Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Lahntal sorgt sich um den Präzedenzfall
Landkreis Nordkreis Lahntal sorgt sich um den Präzedenzfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 20.04.2022
Das Otto-Ubbelohde-Haus soll erweitert werden – doch es steht im Überschwemmungsgebiet.
Das Otto-Ubbelohde-Haus soll erweitert werden – doch es steht im Überschwemmungsgebiet. Quelle: Ina Tannert
Anzeige
Goßfelden

Es ist kulturell wie baulich ein wahres Kleinod, das Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden. Das frühere Wohnhaus des vor allem durch seine Illustrationen der Grimmschen Märchen bekannten Malers Ubbelohde (1867–1922) ist heute ein Museum – und das benötigt eigentlich mehr Platz.

Seit Monaten steht daher ein potentieller Ergänzungsbau im Raum. Das Problem: Das seltene Atelierhaus, eines der wenigen noch verbleibenden im Land, steht im Überschwemmungsgebiet, eigentlich herrscht dort Bauverbot, es handelt sich auch noch „um einen sehr sensiblen Bereich“, wie Bürgermeister Manfred Apell nochmals während der letzten Sitzung des Lahntaler Parlaments betonte.

Die deswegen durch den Landkreis in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie sieht aber durchaus die Möglichkeit für einen Ergänzungsbau und damit eine Grundlage für eine rechtssichere Baugenehmigung. Die Studie ist durch den Kreis noch nicht veröffentlicht worden. Der Bürgermeister gab zu dem Thema nun eine Stellungnahme ab, die auch das Parlament zur Kenntnis nahm.

Darin wird klar, dass Lahntal fest zu Ubbelohde und dem Erhalt seines national bedeutsamen Erbes stehe. Gleichwohl wird aber auch ein großer Zwiespalt deutlich, denn mit einer Zustimmung der Kommune würde eine Art Präzedenzfall geschaffen: Um den Wunsch der Otto-Ubbelohde-Stiftung als Träger umsetzen zu können, müsste die Gemeinde ein Grundstück verkaufen oder verpachten und sich damit zugleich für eine Bebauung samt Ausnahmegenehmigung aussprechen.

Das trifft aber auf den Wunsch anderer Bauwilliger nicht zu, die gerne an vergleichbaren Flächen – auch in anderen Ortsteilen – bauen würden, es eben wegen der Hochwassergefahr in Lahntal nicht dürfen. Hier nun eine Ausnahme zu machen, würde seltsam wirken, als würde mit zweierlei Maß gemessen, befürchtet Apell. Selbst wenn hier private (Bau)-Interessen und jene einer gemeinnützigen Stiftung verglichen werden.

Lahntal besteht auf mehr Abwägung

„Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ein Grundstück im Überschwemmungsgebiet besitzen, wünschen sich eine Ausnahme vom Bauverbot für die eigenen Planungen. Bei allem Verständnis für diese Wünsche ist es aber höchst selten möglich, den Wünschen zu entsprechen“, heißt es in dem Schreiben. Jede Ausnahme erhöhe die Hochwassergefährdung für die verbleibenden Bauwerke und könne „zu schwerwiegenderen Folgen im Falle eines Hochwassers führen“.

Daher sollten alle Beteiligten eine Ausnahme von einem Bauverbot „besonders umsichtig und sorgfältig prüfen und Alternativen in Betracht ziehen“.

Das wären etwa andere Grundstücke, nicht im direkten, sondern im näheren Umfeld des Hauses, die sich entweder in der Hand von Gemeinde, Landkreis oder auch von privat befinden, dafür nicht im Überschwemmungsgebiet liegen.

Die Stellungnahme von Lahntal ist keine klare Absage an einen Ergänzungsbau, aber auch keine sofortige Zustimmung. Die Gemeinde bremst manche übereilten Vorstellungen, sehe sich in der Verantwortung, „auf eine vorherige umfassende Abwägung“ zu bestehen, damit „alle Aspekte inklusive der alternativen Grundstücke“ berücksichtigt werden.

Bevor das nicht geklärt ist und auch nicht klar feststeht, ob eine Baugenehmigung in greifbare Nähe rückt, sehe es der Gemeindevorstand „für wenig zielführend“ an, schon jetzt über die Bereitstellung von Grundstücken zu verhandeln.

Von Ina Tannert

Nordkreis Schlange kann nur noch tot geborgen werden - Feuerwehr rettet Tiere aus brennendem Wohnhaus
14.04.2022
14.04.2022
12.04.2022