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Nordkreis Tausende Tonnen werden aufgerüstet
Landkreis Nordkreis Tausende Tonnen werden aufgerüstet
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12:57 15.11.2020
Mehr als 1.000 Mülltonnen warten auf dem Bauhof in Münchhausen auf die neuen Besitzer. Quelle: Ina Tannert
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Münchhausen

Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich auf dem Außengelände des Bauhofes von Münchhausen zeigt, wo sich Hunderte Mülltonnen mit schwarzen, grünen und blauen Deckeln in meterlangen Stapeln türmen. Es sind brandneue, mit Hightech bestückte Behälter, die dort auf ein neues Zuhause warten.

Hintergrund ist der Beitritt der Gemeinde in den Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf (MZV) ab dem 1. Januar 2021, mittlerweile die 15. Mitgliedskommune. Damit wird das Müllsystem runderneuert. Auch alle Tonnen erhalten ein Update, und zwar in Form von farbigen Aufklebern, einem Barcode und einem elektronischen Chip, über den die jeweilige Tonne genau identifiziert werden kann.

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Per Lesegerät wird für die Experten so erkennbar, zu welchem Grundstück beziehungsweise Kunden die Tonne gehört und wie oft diese abgeholt wird. Namen oder Adressen stehen indes nicht auf der Tonne, sondern eben nur der anonyme Barcode.

Das System nutzt der MZV in allen Mitgliedskommunen, es vereinfache den ganzen Prozess, brauche aber natürlich einige Vorarbeit für die Umstellung. Etwa wurden im Vorfeld alle Münchhäuser angefragt, welche Tonnen sie nutzen wollen, erklärt Anja Reichel, Leiterin der MZV-Geschäftsstelle.

Mehr als 1.200 neue Mülltonnen

Für die Umstellung müssen in der Gemeinde insgesamt 3.270 Abfallgefäße angepasst werden, Restmüll, Papier- und Biotonnen. Manche können einfach mit Chip und Aufklebern aufgerüstet werden, bei anderen geht das nicht. Daher werden im Januar insgesamt 1.212 alte Tonnen gegen neue ausgetauscht, weil diese entweder kaputt sind oder die Besitzer eine andere Größe bestellten.

Denn stellenweise nutzen Bewohner noch 60-Liter-Gefäße, die sind aber nicht Teil des MZV-Systems und können nicht mehr verwendet werden. Standardgrößen für Haushalte beim Restmüll sind etwa 80, 120 oder 240 Liter-Tonnen.

Das neue System arbeitet mit dem Pro-Kopf-Verbrauch, so wird etwa bei einem Vier-Personen-Haushalt regulär ein Pro-Kopf Verbrauch von 20 Litern angenommen. Es gibt zwar dieses Mindestvolumen, dennoch können auch größere Behälter angefordert werden, ebenso besteht nun die Wahl zwischen einer zwei- oder vierwöchigen Abholung.

Die Umstellung auf ein modernes Abfallsystem stellten Bauhofleiter Ralf Funk (links), Anja Reichel vom MZV Biedenkopf und Stefan Jesberg von der Gemeindeverwaltung vor. Quelle: Ina Tannert

Auch da greift das neue Registrierungssystem der digital aufgepeppten Tonnen. Die sind je nach vereinbartem Abhol-Rhythmus farblich mit Etiketten gekennzeichnet, auf den Chips ist das auch abgespeichert. Demnach erkennt das technische Gegenstück im Müllauto, ob der jeweilige Behälter an der Straße auch wirklich an der Reihe ist.

Tricksen sei dabei nicht möglich: Es bringe etwa nichts, die eigene Tonne, die eigentlich nur alle vier Wochen abgeholt wird, mit der des Nachbarn rauszustellen, der einen Zwei-Wochen-Turnus bestellt hat. Erstere wird dann nicht mit geleert. Es bringe auch nichts, das Etikett zu tauschen, denn Aufkleber und Chip sind aufeinander abgestimmt, „die sind miteinander verheiratet, wie wir gerne sagen“, erklärt Reichel schmunzelnd.

Müllgebühren steigen nicht

Eine Gebührenerhöhung werde es für die Münchhäuser nicht geben, sagt Stefan Jesberg von der Gemeinde. Auch für die Verwaltung entstünden keine höheren Kosten, vielmehr sei der Wechsel eine Arbeitserleichterung. Derzeit läuft noch die Aufrüstung der alten Tonnen, das übernimmt noch die Gemeinde.

Ein Kraftakt für Bauhofleiter Ralf Funk und sein Team, das derzeit die bestehenden Behälter überall aufrüstet, etwa bis Ende des Monats soll die Prozedur abgeschlossen sein. Ab dem 18. Januar folgt dann der nächste Rundumschlag, dann werden die nicht mehr tauglichen Tonnen ausgetauscht.

Die gelben Säcke sind vom „Systemwechsel“ übrigens nicht betroffen, die laufen über die Dualen Systeme.

Von Ina Tannert