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Nordkreis Ein Piks, der Hund und Menschen rettet
Landkreis Nordkreis Ein Piks, der Hund und Menschen rettet
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19:00 09.04.2022
Bei Operationen muss viel improvisiert werden. Doch erfahren die Hunde dabei Beistand ihrer Besitzer. Tierärztin Silke Körlings-König (links) strahlt zudem Ruhe und Routine aus.
Bei Operationen muss viel improvisiert werden. Doch erfahren die Hunde dabei Beistand ihrer Besitzer. Tierärztin Silke Körlings-König (links) strahlt zudem Ruhe und Routine aus. Quelle: Privatfoto
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Wetter

Tierärztin Silke Körlings-König hat es wieder getan. Sie nahm sich die Zeit für einen dritten ganz besonderen freiwilligen Arbeitseinsatz in Tansania. Und ganz ehrlich, wer einmal ein Video gesehen hat, in dem sich ein kleiner süßer Hund, mit der tödlichen Virusinfektion Tollwut herumquält, der kann nachempfinden, warum sich die Tierärztin aus Wetter immer wieder bereit erklärt, in fernen Ländern aktiv zu werden.

Mittlerweile war sie also das dritte Mal in Tansania, zuvor hatte sie schon Einsätze in Indien. Man kann schon behaupten, dass sie nun eine gewisse Routine erreicht hat. „Ich weiß jedenfalls, was auf mich zukommt, was ich erwarten kann, aber auch, was ich zum Improvisieren dabei haben muss“, sagt sie. So sind beispielsweise Kopflampe und eine Powerbank essenzielle Utensilien für die täglichen Operationen, die immer mitgeführt werden, denn dauerhafte Elektrizität gibt es bei ihren Einsätzen nicht.

Um Tollwut effektiv zu bekämpfen und damit auch vielen Menschen, insbesondere Kindern, das Leben zu retten, muss es konsequente Impfkampagnen vor Ort geben. Es geht immer darum, bei Hunden eine Impfquote von 70 Prozent zu erreichen, erläutert Körlings-König. So arbeitete sie Anfang des Jahres wieder für 14 Tage für Mission Rabies, eine Nonprofit-Organisation (siehe Infokasten), die solche Aktionen in verschiedenen Ländern mit international besetzten Teams organisiert.

Einsatzgebiet war der Meru District, der nicht allzu weit vom Kilimandscharo-Nationalpark entfernt liegt. In den Teams, die bei den flächendeckenden Impfungen strukturiert mit Hilfe einer speziell dafür entwickelten Handy-App vorgehen, trafen sich auch Bekannte aus früheren Einsätzen wieder. Das sei auch immer sehr schön, sagt die Tierärztin. Die Teams sind in ein Impfteam und ein Kastrationsteam aufgeteilt. Die Impfteams arbeiten nach zwei Methoden: Entweder gehen sie von Haus zu Haus oder sie richten einen Treffpunkt ein, zu dem die Menschen dann mit ihren Hunden kommen.

Letztere Methode sei gerade auf dem weitläufigen Land von Vorteil. An einem eingerichteten Ort lassen sich natürlich wesentlich mehr Hunde impfen und auch kastrieren. Die Kastration von Hunden ist die beste Methode, um eine stabile Hundepopulation zu erreichen und eine Voraussetzung für die effektive Bekämpfung der Tollwut. Die Menschen sind sehr dankbar und nehmen die Möglichkeit, ihre Hunde impfen zu lassen, sehr gerne an. „Dafür nehmen sie auch sehr weite Wege, die sie zu Fuß oder auf einem Moped zurücklegen, in Kauf. Bis zu 70 Kilometer.“

Hintergrund

Die Tollwut ist eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen sowohl für den Menschen als auch für Tiere. Annähernd 99 Prozent aller menschlichen Tollwutfälle werden durch Hunde übertragen.Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich etwa 59 000 Menschen an Tollwut sterben. Deutschland gilt seit 2008 offiziell als tollwutfrei. Es gibt eine Impfung gegen Tollwut. Die einzige Behandlungsmöglichkeit nach einem Biss eines Tieres, das Tollwut hat, ist die sofortige Impfung.

„Was in Tansania als Weg bezeichnet wird, wäre hier bei uns unvorstellbar. Die Verbindungswege dort sind nicht einfach zu befahren, die Autos kommen nur im Schritttempo voran, mit dem Auto bleibt man schnell stecken“, sagt Körlings-König. Am Ende der zehn Tage standen insgesamt 8 154 Impfungen (7 553 Hunde und 601 Katzen) und 350 Kastrationen zu Buche.

Damit auch nach Abreise des internationalen Teams die Arbeit vor Ort weiter fortgeführt werden kann, „wurden die lokalen Tierärzte und die Paraprofessionals von unseren Tierärzten in Operationstechniken und diagnostischen Maßnahmen geschult. Auf diese Weise erlangen sie die notwendigen Kenntnisse, um die Arbeit zum Wohle der Tiere vor Ort fortzusetzen. So bekommt unsere aktuelle Arbeit in Tansania auch einen nachhaltigen Effekt für Mensch und Tier“, sagt Silke Körlings-König.

Mission Rabies

Mission Rabies ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die ursprünglich als Initiative von Worldwide Veterinary Service, einer in Großbritannien ansässigen Wohltätigkeitsorganisation zur Unterstützung von Tieren, gegründet wurde. Ein Anliegen ist es, die Tollwut, auch Rabies genannt, weltweit bis 2030 auszurotten. Mittlerweile gibt es auch einen von Tierärztin Silke Körlings-König gegründeten deutschen Ableger der Organisation „Mission Rabies Deutschland“.

Eine Internetseite ist im Aufbau. Wer sich für die Arbeit von Mission Rabies interessiert kann sich im Internet zunächst unter www.missionrabies.com informieren.

Von Götz Schaub