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Nordkreis Streit in Goßfelden
Landkreis Nordkreis Streit in Goßfelden
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19:41 14.04.2020
Isenbergs Brücke in Goßfelden ist marode und musste gesperrt werden. Bürgermeister Manfred Apell wirbt für einen Neubau, manche Bürger lehnen den aber ab.
Isenbergs Brücke in Goßfelden ist marode und musste gesperrt werden. Bürgermeister Manfred Apell wirbt für einen Neubau, manche Bürger lehnen den aber ab. Quelle: Ina Tannert
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Goßfelden

Idyllisch gelegen ist die Überquerung der Lahn am westlichen Ortsrand von Goßfelden, wo seit gut 100 Jahren eine Brücke zum anderen Ufer führt – nun ist sie gesperrt und es gibt Streit um den Fortbestand.

Seit kurzem ist die als „Isenbergs Brücke“ oder „Isenbergsteg“ bekannte Überquerung am Ende der Mühlengasse am Radweg zwischen Goßfelden und Sterzhausen gesperrt.

Der Grund: „Die Standsicherheit ist geschwächt, es besteht die Gefahr, dass beim nächsten Hochwasser Überbau und Fundamente der Brücke in die Lahn gerissen werden könnten“, berichtet Lahntals Bürgermeister Manfred Apell bei einem Ortstermin.

Gutachten sieht Gefahren

Das bestätigt ein vorliegendes Gutachten: Die Stabilität des in den 1960er Jahren unter anderem aus Stahl, Beton und Sandstein errichteten Bauwerks – damals als Ersatz für den eingestürzten Vorgänger – sei fragwürdig, der stählerne Überbau rostet, Teile der Unterkonstruktion haben sich verformt, Unterbau und Pfeiler sind rissig, das Mauerwerk angegriffen, heißt es unter anderem im Schadensbericht.

Der kommt zu dem Schluss: Die Verkehrssicherheit sei „nicht mehr gegeben“, durch Schäden ist die Standsicherheit „beeinträchtigt“, zudem sei „eine Schadensausbreitung oder Folgeschädigung anderer Bauteile zu erwarten“. Nun wird im Ort über verschiedene Möglichkeiten diskutiert: Sanierung oder Abriss und Neubau.

„Das ist ein emotionales Thema“

Apell spricht sich für Letzteres aus, alleine aus Kostengründen und für mehr Hochwasserschutz: Nach einer ersten groben Einschätzung dürfte der Wiederaufbau der Brücke mehr als 200.000 Euro kosten. Unter den Bewohnern herrsche teilweise Unmut über mögliche Abrisspläne, manche setzen sich dafür ein, die Brücke weitestgehend zu erhalten, also Sanierung statt Rückbau.

Das Ziel: Das historische Bild der alten Brücke erhalten, denn an diesem hingen gerade die älteren Bewohner, „das ist ein emotionales Thema, für viele hat das eine historische Bedeutung“, sagt der Goßfeldener Richard Seip.

Mehrere Bürger haben eine Petition gestartet und sammeln Unterschriften, starten Aufrufe in sozialen Netzwerken, auch über die Gründung einer Bürgerinitiative werde nachgedacht. Wohin das Ganze nun gehen wird, stehe noch nicht genau fest, Priorität habe erst einmal „einen kurzfristigen Rückbau zu verhindern“ und weitere Informationen einzuholen, sagt Seip.

Sanierung hätte starke Auswirkungen

Dass an diesem Standort auch in Zukunft eine Brücke stehen soll, die auch begehbar ist, darüber seien sich beide Seiten so weit einig. Der Bürgermeister befürwortet einen Neubau, der zudem an künftige Hochwasserrisiken angepasst wird. Den Wunsch nach dem Erhalt der jetzigen Isenbergs Brücke könne er verstehen, glaube jedoch nicht daran, dass der Bau überhaupt erhalten bleiben könne.

Selbst wenn sich die Gemeinde für eine umfassende Sanierung entscheiden würde – an der Brücke müsste viel verändert werden, technisch wie optisch: Um heutige bauliche Maßstäbe zu erfüllen, müssten unter anderem eine neue Rampe, ein neues Geländer, neue Bohlen sowie tiefer gehende Pfeiler her.

Auch die wurden im Gutachten als „nicht ausreichend“ bewertet, „die Pfeiler haben nie ein richtiges Fundament bekommen“, sagt Apell. Im Ganzen müssten „zwischen 70 und 80 Prozent beim Aufbau ausgetauscht werden – es wäre quasi eine andere Brücke“.

Gemeinde prüft Fördermöglichkeiten

Problem für beide Seiten: Es mangelt in Corona-Zeiten an Möglichkeiten zu einer breiten öffentlichen Diskussion. Der Bürgermeister hofft auf den Sommer. Wann über die Causa Brücke entschieden wird, steht noch in den Sternen. Einen kurzfristigen Abbruch solle es nicht geben, solange nicht akute Einsturzgefahr herrscht. „Wir wollen das Ganze möglichst mit dem Ortsbeirat, den Bürgern und der Gemeindevertretung diskutieren“, betont Apell.

Die Gemeinde suche darüber hinaus nach Wegen, um finanzielle Mittel zu beschaffen, hat etwa beantragt, dass die Brücke als Teil des Radwegnetzes vom Land anerkannt wird und damit finanzielle Zuschüsse möglich wären. Auch die Chancen, Isenbergs Brücke den Status als Denkmal zu verschaffen, würden geprüft.

Von Ina Tannert