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Nordkreis Start in den Job mit dem Ohnsorg-Theater
Landkreis Nordkreis Start in den Job mit dem Ohnsorg-Theater
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10:58 13.02.2021
Alina Schmidt neben einem aktuellen Tourplakat von Peter Maffay, der im August nach Stadtallendorf kommt.
Alina Schmidt neben einem aktuellen Tourplakat von Peter Maffay, der im August nach Stadtallendorf kommt. Quelle: Privatfoto
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Münchhausen

Es gibt Menschen, die brauchen ein halbes Leben, um herauszufinden, welcher Job der richtige für sie ist. Und es gibt Menschen wie Alina Schmidt. Die wusste schon in der achten Klasse, was sie werden wollte: Veranstaltungskauffrau. „Nach der Konfirmation fing das mit dem Feiern und den Partys an, und ich habe mich schon immer dafür interessiert, das alles zu organisieren“, sagt die heute 23-Jährige aus Münchhausen. Außerdem sei sie ein „sehr organisierter Mensch“, das Kaufmännische liege ihr. Alina Schmidt machte den Realschulabschluss, schloss das Fachabitur an und nach einem Jahrespraktikum bei Stadtmarketing Marburg begann sie ihre Ausbildung bei Depro Concerts.

Von der Geburtstagsparty zur Großveranstaltung

Dass es „von der Geburtstagsparty zur Großveranstaltung natürlich ein Riesenschritt“ sein würde, war der zielstrebigen Frau aus dem Nordkreis klar.

In der Ausbildung lernte sie unter anderem, wie wichtig die Infrastruktur als Rahmenbedingung für große Veranstaltungen ist: „Die Besucher müssen dahin kommen, sie müssen irgendwo parken können und vieles mehr.“

Veranstaltungskauffrau sei ein Beruf, den man „wirklich in der Praxis und weniger in der Schule lernt“, sagt die Frau aus dem Depro-Team. Ihr größtes „eigenes“ Projekt während der Ausbildung war die Organisation von Gastspielen des Ohnsorg-Theaters: „Das war mein erstes Schätzchen.“ Hallen buchen, Hotelzimmer, Catering, Transport – all das gehörte bis zum Lockdown zum täglichen Brot von Alina Schmidt. Wie eng sind in dem Beruf die Kontakte zu den Künstlern? Unterschiedlich, sagt Alina Schmidt. Manche Künstler seien sehr offen – etwa, wenn es darum geht, Interviewtermine für sie zu vereinbaren. Andere wollten genau das nicht und seien distanzierter.

2020 habe sie das Glück gehabt, mit dem Cineplex und der Agentur Goldfisch Art das Sommer-Autokino organisieren zu können. Das sei eine gute Abwechslung zum sonstigen Geschäft gewesen, das im vergangenen Jahr weitgehend aus dem Absagen und Verschieben von Veranstaltungen bestanden habe. Auch jetzt, Anfang 2021, sei das noch so. „Doch die Hoffnung stirbt zuletzt“, erklärt Alina Schmidt fast ein wenig trotzig. Deshalb beschäftigt sie sich mit Marketingaktivitäten für den von allen herbeigesehnten Zeitpunkt, an dem wieder Veranstaltungen möglich sein werden. „Alle hoffen auf den Herbst, aber das haben wir im vergangenen Jahr auch getan“, sagt sie.

Metallica oder Roland Kaiser? Eigentlich egal

Auf den einen großen Lieblingskünstler, für den sie gern einmal eine Tour organisieren würde, will sich Alina Schmidt erst gar nicht festlegen. „Ich habe schon immer alle Musikrichtungen gehört. Ob ich ein Konzert von Metallica oder von Roland Kaiser organisiere, ist mir eigentlich egal.“ Gerade weil sie in der Branche arbeite, interessiere sie sich von vornherein erst einmal für alles. Und wenn sie selbst privat auf Konzerte geht, sieht sie sich selbst nicht so sehr als Fan des auftretenden Künstlers. „Ich achte auf alles, mich interessiert das ganze Drumherum, das Umfeld – Ich stelle mir ständig Fragen wie: Wo hängen welche Banner in der Halle? Welche Firmen arbeiten mit dem Veranstalter zusammen?“

Bereut hat Alina Schmidt auch in der veranstaltungslosen Zeit nicht ein einziges Mal, dass sie diesen beruflichen Weg eingeschlagen hat, im Gegenteil: „Egal, wie weit ich fahren muss, egal, wie viele Überstunden ich mache – wenn das Endergebnis stimmt, bin ich zufrieden.“ Veranstaltungskauffrau sei nicht nur ihr Beruf, sondern auch ihr Hobby: „Wer kann das schon von sich und seinem Job behaupten?“

Von Carsten Beckmann