Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Aus dem Hörsaal in die Metzgerei
Landkreis Nordkreis Aus dem Hörsaal in die Metzgerei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 12.11.2019
„Ich bereue es nicht, studiert zu haben“, sagt Tobias Großkopf, „auch nicht so lange.“ Quelle: Tobias Hirsch
Cölbe

Tobias Großkopf ist kein „normaler“ Lehrling. In seiner Berufsschulklasse ist er der Älteste, fühlt sich aber trotz des Altersunterschieds zu seinen mitunter halb so alten Mitschülern wohl. Mit nun mehr 31 Jahren hat sich der Marburger, der gebürtig aus der Nähe von Darmstadt kommt, dazu entschlossen, sein Studium abzubrechen und eine Lehre anzufangen: als Fleischer bei der Metzgerei Lauer in Cölbe.

Acht Jahre lang hat Großkopf studiert, zunächst Politikwissenschaft, später Geschichte. Sein Studium startete er aus Interesse, aber ohne konkretes Ziel, sagt er. Irgendwann erreichte er den Punkt, an dem nichts mehr ging. „Was will ich danach damit machen?“, fragte er sich.

Großkopf hörte in sich und entschied sich dazu, komplett umzusatteln. Auch weil Andreas Lauer ihm „gut zuredete“, wie er sagt. Schon drei Jahre arbeitete Großkopf neben der Uni beim Metzgermeister als Reinigungskraft. Im Februar dieses Jahres startete er seine Ausbildung zum Fleischer. Statt zu Büchern und Papier greift der 31-Jährige nun zu Beil und Messer.

"Es war irgendwie selbstverständlich"

Seitdem fühlt er sich „viel ausgefüllter“, denn: „Am Ende des Tages sehe ich, was ich geschafft habe“, sagt Großkopf. Im Metzgerhandwerk, ist sich der 31-Jährige sicher, hat er nun seinen Traumberuf gefunden. Dass er über Umwege zum Fleischer geworden ist, macht ihm nichts aus. „Ich bereue es nicht, studiert zu haben – auch nicht so lange“, sagt Großkopf.

Durch sein Studium habe er ein breites Allgemeinwissen erlangt. Und die Geisteswissenschaften will er weiter als Hobby betreiben – „ohne Leistungsdruck“. Zwar sei er nicht zum Studieren gedrängt worden, als Sohn einer Akademikerfamilie habe sein Umfeld dies aber mehr oder weniger von ihm erwartet. „Es war irgendwie selbstverständlich, dass man selbst auch studiert, wenn die eigenen Eltern studiert haben,“, sagt Großkopf.

Für Studenten, die ähnliche Erfahrungen wie er in der Uni gemacht haben, hat Tobias Großkopf einen Rat: „Wenn sich nach einigen Semestern oder gar Jahren kein konkretes Ziel ergibt, ist es in meinen Augen besser, das Studium abzubrechen.“

von Tobias Kunz