz.

Die Jugendlichen machten sich dann sofort daran, die Umbauarbeiten vorzunehmen. Dabei bekamen sie eine willkommene Hilfe von zwei Handwerkspädagoginnen der Alea GmbH Marburg, wo sich auch Jannis Gerling engagiert. So erhielten die Jugendlichen, insbesondere Mädchen, die Gelegenheit, richtig mit anzupacken und Holz mit Maschinen zu bearbeiten. Spontan entstand dabei auch die Idee, den Bauwagen mit einem fest installierten Vordach auszustatten. Innen wurde eine Küchenzeile eingebaut und ein Raumtrenner entfernt, um Platz zu schaffen für Heizung und gemütliche Sitzgelegenheiten.

Sechsköpfiger Club

Otto und Ried besuchten den Jugendclub während der Umbauarbeiten und überzeugten sich davon, dass die Jugendlichen glücklich dabei sind, ihr „Home“ selbst herzurichten. Derzeit sind sechs Jugendliche im Club. Die Altersspanne darf von 12 bis 18 reichen.

Bei den Arbeiten kam auch die große mobile Werkzeugkiste von JEF zum Einsatz, die sich auf einen Anhänger hieven lässt, um überall im Gelände einsetzbar zu sein. „Das ist ein tolles Beispiel für eine gelungene Beteiligung derer, die den Wagen anschließend auch nutzen wollen und sollen“, sagt Cölbes Bürgermeister. So sei die Akzeptanz und der Respekt vor dem Selbstgeschaffenen die Garantie, dass sich das Projekt und die Anschaffung bezahlt macht. Die Jugendlichen sind am neuen Standort gut unter sich, aber dennoch auch noch im Einzugsgebiet der sozialen Kontrolle, freut sich Pia Funke von JEF, die Reddehausen aus dem Effeff kennt.

Lena Bischoff-Stein informiert noch darüber, dass ein zweiter Bauwagen ebenfalls Treffpunkt für die Jugendarbeit der „Nuhnegänschen“ in Frankenberg-Schreufa geworden ist. Einer wird als Werkstatt und Imkerei in Gemünden genutzt und der vierte steht auf einer Streuobstwiese in Wohratal-Hertingshausen als Hugenottendenkmal.

Von Götz Schaub