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Nordkreis Wetteraner Tierärztin kämpft in Tansania gegen Tollwut
Landkreis Nordkreis Wetteraner Tierärztin kämpft in Tansania gegen Tollwut
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17:01 29.02.2020
Silke Körlings-König (rechts) mit einem geschützten Hund. Quelle: privat
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Der Kampf gegen Tollwut ist eine strukturierte Fleißarbeit. Je mehr Hunde, die in 99 Prozent aller Fälle als Überträger für Menschen gelten, in den entsprechenden Ländern geimpft sind, um so höher die Chance, die Krankheit zu besiegen. Flankiert werden die Impfaktionen von Kastrationen, um das ungebremste Vermehren der Tiere zu verhindern.

Tierärztin Silke Körlings-König hat sich mittlerweile zum dritten Mal für 14 Tage ehrenamtlich einer Kampagne von Mission Rabies angeschlossen, zum zweiten Mal in Tansania. In den Teams, die strukturiert vorgehen und dabei versuchen, flächendeckend zu wirken, trafen sich durchaus auch einige Helfer aus früheren Einsätzen wieder. Wie schon gewohnt, galt es vor Ort zu improvisieren.

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„Die Infrastruktur in Tansania ist mit der unsrigen nicht vergleichbar. Viele Orte sind nur schwer erreichbar, oftmals muss man auch das Auto stehen lassen, weil es keine Straßen mehr gibt oder diese wegen der Regenzeit einfach nicht mehr befahrbar sind“, sagt Silke Körlings-König. Wichtig sei es, dass die Menschen in den jeweiligen Regionen vorher informiert werden, an welche Sammelstelle sie mit ihren Hunden kommen sollen. In Tansania haben fast alle Hunde auch Besitzer, die ihre Tiere sehr lieben und viel zu oft gar nicht mitbekommen, dass ihr Tier an Tollwut erkrankt ist.

300 Tiere wurden operiert

Die Teams splitteten sich noch einmal auf in ein Klinik-Team und ein Impfteam. Körlings-König arbeitete wieder im Klinikteam mit und nahm Kastrationen vor. 300 Tiere wurden operiert. Dabei dienten Camping­tische als Operationstische. Wichtigstes Utensil war die batteriebetriebene Stirnlampe, denn mit Elektrizität vor Ort durfte man eigentlich nie rechnen. „Die Menschen sind sehr dankbar, dass man sich um ihre Hunde kümmert, und sie bringen sie tatsächlich in Scharen“, sagt die Tierärztin. So war auch für reichlich Arbeit gesorgt. Die Menge macht am Ende auch den Unterschied. Sind 70 Prozent aller Hunde in einer Region geschützt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Tollwutausbreitung sehr eingeschränkt.

Im Mai 2019 wurde der millionste Hund seit 2013 geimpft. Auch wenn noch viel Arbeit erledigt werden will, erste Erfolge stellen sich ein. Das schützt Familien vor Tragödien, denn Tollwut ist eine zu fast 100 Prozent tödlich verlaufende Krankheit.

von Götz Schaub

Hintergrund

Mission Rabies ist eine international tätige Nonprofit-Organisation, beheimatet in Großbritannien, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Tollwut bis möglichst 2030 weltweit zu besiegen. Bisher sterben jährlich noch rund 59 000 Menschen, in der Mehrzahl Kinder und Jugendliche, an Tollwut. Die „Hotspots“ sind Indien, Sri Lanka und afrikanische Länder wie etwa Uganda, Ghana, Malawi und Tansania. Hauptüberträger sind Hunde. Mit groß angelegten Impf- und Kastrationskampagnen dämmt Mission Rabies die Tollwut-Gefahr stetig ein. In der indischen Provinz Goa begann die Kampagne 2013. 2015 starben noch 17 Menschen dort an Tollwut, 2016 waren es acht, 2017 gab es kein Opfer mehr zu beklagen.

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